WestLB
Analyse: Fiktion und Fakten

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Wer sich heute auf den Marktplatz stellt und irgendetwas zur Zukunft der WestLB zum Besten gibt, landet prompt in den Medien. Abstruse Ideen und realistische Vorstellungen vermengen sich zu einem Gedankennebel, der mittlerweile auch den Blick auf die Fakten verschleiert. Das Sommerloch saugt alles auf, und das Publikum wartet wie bei einer guten „Soap Opera“ ungeduldig auf die nächste Folge.

Dabei würde es sich auch lohnen, einmal innezuhalten und die verschiedenen Vorschläge bis zu ihrem Ende durchzuspielen. Fakt ist erst einmal, dass die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und in Westfalen-Lippe als Mehrheitsaktionäre und auch der neue Vorstandschef Alexander Stuhlmann die WestLB in eine Fusion führen wollen. Hier ist die Willensbildung erfolgt, deshalb kommt es in der jetzigen Phase vor allem auf die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen an. Sie hält direkt und über das Förderinstitut NRW-Bank rund 38 Prozent an der WestLB.

Das Land braucht den Erlös von grob geschätzten zwei Milliarden Euro, um einen „Innovationsfonds“ zu speisen. In den vergangenen Tagen hat sich vor allem FDP-Landtagsfraktionschef Gerhard Papke zum Sprecher der Regierung erhoben und einen Verkauf des Pakets an einen Finanzinvestor oder eine europäische Großbank gefordert. Dabei hat Papke aber übersehen, dass die Sparkassen vertraglich wasserdichte Vorkaufsrechte haben. Erst wenn sie diese nicht ausüben, kommen andere Käufer in Frage.

Aber wer könnte derzeit ein Interesse an einer Minderheitsbeteiligung haben. Ein Finanzinvestor? Private-Equity-Häuser greifen nur dann zu, wenn sie schon beim Kauf einen attraktiven „Exit“ sehen, denn sie sind Eigentümer auf Zeit. Üblicherweise halten sie ihre Investments nur zwei bis vier Jahre, dann reichen sie ihre Anteile weiter, oder sie bringen sie an die Börse. In der Zwischenzeit peilen sie eine Rendite von mindestens 20 Prozent auf ihr eingesetztes Kapital an. Bei der WestLB ist das selbst bei einem unumgänglichen Kahlschlag beim Personal ein hoffnungsloses Unterfangen. Außerdem würde der Finanzinvestor auf feindlich gesinnte Eigentümer treffen – die Sparkassen wollen (noch) keinen Privatinvestor im öffentlich-rechtlichen Lager.

Mit dieser Ausgangslage wird es auch fast unmöglich sein, eine private Großbank für die WestLB zu begeistern. Wie soll beispielsweise der Vorstand der Royal Bank of Scotland ein solches Investment seinen Aktionären schmackhaft machen. Die Finanzaufsicht BaFin ermittelt bei der WestLB, der endgültige Schaden aus den fehlgeschlagenen Aktienspekulationen steht noch nicht fest, und im paritätisch besetzten Aufsichtsrat müsste man sich mit der Gewerkschaft Verdi auf eine Dauerfehde einstellen. Nein, wahrscheinlicher ist eine Vernunftehe zwischen der LBBW in Stuttgart und der WestLB in Düsseldorf. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und sein Finanzminister Helmut Linssen (beide CDU) werden nach der Sommerpause zeigen, dass die WestLB Chefsache ist. Beide wissen, dass die Zeit drängt. Wegen des steuerlichen Verlustvortrags der WestLB muss die Neuausrichtung bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

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