Weltjugendtag
Griesgrämige Kritiker

Sie schleppen schwere Holzkreuze quer durch Deutschland nach Köln zum Weltjugendtag. Sie schweigen in Exerzitien der Jesuiten und singen und tanzen mit Mönchen auf der Domplatte. Es ist eines der größten Feste der Jugend aus aller Welt, fröhlich, ausgelassen, manchmal skurril oder süßlich-kitschig. Sie skandieren „Be-ne-de-to“, wenn sie ihre Sonderzüge verlassen, und pilgern als Erstes zum Schrein der Heiligen Drei Könige.

Dabei ziehen sie in langen Schlangen mit Rosenkränzen und anderen, verloren geglaubten Symbolen ihres Glaubens an einer Reklametafel vorbei, auf der ein Nachrichtenmagazin titelt: „Gläubige verzweifelt gesucht“.

Die Tagesschau meldet, dass die freiwilligen Helfer keine Kondome verteilen. Deutschlands Kirchenkritiker wie Heiner Geißler sorgen sich wegen der angeblich lustfeindlichen Sexualmoral und des Zölibats, Leitartikler wegen des bloßen Eventcharakters. Dabei klafft eine riesige Lücke zwischen der oft sehr negativen veröffentlichten Meinung und der lebensfrohen und glaubensbereiten Jugend in Köln.

Weil die katholische Kirche sich jung und fröhlich gibt, wirken die Kritiker griesgrämig: Sie vergessen, wie flexibel die katholische Kirche ihre Feste als Event der Lebenswelt Jugendlicher anzupassen weiß: In Köln kontrolliert kein Pfarrer, wer zu wem in den Schlafsack kriecht. Und ausgerechnet Ratzinger spottet über das Vorurteil, Christsein habe nur mit einer „Menge von Geboten und Verboten“ zu tun. Es sei einfach „schön“, ein „Christ zu sein.“

Die undankbare Rolle der Dogmatiker fällt damit seinen Kritikern zu. Wenn das so bleibt, wird Benedikt XVI. seinem Ziel ein gutes Stück näher kommen: im glaubensfernen Deutschland als Menschenfischer zu wirken. rty

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