WestLB
Kommentar: Der Stolz ist gebrochen

Über Jahrzehnte saßen in der WestLB stolze Landesbanker und sahen selbstbewusst auf die umliegenden Sparkassen herab. Damit ist es nun endgültig vorbei.
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Thomas Fischer hat versucht, die Bank enger mit den Sparkassen der Region zu vernetzen. Zugleich wollte er ihr aber nach den Skandalen der Vergangenheit wieder zu alter Größe verhelfen. Er ist über einen neuen Skandal gestolpert. Und alle Versuche, die Verantwortung dafür von sich wegzuschieben, sind gescheitert. Sein Nachfolger Alexander Stuhlmann hat nur noch die Aufgabe, die Bank mit einem Partner zusammenzuführen.

Und nun beginnt ein neues Pokerspiel. Die Düsseldorfer wollen die angeschlagene Bank so teuer wie möglich verkaufen. Oder wie sonst ist die überraschende, neue Aussage zu werten, neben einer Fusion mit der LBBW in Stuttgart werde auch ein Zusammengehen mit der HSH Nordbank in Hamburg geprüft? Die Norddeutschen sind Experten für die Schiffsfinanzierung – soll das fusionierte Institut dann auch die Rheinkähne mit Liquidität versorgen? Strategisch ist da kein Sinn zu erkennen, eher der Versuch, eine bessere Verhandlungsposition vorzutäuschen.

Ein Zusammengehen mit der LBBW, über das schon intensiv spekuliert wurde, wäre hingegen durchaus zukunftsfähig: Die Produktpaletten würden sich ergänzen, die WestLB bekäme eine bessere Kundenbasis für ihre Angebote, und Kostenvorteile gäbe es auch. Das Problem bloß aus Düsseldorfer Sicht: Hier wären ohne Wenn und Aber die Stuttgarter der starke Partner. Aber es führt kein Weg daran vorbei.

Letztlich haben sich, nachdem Fischer zur Aufgabe gezwungen wurde, auch die Sparkassen in einem Machtkampf durchgesetzt. Sie hatten schon lange kein Interesse mehr an einer allzu selbstbewussten Landesbank. Die großen Sparkassen brauchen kein regionales „Spitzeninstitut“. Sie können alles, was ihre Kunden brauchen, selbst auf die Beine stellen. Und die kleineren Sparkassen wollen am liebsten einen bescheidenen Dienstleister, der ihnen hilft, wenn sie an ihre Grenzen stoßen. An einer zu klein geratenen Großbank in Düsseldorf hatte niemand ein Interesse. Außer sie selbst.

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