WestLB
Der Alptraum

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Für die Eigentümer ist die Krise der WestLB ein böser, langer Alptraum, aus dem es einfach kein Erwachen gibt. Seit dem Frühsommer vergangenen Jahres ist die Bank nicht mehr aus den Schlagzeilen gekommen. Mittlerweile hat man den Eindruck, alle Beteiligten sehnten sich nicht nur nach einer Lösung, sondern gleichsam nach einer Erlösung von nicht enden wollenden Qualen. Denn das Ringen um die Zukunft der Landesbank kennt bisher nur Verlierer. Die Sparkassenverbände müssen ihre Mitglieder zur Kasse bitten und wissen nicht, wie hoch die Rechnung am Ende ausfällt. Das sorgt für Unmut an der Basis, denn die Sparkassen leiden selbst unter dem härter werdenden Wettbewerb. Sie sind es leid, immer neue Notopfer zu bringen.

Und die Landesregierung steht vor dem Dilemma, dass sie die Bank – wieder einmal – mit Milliardenaufwand sanieren muss. Außerdem hat sich Landesvater Jürgen Rüttgers in eine schwierige Situation manövriert, weil er den Handyhersteller Nokia wegen einer Werksschließung geißelt, gleichzeitig aber Hunderte Jobs bei der WestLB auf der Kippe stehen. Bei der Bank sitzen die Landesregierung und die Verbände im Aufsichtsrat, beide tragen Verantwortung für jeden Job, der über die Wupper geht. Das Grundübel der WestLB ist ihre Eigentümerstruktur. Zwar unterzeichnen die Aktionäre der Aktiengesellschaft in schöner Regelmäßigkeit umfangreiche Absichtserklärungen, in denen der enge Schulterschluss beschworen wird. Hinter den Kulissen werden aber veritable Machtkämpfe ausgefochten. Die Sparkassen trauern ihrem missglückten Fusionsversuch mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) nach. Die politisch gewollte Hochzeit mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) wird nur als zweitbeste Lösung gesehen. Finanzminister Helmut Linssen (CDU) will die Bank nicht unter Wert verkaufen und unter allen Umständen verhindern, dass das Kreditinstitut bei einer Fusion als Juniorpartner unter die Räder kommt. Die hauchdünne Mehrheit an der Landesbank nützt den Sparkassen gar nichts, weil Linssen sie im Zweifel mit dem geplanten neuen NRW-Sparkassengesetz, das zum Beispiel den Einfluss der Kommunen deutlich erhöhen könnte, in Schach hält.

Weil sich die Eigentümer gegenseitig blockieren und das Machtbewusstsein auf beiden Seiten ausgeprägt ist, verspricht letztlich nur eine Neuordnung des Aktionärskreises eine dauerhafte Lösung. Sprich: entweder steigen die Sparkassen aus oder das Land. Und genau um diese Frage geht es jetzt bei den endlosen Eigentümergesprächen, auch wenn der Verband es gestern tapfer dementiert hat. Linssen bietet einen großen Risikoschirm an, dafür will er als Gegenleistung Aktien von den Sparkassenverbänden. Dann hätte das Land für wenig Aufwand erst einmal die Mehrheit. Ein Anfang wäre gemacht, an dessen Ende die völlige Kontrolle durch die Staatskanzlei stehen könnte.

Die Sparkassen sind in die Defensive geraten, weil der Kapitalhunger der WestLB in der Finanzkrise schier unersättlich ist. Für das Land findet sich immer ein Topf, um die Löcher zu stopfen. Dagegen sind die Reserven der Sparkassen irgendwann einmal erschöpft. Die öffentlich-rechtlichen Institute haben schon Milliarden aufbringen müssen, um die Landesbank Berlin zu erwerben, jetzt steht schon wieder ein Kraftakt an, dessen Nutzen nur schwer erkennbar ist.

Widerstand gegen die Pläne des Landes leistet in vorderster Linie Rolf Gerlach, der westfälisch-lippische Sparkassenchef, der sich mit Rüttgers schwer verhakelt hat. Dagegen würden viele andere Sparkassenfunktionäre die WestLB ziehen lassen, sie brauchen für Dienstleistungen nur eine gesunde Landesbank, die nicht unbedingt in Düsseldorf stehen muss.

Die noch ungeklärte Frage ist, was Rüttgers wirklich vorhat mit der WestLB, sollte er einmal die völlige Kontrolle erlangen. Immer wieder wird spekuliert, letztlich solle ein Finanzinvestor einsteigen, der neben Kapital auch Managementkapazitäten mitbringen sollte. Nach der Hessen-Wahl könnte Rüttgers jetzt aber auch wieder einen Haken schlagen und von der Hereinnahme privaten Kapitals eher abrücken. Auch die vertikale Integration – bei der Sparkassen unter direkten Einfluss der WestLB gerieten – wird als Option gesehen, um fehlendes Massenkundengeschäft zur Bank zu bringen. Schließlich ist da noch die vage Hoffnung, durch Zukäufe das darbende Mittelstandsgeschäft zu beleben.

Fest steht, dass die Bank mit kleinen Lösungen nicht mehr weit kommen wird. Das Diktat der Betriebswirtschaft wird die Suche nach einem Geschäftsmodell und die Sanierung gnadenlos beschleunigen. Die Eigentümer müssen die Blockade lösen, sonst werden sie von den Märkten unerbittlich bestraft.

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