Wettbewerbsfähigkeit
Deutscher Kleinmut

Die Bundesrepublik hat ihren Überschuss im Handel mit dem Ausland im Mai noch einmal deutlich gesteigert. Doch profilierte deutsche Ökonomen stellen ernsthaft die Frage, ob sich hinter dem Titel des Exportweltmeisters Deutschland nicht enorme Standortschwächen verbergen.

Die Argumentation geht so: Deutschland exportiert nur deshalb so viel, weil es immer mehr billige Vorleistungen aus Asien und Osteuropa einführt. Die würden hier nur noch zusammengeschraubt, in vielen Fällen würde von Deutschland aus sogar „nur noch die Rechnung“ gestellt, schrieb Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut. Deutschland entwickele sich zur Basarwirtschaft, die mangels eigener wettbewerbsfähiger Produktion weiterverkaufe, was anderswo hergestellt werde.

Illustriert wird die These oft mit einem Hinweis auf den Porsche Cayenne, der nur noch zu neun Prozent aus deutscher Fertigung stamme: Die deutschen Unternehmen müssten ihre Produktion ins Ausland verlagern, um noch überleben zu können. So blieben einige Unternehmen zwar wettbewerbsfähig, der Standort aber verfalle zusehends.

Im Grunde ist das die Spiegelung der amerikanischen Debatte über Outsourcing. Dort geht in Teilen der Wählerschaft und der politischen Klasse die Angst um, die Verlagerung auch hochwertiger Jobs ins Ausland schwäche die US-Wirtschaft. In einigen Bundesstaaten wird deshalb nach protektionistischen Eingriffen gerufen. In Deutschland gibt es eine ähnliche Furcht, nur wird nicht nach Protektionismus gerufen, sondern dem eigenen Wirtschaftsstandort der Totenschein ausgestellt.

Die Sorge der USA kann man nachvollziehen: Sie haben ein beunruhigendes Außenhandelsdefizit. Deutschland dagegen erzielt Überschüsse. Schon deshalb fragt man sich, was an der Basar-These dran ist. Die Zweifel werden stärker, wenn man näher hinschaut. Sollte Deutschland seine hohen Ausfuhren immer mehr dem Weiterreichen osteuropäischer Produkte verdanken, müssten wir das gerade im Handel mit dieser Ländergruppe schmerzlich spüren.

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