Welteke
Billige Neiddebatte

Es ist schon skurril, wenn sich Boulevardblätter populistisch über Pensionsansprüche eines früheren Staatsdieners in Höhe von ein paar tausend Euro echauffieren, noch dazu eines ehemaligen Bundesbank-Präsidenten.

Menschen, die in vergleichbarer Position in der Privatwirtschaft arbeiten und Millionen Euro pro Jahr verdienen, dürften nur ein mitleidiges Grinsen über die Höhe von Ernst Weltekes Pension und seine Forderung nach Aufstockung übrig haben. Welteke hat sich im Umgang mit der Öffentlichkeit sicher ungeschickt verhalten, als die Übernachtung seiner Familie in einem Luxushotel auf Kosten der Dresdner Bank ans Tageslicht gezerrt wurde. Darüber ist er schließlich auch gestürzt. Doch seine einstige Ungeschicklichkeit ändert nichts daran, dass eine Pension in Höhe von einem Drittel der letzten Bezüge nicht gerade üppig ist und Anlass für eine gerichtliche Überprüfung geben kann.

Hätte Welteke der Dresdner Bank für seine Neujahrsrede zur Euro-Einführung eine Honorarforderung statt einer Hotelrechnung präsentiert, wäre ihm nichts passiert. Dass sich Bundesbank-Vorstände Reden mit erklecklichen Honoraren entgelten ließen, war damals gang und gäbe. Selbst nachdem Welteke darüber gestürzt war, dauerte es noch ziemlich lange, bis sich die Bundesbanker zu einem Verzicht auf dieses einträgliche, aber unter Unabhängigkeitsgesichtspunkten äußerst problematische Zubrot durchringen konnten.

Ernst Weltekes Handeln war nicht in Ordnung, aber es entsprach eben den damaligen Usancen in der Bundesbank. Gerade daraus resultierte ja, dass er sich so uneinsichtig gab, als seine Hotelrechnung publik wurde. Er hat es nicht verdient, als Raffzahn verunglimpft zu werden, weil er um eine aus seiner Sicht angemessene Altersversorgung streitet.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%