Wege aus der Arbeitslosigkeit
Arbeit muss sich wieder lohnen

Mit den Problemen am deutschen Arbeitsmarkt verhält es sich wie mit der Frage nach der Henne und dem Ei: Ist die Arbeitslosigkeit so hoch, weil die Wirtschaft zu wenig wächst? Oder ist das Wachstum so niedrig, weil zu wenige Menschen beschäftigt sind?

BERLIN. Die Frage ist nur scheinbar banal. Denn wenn der zweite Fall zutrifft, würde eine Politik nach dem Motto "Arbeit durch Wachstum" die wahre Misere verschleiern. Dahinter steht der Meinungsstreit, ob makroökonomische Rezepte der Schlüssel zur Lösung sind - oder ein beherzter Abbau von Beschäftigungshürden im Sozial- und Arbeitsrecht.

Hinweise liefert ein Vergleich von Deutschland, Österreich und der Schweiz, den das Bonner Institut für Wirtschaft und Gesellschaft angestellt hat. Bei den Nachbarn ist die Arbeitslosenquote kaum halb so hoch wie hier zu Lande. Der klare Befund: "Entgegen landläufiger Meinung spielt das geringe Wirtschaftswachstum nur eine untergeordnete Rolle", so die Forscher. Während Österreichs Wirtschaft im Mittel etwas schneller gewachsen ist als die deutsche, blieb die Schweiz sogar zurück.

"Natürlich gibt es gute Gründe für eine Wirtschafts- und Steuerpolitik, die Deutschland als Standort für Investitionen attraktiver macht", betont Alexander Spermann, Arbeitsmarktexperte des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Das gelte auch für eine Bildungspolitik, die Menschen besser auf anspruchsvolle Arbeit vorbereitet - Arbeit, die weniger im globalen Lohnkostenwettbewerb steht. Nur sei es illusionär zu glauben, dass dies schon die Lösung sei.

Der wichtigste Schlüssel zu mehr Beschäftigung ist Spermann zufolge ein funktionierender Arbeitsmarkt für einfache Tätigkeiten mit geringer Bezahlung: "Jede realistische Analyse muss davon ausgehen, dass eine größere Zahl von Menschen mit einem marktgerechten Lohn allein den Lebensunterhalt nicht sichern kann." Ziel müsse daher ein System sein, das Niedriglöhne ökonomisch sinnvoll mit Sozialtransfers kombiniert.

Das heißt: Auch mit einfachen Tätigkeiten muss sich ein Gesamteinkommen erzielen lassen, das Arbeit attraktiver macht als Arbeitslosigkeit. Dabei muss es sich für die Betroffenen weiter lohnen, höher bezahlte Arbeiten anzustreben, für die es keine Zuschüsse mehr gibt. Und zugleich darf das System nicht so teuer sein, dass höhere Abgaben für alle am Ende mehr Arbeitsplätze vernichten als neue entstehen.

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