WestLB
Kommentar: Fischer gibt den Ton an

Kaum hat WestLB-Chef Thomas Fischer am Donnerstag dieser Woche verkündet, die Sanierung der WestLB sei abgeschlossen und die Bank schalte jetzt auf Wachstum um, macht er den nächsten großen Schritt: Seine heute durchgesickerte Absicht, die Mehrheit an der Hamburger HSH-Nordbank zu übernehmen, markiert den Beginn der nächsten Konzentrationsrunde in der öffentlich-rechtlichen Kreditwirtschaft. Keine Minute Zeit will Fischer offenbar verlieren, um die viel zu lange verzögerte, im Dickicht des Pfründe- und Interessendschungels verhakte Konsolidierung endlich voran zu treiben. Das ist eine positive Nachricht für den deutschen Bankenmarkt, der saft- und kraftlos im internationalen Wettbewerb immer weiter zurückzufallen droht. Endlich bewegt sich etwas!

Thomas Fischer, der zuvor im Vorstand der Deutschen Bank saß und seit kurzer Zeit Präsident des Verbands Öffentlicher Banken ist, wird damit einmal mehr und schneller als erwartet den hoch gesteckten Erwartungen gerecht. Seine frühere Ambition, an die Spitze der Deutschen Bank zu gelangen, scheiterte vor Jahren an Josef Ackermann und seinen Förderern. Nun sitzt er als wichtigster Gegenspieler Ackermanns an den Schalthebeln jener Düsseldorfer Landesbank, von der man erwarten darf, dass sie die Neuordnung der norddeutschen Bankenlandschaft in die Hand nehmen wird. Niemand darf sich wundern, wenn er dem Konzern über kurz oder lang auch noch die NordLB in Hannover und und die Bankgesellschaft Berlin einverleibt, die eh 2007 vom Berliner Senat privatisiert werden muss. Im Moment könnte von Privatisierung zwar noch keine Rede sein, weil sämtliches Kapital der WestLB in öffentlich-rechtlicher Hand ist. Aber das kriegt Tempomacher Fischer auch noch hin, etwa durch einen Börsengang.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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