Weltweit viel zu viele Airlines
Zeitenwende im Luftverkehr

Mit der bevorstehenden Übernahme der Schweizer Fluggesellschaft Swiss durch die Lufthansa gewinnt die Konsolidierung über den Wolken Europas an Fahrt. Dass sie überfällig ist, zeigt ein Blick auf die horrende Verlustserie, die der geplagte Industriezweig in den vergangenen Jahren eingeflogen hat.

DÜSSELDORF. Schätzungen des Airline-Weltverbands Iata zufolge summieren sich die Verluste seit dem Terror des 11. September 2001 auf mehr als 25 Milliarden Dollar.

Die Flugangst der Kundschaft – verursacht durch Terror, Irak-Krieg und die Lungenepidemie Sars – ist zwar längst einer neuen Lust am Reisen gewichen. Doch die Minus-Ergebnisse vieler Airlines verbessern sich nur unwesentlich. Der Branchen-Spruch von Virgin-Gründer Sir Richard Branson hat deshalb nach wie vor Gültigkeit: „Die einfachste Art, Millionär zu werden, ist als Milliardär anzufangen und eine Airline zu gründen.“ Die Gefahr ist groß, dass noch viele weitere Milliarden durch die Triebwerke der Flugzeuge verbrennen, ehe die Branche zur Vernunft kommt. Immerhin verhindert die späte Einsicht der Schweizer weiteren Schaden für die Branche: Die Eidgenossen haben erkannt, dass das Präsentieren der Nationalflagge am Flugzeugheck allein noch kein Geschäftsmodell ergibt.

Vereinfacht sieht die aktuelle Bestandsaufnahme der Branche so aus: Es gibt weiterhin immense Überkapazitäten an Flugzeugen und weltweit viel zu viele Airlines. Dementsprechend hart ist der Konkurrenzkampf. Das gilt seit Jahren für den weltgrößten Luftverkehrsmarkt USA, aber zunehmend auch für Europa.

Der entscheidende Schub zur Konsolidierung kommt von den Billigfluggesellschaften: Ihr Business-Modell ist auf Kurzstrecken derart überlegen, dass die Etablierten selbst dann nicht mehr konkurrieren können, wenn sie im eigenen Unternehmen radikale Kostensenkungen durchsetzen. Einer aktuellen Boston-Consulting-Studie zufolge transportiert die britische Easyjet die doppelte Anzahl von Passagieren zur Hälfte der Kosten einer Lufthansa. Und weil der Kunde auf Flügen bis zu zwei Stunden kaum nach dem Service und fast ausschließlich nach dem günstigsten Preis schaut, gewinnen Billig-Anbieter im Europaverkehr schnell Marktanteile. Mehr als 50 Discount-Flieger hat dieser Boom allein in Europa hervorgebracht. Der Wettbewerb ist derart intensiv geworden, dass sich der durchschnittliche Ticketerlös für Flüge quer durch Europa allmählich dem Preis einer PKW-Tankfüllung nähert. Es ist absehbar, dass diesen ruinösen Wettbewerb am unteren Ende nur die Kostenführer überleben können. Und am oberen nur die Innovationstreiber und Qualitätsanbieter.

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