Wer regiert Deutschland?
Experten aller Parteien, vereinigt euch!

Egal, welche Koalition Deutschland künftig regieren wird: Die Fachleute aus den Parteien werden die Richtung in der Arbeitsmarkt-, Finanz-, Sozial-, oder Umweltpolitik vorgeben. Manch einer hofft noch auf ein Ministeramt. Das Handelsblatt analysiert, was die Wähler erwartet.

Finanzen und Steuern: In der Finanzpolitik lassen sich alle Parteien im neu gewählten Bundestag von alten Hasen vertreten. Die Union wird voraussichtlich ihren prominenten Finanzexperten Friedrich Merz (CDU) wieder in die erste Reihe schicken. Der hatte sich zwar Ende vergangenen Jahres frustriert im Streit mit CDU-Chefin Angela Merkel auf die Hinterbank verabschiedet. In der Auseinandersetzung über den früheren Verfassungsrichter Paul Kirchhof aber forderten mehrere CDU-Ministerpräsidenten seine Rückkehr ins Rampenlicht.

Merkel sicherte ihm schließlich eine "wichtige Rolle" zu. Im Gegensatz zu ihr ist Merz gestärkt aus der Wahl hervorgegangen: Er gewann seinen Wahlkreis Hochsauerland mit 57,7 Prozent der Erststimmen. Der 49-jährige Rechtsanwalt wird nach wie vor in Unionskreisen häufig als möglicher Finanzminister genannt. Neben Merz werden auch im neuen Bundestag bei der CDU der Finanzexperte Michael Meister und der Haushälter Steffen Kampeter ihrem Fachgebiet treu bleiben.

Auf jeden Fall wird Merz im Bundestag bei der SPD auf seinen alten Widersacher Joachim Poß treffen. Poß bleibt aller Voraussicht nach stellvertretender Fraktionsvorsitzender mit den Themen Steuern und Haushalt. Der 56-jährige einstige Stadtinspektor gewann ebenso haushoch wie Merz seinen Wahlkreis Gelsenkirchen: mit 59,7 Prozent. Die Wirtschaftsverbände nehmen Poß als sozialdemokratisches Schwergewicht sehr ernst - und fürchten ihn: Entlastungen für Unternehmer schaut sich Poß stets sehr genau an. Erleichterungen für Kleinunternehmer sind ihm wichtiger als solche für Konzerne. Als Fachmann sind ihm, dessen Herz eindeutig links schlägt, aber dennoch die Zwänge von Unternehmen im europäischen und globalen Wettbewerb bewusst. Er wirkte daher zu Zeiten der rot-grünen Bundesregierung häufig als Vermittler zwischen SPD-Linken und Regierung. Als Haushaltsexperte bleibt der SPD auch Jörg-Otto Spiller erhalten. Er hält das Direktmandat in Berlin-Mitte.

Spannender noch als Debatten zwischen Merz und Poß dürften die Debatten zwischen Poß und dem Wiederkehrer Oskar Lafontaine werden. Der aus dem Amt geflohene frühere SPD-Bundesfinanzminister steht nunmehr an der Spitze der Linkspartei/PDS und wird sich keine Gelegenheit entgehen lassen, zu Steuern und Haushalt das Wort zu ergreifen. Gerade wenn es um die Sanierung des Bundeshaushalts geht, dürfte er die Finanzpolitiker aller vier anderen Parteien gegen sich haben.

Die FDP setzt ebenfalls auf einen ausgewiesenen Experten. Hermann Otto Solms hat für den Wahlkampf ein eigenes Steuerreformkonzept ausgearbeitet, das Entlastungen bei der Einkommensteuer und der Unternehmensteuer vorsieht. Für den Fall einer schwarz-gelben Koalition wurde er in seiner Partei auch als möglicher Finanzminister gehandelt. Im neuen Bundestag wird er ein gewichtiges Wort bei den Unternehmensteuern mitreden. Gemeinsam mit Merz sitzt er auch im politischen Allparteien-Beirat der Stiftung Marktwirtschaft, die an einem entsprechenden Konzept arbeitet. Auch wenn der 64-jährige Hesse aus Gießen mit eigenen Konzepten in die Diskussion geht, verhandelt er doch stets kompromissbereit und sachorientiert, wie ihn selbst politische Gegner loben.

Die Grünen setzen im neuen Bundestag auf ihre bewährte Fachfrau Christine Scheel. Sie zählt zu den Liberalen in ihrer Partei, mit der sie stets beim Thema Vermögensteuer aneinander gerät. Den Vorsitz im Finanzausschuss wird sie möglicherweise abgeben müssen: Er steht bisher dem kleineren Koalitionspartner zu.

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