Wie der CSU-Chef verkündet, dass die CDU-Chefin gegen Kanzler Schröder antritt
Harmonie in jedem Farbtupfer

Edmund Stäuber ringt mit den Händen als die "Krönungsmesse" für Angela Merkel ihren Höhepunkt findet. Gegen Mittag ist es dann soweit: Der schlohweiße bayrische Ministerpräsident verkündet die Kanzlerkandidatur Merkels auch offiziell im Konrad-Adenauer-Haus.

BERLIN. Um 11.02 Uhr findet Stoibers wohl präparierte Botschaft den Weg auf den Nachrichtenticker: "Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber die CDU-Chefin am Montag unter großem Beifall auf der gemeinsamen Sitzung der Parteipräsidien von CDU und CSU in Berlin vorgeschlagen." So soll es sein, denn so hatten es die Büchsenspanner des Bayern geplant: Zumindest scheinbar sollte es während der "Krönungsmesse" für Angela Merkel noch in der Hand des bayerischen Ministerpräsidenten liegen, die neue Kanzlerkandidatin der Union vorzuschlagen und damit gleichzeitig auch zu küren. Edmund Stoiber, der gescheiterte Kandidat aus dem Bundestagswahlkampf 2002, wollte jetzt wenigstens noch als der Kandidatinnenmacher dastehen.

Kurz nach 13 Uhr verkündet der schlohweiße Ministerpräsident die Kanzlerkandidatur Merkels auch offiziell im Konrad-Adenauer-Haus. Tosender Beifall. Ovationen, viel Überschwang. Und gäbe es heute unter Politikerinnen noch erlauchte Damen mit echten Perlenketten, hätten diese sie bestimmt zum rhythmischen Rattern aneinander gerieben.

Angela Merkel hat sich zur Feier des Tages und der politischen Saison ein pfirsichfarbenes Kostüm ausgesucht und Edmund Stoiber eine grau gestreifte pfirsichfarbene Krawatte. So viel geplante Harmonie zwischen CDU und CSU! Doch der Bayer ringt dann erst mit den Händen, knetet sie, reibt sie und verkrallt die Hände ineinander, als er ihre Kandidatur offenbart. Dann ringt er mit den Worten. Er erzählt, wie er "schon" vergangene Woche in einem "ausführlichen Gespräch" mit Frau Dr. Merkel alles klar gemacht hat. Wie die Gremien der beiden Parteien dann "einmütig und einstimmig" diesen seinen Vorschlag angenommen haben und er beschwört auch noch "die große Bereitschaft" den "Wahlsieg für Deutschland" anzustreben.

Doch an diesem Tag hat Stoiber ein anderes Wort zu seiner Lieblingsfloskel auserkoren: "Natürlich". "Natürlich" haben alle Vertrauen in Merkel, "natürlich" herrscht viel Einmütigkeit, "natürlich" hat sie auch die Fraktion hervorragend geführt, "natürlich" ist das Scheitern von Rot-Grün längst für alle Bürger offenkundig. Bei so viel "natürlich" nimmt Merkel eine leicht unnatürlich wirkende, weil gebeugte Körperhaltung ein, so als zähle sie die Fäden in einem unter ihr liegenden Läufer.

Doch auch Merkel kann den inneren Aufruhr in dieser ihrer großen Stunde nicht gänzlich wegdrücken. Zum Triumph eilt sie entschlossenen Schrittes aufs Podium und postiert sich hinter das CSU CSU-Chef-Pult. Stoiber hilft ihr aber auf den rechten Platz zurück.

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