WestLB
Mission in Gefahr

„Die WestLB macht wieder Spaß“ – mit diesem Fazit wollte Vorstandschef Thomas Fischer auf der Bilanzpressekonferenz Ende März endgültig die neue Ära für die Bank einleiten. 2007 werde das erste Jahr „ohne Erbschaft aus den Altlasten“ gab sich der Konzernlenker optimistisch. Während sich der Vorstand selbstbewusst auf Kurs sah im internationalen Kapitalmarktgeschäft, war tief unten im Maschinenraum bereits ein veritabler Schaden zu Tage getreten.

Mindestens schon seit Anfang März war der Führung bekannt, dass es im Eigenhandel der Bank zwei Mitarbeiter nicht so ernst nahmen mit den gesetzten Limiten. Über Monate – vielleicht auch Jahre – hinweg wurde mit den Kursdifferenzen zwischen Stamm- und Vorzugsaktien von VW und anderen Papieren offenbar ein großes Rad gedreht. Als die Sache aufflog und die internen Alarmglocken klingelten, waren rund 100 Mill. Euro verzockt.

Vielleicht war viel kriminelle Energie im Spiel, so dass die Umtriebe erst relativ spät entdeckt wurden. Aber das darf nicht als alleinige Entschuldigung herhalten, warum das Risikomanagement der Düsseldorfer ausgehebelt werden konnte. Kaum ein Kreditinstitut in Deutschland dürfte mehr sensibilisiert sein für Risiken als die WestLB. Schließlich hatten spekulative Geschäfte – die ihren Höhepunkt beim Engagement für den britischen Fernsehgeräteverleiher Boxclever fanden – die Bank vor fünf Jahren fast in den Abgrund schlittern lassen. Mit einem finanziellen Kraftakt in Milliardenhöhe halfen die Sparkassen und das Land als Eigentümer wieder auf die Beine. Anfang 2004 kam Fischer, der vormals Chief Risk Officer bei der Deutschen Bank war, an Bord. Seine Mission war eindeutig: Er wollte das Institut aus dem rheinischen Geklüngel mit seinen industriepolitischen Ambitionen zu einer modernen Geschäftsbank umbauen. Dabei ist die WestLB bis heute ein gutes Stück vorangekommen, wenngleich im operativen Geschäft noch bei weitem nicht die volle Schubkraft erreicht ist.

Hoher Imageschaden

Möglicherweise wird der materielle Schaden überschaubar bleiben, wenn die interne Task Force, die Staatsanwaltschaft und die Finanzaufsicht ihre Berichte vorgelegt haben. Der Imageschaden aber ist enorm und dürfte so schnell nicht zu beheben sein. Was in den vergangenen Monaten an Vertrauen mühsam aufgebaut wurde, ist binnen weniger Tage zu Bruch gegangen. Außerdem sieht sich Fischer, der sich gerne als Treiber und Motivator für die Konsolidierung unter den Landesbanken positionierte, auf einmal in der Defensive. Die Expansionspläne – die WestLB bietet schließlich noch für die Landesbank Berlin – müssen zwar nicht gleich beerdigt werden, förderlich sind die negativen Schlagzeilen aber sicherlich nicht.

Wie muss es jetzt weitergehen? Ganz einfach, die Bank muss schonungslos aufklären und informieren, „ohne Ansehen von Person oder Funktion“, wie es der Chef selbst formuliert hat. Am Ende muss ohne Grauzonen deutlich werden, was oder wer in der Bank versagt hat und was aufgrund krimineller Energie nicht zu verhindern war. Aufzuarbeiten wäre auch die interessante psychologische Frage, was einen Bereichsleiter Kapitalmarkt nach 17 Jahren Betriebszugehörigkeit veranlasst haben mag, auf einmal eine Casino-Mentalität anzunehmen? Zumal er bis dato als „besonnener Mensch“ beschrieben wurde.

Dass die Affäre ohne Konsequenzen im Vorstand bleibt, ist zwar unwahrscheinlich. Allerdings sind auch Vorverurteilungen fehl am Platze; noch ist keine Schuld bewiesen. Das muss für die Vorstände ebenso gelten wie für andere Beteiligte. Zumindest so lange, wie Spekulationen und Gerüchte ein deutliches Übergewicht haben gegenüber den Fakten.

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