Weltwirtschaft
Wie Europas Abstieg zu einem Erfolgsmodell wird

Die Krise unserer Währung ist nur das jüngste Indiz: Mit Europa und dem Westen geht es bergab. Neue Mächte verdrängen uns. Grund zur Sorge? Nein - zumindest dann nicht, wenn wir den Abstieg gekonnt angehen. Ein Essay
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DüsseldorfDie Statistik lügt nicht: In Deutschland begeistern sich immer mehr Menschen fürs Wandern. Beim Erklimmen der Berge gibt es gerade für Anfänger dabei eine wichtige Lektion zu lernen: So anstrengend der Aufstieg auch sein mag, der richtige Abstieg ist entscheidend. Der schwierigste Weg ist immer der vom Gipfel zurück ins Tal.

Der Vergleich passt ideal zum aktuellen Zustand Europas. Wir sind gemeinsam auf dem Gipfel. Nie waren die Europäer reicher. Doch die Wende ist eingeleitet. Die Weltordnung verändert sich. Andere Länder wie China kommen auf und greifen nach dem Wohlstand, den wir noch haben. Sie werden nun reicher, wir im Verhältnis ärmer. Dass wir absteigen müssen ist sicher. Die Frage ist nur, wie stark unser Niedergang sein wird.

Auch wenn es sich zunächst paradox anhört: Es ist für Europa sinnvoll, am Gipfel Platz zu machen für aufstrebende Mächte. Eberhard Sandschneider, einer der einflussreichsten Experten für deutsche Außenpolitik, beschreibt es in seinem aktuellen Buch „Der erfolgreiche Abstieg Europas“ so: „Die Bereitschaft, Platz zu machen, ist die notwendige Voraussetzung, um zu verhindern, dass in den derzeitigen Prozessen globaler Machtverschiebung Konflikte entstehen, deren Kosten unkalkulierbar sind, aber immer zu Lasten Europas, seiner Sicherheit, aber auch seiner globalen wirtschaftlichen Interessen gehen.“

Europa muss also Platz machen am Gipfel für die nachrückenden Wanderer, damit es auf dem schmalen Plateau nicht zu eng wird und nicht zu Rangeleien kommt. Doch derzeit tut Europa noch das Gegenteil davon. Ein gutes Beispiel war die Wahl des Nachfolgers von Dominique Strauss-Kahn an der Spitze des IWF: Anstatt den Schwellenländern diesen Posten zu überlassen, verzichteten die Europäer kein Stück auf ihre Machtansprüche und setzten Christine Lagarde durch. Eberhard Sandschneider hätte sich Kooperationsgewinne erwünscht, „statt aus Gewohnheit und Mangel an politischer Phantasie an Privilegien festzuhalten, die es längst nicht mehr gibt“.

Doch warum fällt uns der Abstieg so schwer? Auch weil die Zuversicht so gering ist – nach einem Jahrzehnt der Rückschläge: Erst platzte die Internetblase. Dann erschütterten uns die Terroranschläge vom 11. September 2001 plus die von London, Madrid und Moskau, dazu kamen das Rohstoff- und Klimawandelproblem, dann die große Finanzkrise rund um die Lehman-Pleite (2008) und nun auch noch die Staatsschuldenkrise.

Kommentare zu " Weltwirtschaft: Wie Europas Abstieg zu einem Erfolgsmodell wird"

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  • Sehr schlecht beleuchteter Artikel bzw. Essay.
    Natürlich wird Europa bzw. der Westen nicht dauerhaft anderen Ländern voraus sein.
    Folgendes:
    1.) Der Westen geht nicht einfach gemeinsam Bergab - vereinfacht vom "Westen" zu sprechen ist stumpf.
    2.) Andere "aufstrebende" Länder wachsen natürlich schneller, da diese insgesamt einen DEUTLICH geringen Lebensstandard, Entwicklungsstandard, BIP Stand etc. haben als bspw. Europa oder die USA. Auf einem hohen Niveau wird das relative Wachstum logischerweise immer geringer (ansonsten würde ein Land bald die ganze Welt beherrschen - deswegen wird ein einzelnes Unternehmen auch nie dauerhaft überdurchschnittliche Marktrenditen erzielen können.) Absolutes Wachstum sollte hier ebenfalls betrachtet werden um richtige Schlussfolgerungen ziehen zu können. Des Weiteren werden aktuell aufstrebende Ländern (Indien etc.) mit zunehmendem Wohlstand ebenfalls eine zunehmend geringeres relatives Wachstum aufweisen (Begründung: s.o. + zunehmende Zufriedenheit der Bevölkerung). Einfach aktuelle Wachstumsraten fortzuschreiben ist einfach dumm. Natürlich werden andere Nationen an Gewicht und Bedeutung zulegen – was in Anbetracht der Einwohnerzahlenverhältnisse wohl auch logisch ist. Das heißt nicht der Europa „untergeht“ und einen geringeren Wohlstand aufweisen wird als andere Länder. Andere Länder können an Wohlstand gewinnen und Europa kann seinen bereits sehr hohen Wohlstand halten, ausbauen oder verringern – und trotzdem durchschnittlich noch einen viel höheren Wohlstand aufweisen als aufstrebende Länder.

  • M. Deyanaron

    Ihr Kommentar ist ein Schönwetter-Ballon .China wird /oder ist die wirtschaftliche Supermacht .
    Das kommunistische System will die Weltherrschaft in jeder Dimension .


  • Wie kann man diese Behauptung aufstellen , daß es Deutschland noch nie so gut ging. (...)
    Bitte mal die Realität beim Normalvolk aufnehmen .
    Dem Normalvolk ging es noch nie so schlecht seit dem Euro .
    Die Kohle machen doch die Gierigen .
    Der DGB vertritt mittlerweile auch die Interessen der
    Arbeitgeber .


    Wo bitte geht es den Deutschen (Normalvolk )so gut ????

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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