Weltbank
Frage des Vertrauens

Für Paul Wolfowitz wird es nun ganz eng. Das Exekutivdirektorium der Weltbank will ihrem Präsidenten das Vertrauen entziehen.
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Je länger die Debatte um Paul Wolfowitz andauert, desto häufiger ist das Argument zu hören, dass die Institution, die er anführt, Schaden nähme. Das ist richtig, weil es in der Tat dem Renommee der Weltbank nicht gut tun kann, wenn sie öffentlicher Demontage ausgesetzt ist. Daraus allerdings zwangsläufig abzuleiten, dass nur die Demission Wolfowitz’ die Bank retten könne, ist falsch. Wenn er jetzt gehen muss, dann sollte dies wegen seines Fehlverhaltens als Bankpräsident geschehen. Und nicht, weil er ein ungeliebter Chef ist.

Doch wie im richtigen Leben lässt sich natürlich auch bei der Weltbank das eine nicht sauber vom anderen trennen. An dieser Stelle findet sich vielleicht jener Punkt, der am meisten über die Verquickung von Wolfowitz, seiner Lebensgefährtin und deren Gehaltssprünge hinausreicht. Denn die Ursünde hat weniger der Ex-Vize im Pentagon selbst begangen, sondern sie geschah bereits mit Wolfowitz’ Nominierung. Es war grundsätzlich falsch, einen ideologisch belasteten und mit einem Krieg identifizierten Politiker wie Wolfowitz an die Spitze der Weltbank zu berufen. So wie es falsch war, John Bolton zum Botschafter der USA bei den Vereinten Nationen zu machen.

Denn ob Weltbank oder Vereinte Nationen – beide Institutionen leben davon, dass sie nicht ihre Mitglieder spalten, sondern sie sollen das Gegenteil vollbringen: Sie sollen Brücken schlagen und gemeinsame Nenner finden. Bolton und Wolfowitz sind jedoch beide Protagonisten eines eher konfrontativen, zumindest aber isolationistischen Führungsstils. Sie sind die falschen Leute bei beiden Institutionen. Ihr Scheitern – bei Bolton ist dies bereits geschehen – war mit ihren Berufungen angelegt. Während Boltons Verkörperung von Politik Ende 2006 im US-Kongress schlichtweg nicht mehr mehrheitsfähig war, muss bei Wolfowitz nun nach einem Anlass gesucht werden, um den Irrtum zu beseitigen. Doch der Anlass – die Gehaltsdebatte – will nicht so recht taugen. Und das macht die Sache so unerfreulich.

Dabei sind die Personen durchaus wichtig. Denn gerade bei der Weltbank macht es einen Unterschied, wer die Bank repräsentiert. Und dies mehr denn je. Die Welt hat sich durch Globalisierung und Öffnung der Finanzmärkte so verändert, dass die Weltbank einen Teil ihrer Bedeutung verloren hat´– zumindest aber hat sich diese verlagert: Stand einst die Finanzierung von Ländern mit mittleren Einkommen im Vordergrund, so hat sich dies abgeschwächt. Der Zugang zu den Finanzmärkten ist einfacher geworden und damit die Weltbank als Geber unwichtiger.

Zwar leiht die Bank nach wie vor an Länder mit mittleren Einkommen, doch geht die Hälfte ihrer Ausleihungen an nur fünf Staaten: Brasilien, Indien, Mexiko, die Türkei und China. Länder im Übrigen, die inzwischen selbst über reichlich eigene Währungsreserven verfügen – und der Weltbank Konkurrenz machen. China und Venezuela etwa treten als Kreditgeber auf und bezahlen in der Dritten Welt Projekte, die die Weltbank ablehnt. Dass dabei häufig politische Motive die freigiebige Geldverteilung der neuen Reichen steuern, übersehen die Empfänger. Und sie ignorieren die Tatsache, dass ihnen eines Tages die Rechnung präsentiert wird: entweder über Ansprüche auf Rohstoffe oder über politische Einflussnahme.

Für die Weltbank aber bedeutet dies, dass die Armutsbekämpfung immer zentraler wird. Dafür braucht die Bank die Gelder aus dem Fonds der International Development Association (IDA). Diese Milliarden, die die Bank zinslos vergibt, müssen bei den Weltbank-Mitgliedern vom Präsidenten eingesammelt werden. Für die nächsten drei Jahre fehlen über 20 Milliarden Dollar. Genau die müsste Wolfowitz jetzt einwerben. Doch er kann es nicht, weil er und die Bank beschädigt sind.

Dies hat vordergründig mit der so genannten Gehaltsaffäre zu tun, grundsätzlich aber mit der Person von Wolfowitz. Denn man gibt nur dem gerne Geld, dem man auch vertraut. Das Vertrauen in Wolfowitz war aber von Anfang an nicht groß. Der amerikanische Präsident hätte dies jedoch wissen müssen. Wolfowitz’ Krise ist deshalb auch eine Niederlage für George W. Bush. Wahrscheinlich sogar: vor allem für Bush.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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