WestLB
Alte Sünden

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Sie kommt einfach nicht zur Ruhe: Als ob fehlgeschlagene Aktienspekulationen und Verluste in Millionenhöhe der WestLB nicht genug zusetzten, verfolgen sie jetzt auch noch die Geister der Vergangenheit: Gestern klagte die Staatsanwaltschaft Ex-WestLB-Chef Jürgen Sengera wegen Untreue an. Ursache ist ein Kredit aus dem Jahr 1999 an den Pleite gegangenen TV-Vermieter Boxclever. 1,35 Milliarden Euro sollen ohne ausreichende Risikoprüfung an die Briten gegangen sein, so die Vorwürfe. Die Ermittlungen gegen Friedhelm Breuers, ehemaliger Bereichsleiter Global Markets, laufen noch. Etwa 234 Millionen Euro Verlust sollen riskante Wetten mit VW-Aktien seiner Abteilung der Bank beschert haben. Die Händler setzten auf sich verringernde Kursdifferenzen zwischen Vorzugs- und Stammaktien des Autobauers – und verloren.

Auf den ersten Blick haben beide Fälle nichts miteinander zu tun. Auf den zweiten sehr viel. Geht es doch bei beiden um Spielregeln und ihre Nichteinhaltung durch das Management. Sengera soll laut Vorwürfen der Staatsanwaltschaft beim Boxclever-Deal die Leistungsfähigkeit des britischen Kreditnehmers nicht überprüft haben, und zwar trotz ausdrücklicher Anweisung des Zentralen Kreditmanagements. Breuers soll sich ebenfalls nicht an die internen Spielregeln gehalten haben. Trotz mehrfacher Ermahnungen habe er sein Handelslimit überschritten, heißt es. Das ist schlimm. Schlimmer aber ist, dass die Risikosysteme in beiden Fällen anscheinend versagt haben. Niemand protestierte, alle blieben stumm. Ans Licht kamen die Vorfälle erst, als der Schaden zu groß war, um ihn weiter zu verdecken. Jetzt muss sich zeigen, ob die WestLB aus Schaden klug wird. Zumindest eine gründliche Revision der Kontrollsysteme wäre angebracht.

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