Wettbewerbsfähig durch Wettbewerb
Meine Vision für Deutschland

Hans-Olaf Henkel hat einen Traum: den einer wettbewerbsfähigen deutschen Gesellschaft. Der Ex-BDI-Präsident plädiert deshalb dafür, dass sich die Deutschen bei den notwendigen Reformen das bürgerschaftliche Engagement beim Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche zum Vorbild nehmen. Ein Essay mit Visionen.

Ich erinnere mich noch gut an den Eindruck, den der gigantische Trümmerberg in Dresden auf mich machte, als ich 1983 zum ersten Mal davor stand. Die schwarzen Gesteinsbrocken, der wie ein hohler Zahn in den Himmel ragende stehen gebliebene Teil des Kirchenschiffs, die Lutherstatue, ebenfalls ganz schwarz, und natürlich das Kupferschild davor, mit dem die DDR-Machthaber die Luftangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg vor den Karren ihrer Kalten-Kriegs-Propaganda spannten.

Als im Oktober 2005 die wieder aufgebaute Frauenkirche feierlich eingeweiht wurde, ging ein Traum in Erfüllung. Die Reden und Artikel, die dazu gehalten und geschrieben wurden, vermittelten den Eindruck, hier habe eine von oben herab geförderte Massenbewegung zu diesem Erfolg geführt. Das Gegenteil ist richtig; in Anlehnung an ein berühmtes Churchill-Wort kann man sagen: Selten hatten so viele so wenigen so viel zu verdanken. Zu diesen ganz wenigen gehören vor allem zwei Persönlichkeiten: Professor Ludwig Güttler und Eberhard Burger. Man kann nur staunen, wie selbstverständlich heute der Wiederaufbau der Frauenkirche schon wieder wahrgenommen wird. Dabei war er alles andere als selbstverständlich. Die Widerstände, die diese beiden Personen und einige andere überwinden mussten, sind Legende und sollen hier nicht wiederholt werden. Ich für meinen Teil habe aber immer wieder aus der Tatsache Kraft gezogen, dass es diesen Personen gelungen ist, ihren Traum gegen so viele Widerstände zu verwirklichen.

Auch ich habe einen Traum: den einer wettbewerbsfähigen deutschen Gesellschaft. Leider ist den meisten Deutschen immer noch nicht klar, dass die Zukunft unseres Landes gerade von seiner Wettbewerbsfähigkeit abhängt. Die Globalisierung bringt nicht nur Unternehmen, sondern auch Nationen in Wettbewerb miteinander. Die Regeln dieses Wettbewerbs zwischen Gesellschaften sind die gleichen wie die des Wettbewerbs im Sport, in der Kultur oder zwischen Unternehmen: Selbst wer sich bewegt, kann zurückfallen, wenn andere schneller sind. Wir bewegen uns, andere sind schneller, wir fallen immer weiter zurück.

Die für den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden Verantwortlichen haben nach drei Rezepten gehandelt. Wahrscheinlich haben Güttler, Burger und Co. ihre Vorgehensweise kaum bewusst so strukturiert, aber zumindest unbewusst sind sie nach einem dreistufigen Plan vorgegangen.

1.Um Platz für den Wiederaufbau zu schaffen, mussten sie erst die Trümmer wegräumen lassen.

2.Sie haben die Steine verwendet, die noch brauchbar waren, und damit das Bewahrenswerte aufgehoben und wieder verwendet.

3.Sie hatten eine Vision: die Silhouette der Stadt Dresden so wiederherzustellen, wie Canaletto sie gesehen und gemalt hatte.

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