Wettbewerb um Kurzstrecken
Kann Lufthansa die strategischen Blockaden lösen?

Die Fluglinie muss ihr Regionalfluggeschäft verschlanken, doch die Pilotenvereinigung klammert sich fest an den Konzerntarif.

Die Lufthansa hat das, was vielen Konkurrenten fehlt: eine solide Bilanz und Gewinne in einer Zeit, in der Alitalia und andere Fluglinien den Konkursrichter im Nacken spüren. Die gute Verfassung hilft dem Kranich-Konzern im Wettbewerb, erschwert aber die Beseitigung eigener struktureller Schwächen.

So ist das drängendste Problem, eine grundlegende Neuordnung des Regionalverkehrs, seit Monaten ungelöst. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) droht nach kontroversen Verhandlungen einen Streik für den Fall an, dass der Vorstand weiterhin Piloten verbündeter Firmen an Stelle seiner Konzern-Kapitäne zum Einsatz schickt. Die VC mag partout nicht einsehen, weshalb sie Abschied nehmen soll von einem 1992 geschlossenen Konzerntarifvertrag: Darin ist unter anderem verankert, dass Jets mit mehr als 70 Sitzen grundsätzlich von Piloten des Mutterkonzerns geflogen werden müssen – zu entsprechend höheren Tarifen.

Das Blatt Papier, das der Lufthansa-Vorstand einst unterzeichnete, ohne die Laufzeit des Kontrakts zu begrenzen, ist mit der Zeit zum Mühlstein geworden. Die internationale Luftfahrt hat sich radikal verändert, Billigflieger sind weltweit auf dem Vormarsch. Wenn die Lufthansa ihre Kurzstrecken in der Heimat – und damit die Zubringerdienste für lukrative Langstrecken – verteidigen will, braucht sie dringend günstigere Ticketpreise sowie größere Jets und kleinere Gehälter, um die Kosten zu senken.

Das allein wäre für die Personalvertreter zu schlucken, doch bei den Verhandlungen steht mehr auf dem Spiel: etwa dass die VC allmählich die Kontrolle über Pilotenprivilegien und Tarife zu verlieren droht, wenn die Lufthansa nach den Übernahmen von Air Dolomiti oder Swiss weitere Airlines einsammelt. Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber nutzt diese internationalen Zukäufe zusehends, um Druck auf das heimische Tarifgefüge aufzubauen. Das Jonglieren mit immer mehr Bällen birgt aber auch Gefahren. So hält der Konzern in seinem Regionalverbund ein wenig effizientes Durcheinander an Firmen und Marken, das auf immer heftigeren Widerstand der Billigflieger stößt: von der Tochter Lufthansa City-Line über Air Dolomiti bis zur 49-Prozent-Beteiligung an Eurowings samt deren Billigflug-Tochter Germanwings.

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