Weltmärkte: Ruppige Zeiten in den deutsch-französischen Beziehungen

Weltmärkte
Ruppige Zeiten in den deutsch-französischen Beziehungen

Groß muss der Frust bei Siemens sein: Knall auf Fall beendet der deutsche Konzern eine jahrelang währende Industriekooperation mit den Franzosen.

Siemens will seinen Anteil von 34 Prozent am Kernkraftwerksspezialisten Areva NP an die Areva Holding verkaufen und mit den Russen im Nukleargeschäft noch einmal von vorn anfangen. Der Fall Siemens/Areva wirft ein Schlaglicht auf die deutsch-französischen Industriebeziehungen. Sie sind immer dann besonders schlecht, wenn die Politik sich einmischt - wie bei Areva. Sie laufen dann problemlos, wenn die Unternehmen ihre Probleme unter sich regeln können.

Deutsche und französische Unternehmen stehen sich oft als Rivalen auf den Weltmärkten gegenüber. Das ist an sich kein Problem. Streit kommt aber dann auf, wenn eine Regierung versucht, ihrem nationalen Champion Vorteile zu verschaffen. Da besonders die französische Regierung in der globalen Krise Staatseingriffe nicht nur für normal, sondern sogar für dringend geboten hält, drohen den deutsch-französischen Industriebeziehungen ruppige Zeiten. Denn das Handeln von Paris zwingt die Bundesregierung, ebenfalls Stellung zu beziehen und sich einzumischen.

Jeden Tag betreiben Zigtausende Unternehmen aus Deutschland und Frankreich Geschäfte miteinander, ohne dass es Probleme gibt, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Auch große, grenzüberschreitende Übernahmen sind schon ohne Dramen gelungen: Der französische Industriegasanbieter Air Liquide hat zum Beispiel vor fünf Jahren das deutsche Traditionsunternehmen Messer Griesheim übernommen. Davor hatte der Versicherer Axa die deutsche Colonia geschluckt. Und in Frankreich hat Allianz den Versicherer AGF, einen der größten des Landes, gekauft. All dies lief vergleichsweise glatt.

Auch Daimler wäre es sicherlich lieber gewesen, seine Aeronautik-Aktivitäten mit denen der Franzosen zusammenzulegen, hätte an der anderen Seite des Tisches nur der private Lagardère-Konzern gesessen. Doch seit Gründung der EADS sitzt auch der französische Staat im Boot und hat de facto eine Sperrminorität, mit der er wichtige Entscheidungen blockieren kann. Die Folge: Daimler braucht immer wieder Rückendeckung aus Berlin. Seitdem muss sich die Bundeskanzlerin auch mit Personalfragen der EADS herumärgern.

Das Problem besteht darin, dass in vielen französischen Industriezweigen der Staat als Großaktionär mit am Verhandlungstisch sitzt. Das vergällt deutschen Interessenten mittlerweile, Annäherungen nur zu erwägen. So predigen deutsche wie französische Marinemanager zwar seit Jahren, dass es keinen Sinn ergebe, konventionelle U-Boote sowohl in Deutschland als auch in Frankreich zu entwickeln. Doch eine Annäherung der französischen DCNS an die deutsche Thyssen-Krupp-Marine scheitert allein daran, dass DNCS zu 100 Prozent dem französischen Staat gehört.

Auch ohne neue Großfusionen steht Ärger ins Haus: Die deutsche Post wartet seit Jahren darauf, zu fairen Bedingungen in den französischen Postmarkt einsteigen zu können. Derzeit machen die 15 alternativen Postanbieter in Frankreich gerade 450 Millionen Euro Umsatz. Regierungsthema wird auch der Wettbewerb zwischen der Deutschen Bahn AG und der SNCF werden, denn beide Bahnriesen gehören jeweils dem Staat. Der Ton zwischen beiden Unternehmen wird schon ruppiger.

Das Thema EADS hat gezeigt, dass diese Industrie-Egoismen zu einer gefährlichen Hypothek für die deutsch-französische Kooperation werden können. Dabei haben Merkel und Sarkozy weiß Gott Wichtigeres zu tun: Reform der EU, die Krise im Nahen Osten, das Klimaproblem, der Iran - die Liste ist lang.

Es wird aber wohl ein frommer Wunsch bleiben, dass beide Staaten sich darauf beschränken, ihren Champions faire Rahmenbedingungen zu bieten. Siehe Autosektor: Zwar wurde der deutsche Staatssekretär brav zum französischen Autogipfel eingeladen, auf dem die französische Regierung fünf Milliarden Euro Finanzhilfen für Renault und PSA Peugeot-Citroën ankündigte. Doch deutsche Automanager beklagen mangelnde Abstimmung und fürchten Wettbewerbsnachteile. Der Fall Siemens dürfte erst der Auftakt für eine Reihe von Streitfällen werden.

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