WestLB-Skandal
Kommentar: Eine Bank der Krisen

  • 0

Seit Monaten braut sich bei der WestLB etwas zusammen, das sich an diesem Donnerstag in einem heftigen Gewitter entladen wird. Der vorläufige Bericht der Wirtschaftsprüfer hat offenbar die Finanzaufsicht BaFin und auch das Kontrollgremium der Bank derart alarmiert, dass man die Mitglieder des Aufsichtsrats mitten aus dem Urlaub zu einer Sondersitzung zurückbeordert. An wenigen Punkten wird sich das Schicksal von Vorstandschef Thomas Fischer und seiner Mannschaft entscheiden.

Wann wusste das Top-Management, dass im Aktienhandel auf eigene Rechnung etwas aus dem Ruder läuft? Und vor allem: Wurde der Aufsichtsrat unverzüglich und umfassend informiert?

Wenn Fischer tatsächlich geht, dann wird auch das Geschäftsmodell der WestLB auf den Prüfstand kommen. Vor allem die Sparkassen als wichtigste Eigentümer der Bank sind es leid, dass das Kreditinstitut immer wieder in die Schlagzeilen gerät. Zur Erinnerung: Bevor Fischer das Ruder übernahm, war die WestLB durch riskante Geschäfte in Großbritannien in eine Krise geraten.

Allerdings sollten sich alle Beteiligten in der aufgeheizten Stimmung an ihre Pflichten erinnern. Auch Fischer & Co verdienen eine Chance, die Dinge aus ihrer Sicht zu schildern. Oberaufseher Jochen Sanio sollte sich seiner Sache wirklich sicher sein, wenn er auf die Ablösung von Top-Managern drängt. Schon einmal, bei der Frankfurter Sparkasse, war der Vorstand wegen des Verdachts der Bilanzfälschung abgelöst worden. Doch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft konnten letztlich keine Beweise liefern. Die Sparkasse landete unter dem Dach der Landesbank Hessen-Thüringen. Sanio sollte alles tun, damit nicht die Legende gestrickt wird, er bereite nur den Weg zu einer weiteren Fusion – etwa mit der Stuttgarter Landesbank.

Kommentare zu " WestLB-Skandal: Kommentar: Eine Bank der Krisen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%