Wende
Quelle-Pleite Karriere-Killer für Guttenberg?

Es ist fast wie beim König Midas in der klassischen Antike: Egal was Karl-Theodor zu Guttenberg bislang anfasste – stets wurde es zu Gold und mehrte seinen Ruhm. Mit der Quelle-Pleite könnte die Karriere des bayerischen Barons nun eine schicksalhafte Wende nehmen.

Es ist fast wie beim König Midas in der klassischen Antike: Egal was Karl-Theodor zu Guttenberg bislang anfasste – stets wurde es zu Gold und mehrte seinen Ruhm. Der Aufstieg des jungen Bundeswirtschaftsministers zu einem der beliebtesten Politiker ging so rasant vonstatten, dass sich die Erfahreneren schon fragten, wann denn wohl jener schwindelerregende Höhepunkt erreicht sein würde, dem zwangsläufig eine Abwärtsbewegung folgen muss.

Die Pleite des Versandhauses Quelle könnte genau jenen Punkt markieren, an dem die Karriere des bayerischen Barons eine schicksalhafte Wende nimmt. Geschickt hatte „KT“, wie ihn seine Freunde nennen, bislang die Kunst des Ungefähren gepflegt. Damit ist er als Delphin im politischen Haifischbecken erstaunlich weit gekommen.

Zu Guttenberg ließ sich als gerne Ordnungspolitiker feiern, musste aber in den wenigen Monaten als Minister kaum etwas wirklich Schwieriges entscheiden. Beim bislang kompliziertesten Fall seiner kurzen Amtszeit, der staatlichen Rettung von Opel, legte er anfangs zwar tapfer ein Veto ein, drohte gar mit Rücktritt, ließ sich aber von der Kanzlerin flugs wieder in die Pflicht nehmen.

Was anderen als „umfallen“ angekreidet würde, wendete zu Guttenberg zu seinen Gunsten. Seit dem Kurz-Widerstand gegen Opel trägt er mit elegantem Understatement das Prädikat des ordnungspolitischen Widerstandskämpfers inmitten einer sozialdemokratisierten Christen-Union.

Bei Quelle verhielt es sich ähnlich: Zuerst äußerte der CSU-Wirtschaftsminister Skepsis und meldete ordnungspolitische Bedenken an. Dann lenkte er murrend ein, als sein CSU-Parteichef Horst Seehofer daran erinnerte, dass Quelle aus politischer Sicht vor allem ein bayerisches oder genauer gesagt ein fränkisches Unternehmen sei. Der fränkische Baron verzichtete fortan auf jeden Widerstand und versteckte die Bedenken in seinen berüchtigten Bandwurmsätzen. Auf Deutsch: Der Held der Ordnungspolitik verpasste wieder eine gute Gelegenheit, um wirklich Profil zu zeigen. Dabei wusste er genau, dass Quelle nicht zu retten war. Dennoch wurde so lange politischer Druck ausgeübt, bis ausgerechnet die Bayerische Landesbank und die im staatlichen Teilbesitz befindliche Commerzbank nachgaben und halfen.

Zu Guttenberg ist nicht zu beneiden. Nicht jede in Berlin und nicht jeder in München lässt junge Bäume ungehindert in den Himmel wachsen. Seehofer, so heißt es, will „KT“ den Mühlstein des Finanzministeriums um den Hals hängen. Was immer zu Guttenberg in der neuen Regierung wird – die Bewährungssproben kommen erst noch.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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