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Weg mit den Staatshilfen!

Und sie bewegen sich doch. Dass Airbus erstmals in seiner Geschichte ein neues Jetprogramm ohne staatliche Anschubhilfe startet, ist ein erstes Indiz dafür, dass die milliardenschweren Subventionen in den Flugzeugbau bald spärlicher fließen könnten. Doch glauben zu wollen, der jahrzehntealte Wettlauf zwischen Airbus und Boeing um Staatsgelder könne damit sein Ende finden, wäre naiv: Weshalb sollte Airbus künftig komplett auf die Unterstützung diverser EU-Staaten verzichten, wenn auf der Gegenseite Boeing weiter üppig subventioniert wird?

Der überraschende Vorstoß der Europäer ist vielmehr als Versuch zu interpretieren, die starren Fronten im erbittert geführten Handelskrieg aufzubrechen. Offen wurde bereits der größte und teuerste Konflikt in der Geschichte der Welthandelsorganisation (WTO) angedroht. Doch in Wahrheit fürchten beide Streithähne einen neutralen Schiedsspruch aus Genf: Die WTO könnte ein krasses Urteil fällen, Subventionen gegebenenfalls zurückfordern und in anderen amerikanisch-europäischen Handelskonflikten ebenfalls Härte zeigen.

Der Kampf der Flugzeugbauer wurzelt in der Angst des US-Giganten Boeing, vom einst als Milliardengrab verspotteten Gegner Airbus überrollt zu werden und weitere Zehntausende Jobs in einer prestigeträchtigen Industrie zu verlieren. Die Führung im Bau großer Passagierjets liegt inzwischen bei Airbus. Was liegt da näher, als die fortwährenden Vitaminspritzen für den längst bärenstarken Konkurrenten ins Visier zu nehmen?

Am Ende des langen Streits dürfte ein Kompromiss stehen, der eine geringere staatliche Unterstützung für die Luftfahrtforschung vorsieht. Perspektivisch muss aber ein kompletter Subventionsabbau Ziel der Verhandlungen sein: Längst sind Boeing wie Airbus auch auf Grund ihrer komfortablen Duopol-Situation in der Branche dazu fähig, neue Flugzeugprogramme ohne fremde Hilfe zu realisieren. Daher wünscht sich nicht nur der bescheidene Steuerzahler: Weg mit den Staatshilfen für hoch profitable Konzerne, die damit in erster Linie ihre Aktionäre beglücken!

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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