Wiebes Weitwinkel
Frauen sind anders - aber wie?

Die Probleme der Deutschen Bank, Frauen in Führungspositionen unterzubringen, lenkt den Blick auf den klassischen Geschlechterkampf. Die Diskussion um Quotenregelungen fördert ganz schnell alte Klischees zutage.
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Die Deutsche Bank hat offenbar Mühe, Frauen in ihr Top-Management zu bringen. Bei der jüngsten Um- und Neubesetzung von Vorstand und Group Executive Committee kamen jedenfalls nur Männer zum Zuge. Man kann jetzt über Seilschaften, Vorurteile oder fehlende Kindergartenplätze diskutieren. Aber sind das die entscheidenden Gründe?

Vor ein paar Monaten hatte ich ein Gespräch mit einer sehr erfolgreichen Bankerin aus einem anderen Geldhaus. Nach ihrer Darstellung ist es für sie schwierig, Frauen in ihrer Abteilung, dem Kapitalmarktgeschäft, zu befördern. Denn Frauen, sagt sie, scheuen das Risiko, die Verantwortung für Handelspositionen zu übernehmen. Sie sind mindestens so intelligent und fleißig wie Männer - aber haben offenbar mehr Angst, für schlechte Zahlen geradezustehen, wenn das Geschäft nicht gut läuft.

Bei einer Beförderung kommt man aber kaum an den Leuten vorbei, die dieses Risiko auf sich nehmen. Und die Deutsche Bank hat bei ihrer letzten Runde vor allem Leute aus dem Kapitalmarktgeschäft nach oben befördert. Es gibt noch weitere Beispiele. Wir hatten vor einiger Zeit den Vertreter einer großen angelsächsischen Anwaltskanzlei im Haus. Er erzählte, dass sein Unternehmen seit 20 Jahren versucht, Frauen in die oberste Führung, in die Riege der Partner, zu bekommen. Vergeblich.

Denn Frauen, so sagt er, sind nicht bereit, sich der Ochsentour zu unterziehen und jahrelang jedes Wochenende durchzuarbeiten - sie haben noch andere Interessen im Leben. Die besten Frauen, die in der Kanzlei anfangen, werden lieber Richterinnen. Ein drittes Beispiel: Als die Diskussion über Frauenquoten in Vorständen mal wieder hochkochte, erzählte der Chef eines mittelständischen Unternehmens aus der Metallbranche: „Wir haben fast überhaupt keine Frauen, nicht einmal auf der Ebene der Sachbearbeiter. Offenbar interessieren sich Frauen einfach nicht für unsere Branche.“ Der Mann wirkte nicht gerade wie ein Macho.

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Haben die Italiener ein anderes Frauenbild?

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  • Noch ein Nachtrag:

    Das Kibbuz-Experiment widerlegt mMn ohne jeden Zweifel die zentralste These (bzw. Dogma) der Genderbewegung, nämlich daß alle geschlechtsspezifischen Verhaltensmuster anerzogen und gesellschaftlich bedingt sind und beliebig korrigiert werden können.

    Auch bei so einem Großexperiment bleiben natürlich Unsicherheiten, und man kann immer ein Haar in der Suppe finden, warum man die Ergebnisse für irrelevant erklärt: die Kibbuzim waren vielleicht doch beeinflußt vom Rest der Welt, oder die damalige Landwirtschaft ist anders als die heutige Medien- und Dienstleistungsgesellschaft, oder wenn man hier und da etwas anders gestaltet hätte, wäre die Gegenrevolution ausgeblieben usw.

    Alle Menschen haben wirksame mentale Barrieren, Erkenntnisse nicht wahrzunehmen, die die verinnerlichten Dogmen falsifizieren, das gilt in gesteigerter Form für IdeologInnen (Feministen und Maskulisten übrigens gleichermaßen).

    Wie gesagt, sehr viel mehr wissenschaftliche Untersuchungen brauchen wir nicht. Wir brauchen vor allem mehr Bereitschaft, die vorhandenen Untersuchungen zur Kenntnis zu nehmen und weniger dogmatisch zu sein. Und natürlich auch mehr Wissen darüber, insofern sind Zusammenfassungen wie das zitierte Buch von Pinker fast noch wichtiger als weitere Detailforschung.

  • @ Politikverdrossen, 02.04.2012, 16:00

    >>>> Vielleicht kommt ja mal einer von den Schönwetter-Politikern auf die Idee, diese politisch leider unkerrekte Wahrheit zu untersuchen


    Noch mehr wissenschaftliche Untersuchungen, daß bzw. warum sich Männer und Frauen statistisch verschieden verhalten, braucht man eigentlich nicht, es gibt sie reihenweise. Im Buch von Pinker sind Unmengen von Belegen.

    Man muß sich hier allerdings klar machen, daß es bei den Fragen, um die es hier geht, praktisch nie ein 100% sicherer Beweis geführt werden kann, daß bestimmte Aussagen überall und zu allen Zeiten stimmen. Meist sind die Aussagen auch keine schwarz-weiß-Aussagen, sondern nur Wahrscheinlichkeiten.

    Ein gutes Beispiel ist die legendäre israelische Kibbuzbewegung. Es ist das größte (zumindest mir bekannte) Experiment, in der feministische Forderungen kompromißlos umgesetzt wurden. Man kann es schon fast mit einem Laborexperiment der Chemiker oder Physiker vergleichen. Es handelte sich um landwirtschaftliche Kollektive israelischer Siedler, die um 1920 gegründet wurden und die einen radikal anderen, feministischen Gesellschaftsentwurf tatsächlich realisiert haben. Männer und Frauen waren völlig gleichgestellt. Damit Frauen die gleichen Karrieren wie Männer machten, wurden Kinder nach der Abstillen bis auf maximal 2 Stunden pro Tag, an denen sie bei den Eltern sein durften, ausschließlich von gelernten ErzieherInnen betreut. Das "Experiment" dauerte eine ganze Generation und führte in den 1950ern zu einer weiblichen Gegenrevolution: Die Frauen der 2. Generation (kaum hingegen die Männer) setzten gegen die Grundüberzeugungen ihrer Eltern durch, daß sie ihre Kinder selber aufziehen und viel mehr Zeit mit ihnen verbringen konnten. Die notorisch bekannten ungleichen beruflichen Interessen (Frauen in Erziehung, Pflege usw., Männer in der Technik) setzten sich wieder durch. Das ganze ist gut dokumentiert, Melford E. Spiro ist der bekannteste Autor (s. wikipedia für Details).

  • @EOE
    Ich denke, Ihr Beitrag ist mit das Sinnvollste zu dem Thema und auch der Grund dafür, weshalb sowohl Frauen wie Alice Schwarzer als auch eine Jutta Kleinschmidt mit ihren Initiativen überwiegend "Klageweiber" der konventionellen Art anziehen: diese Alphafrauen dürften sich immer schon gewundert haben, dass die Schwestern im Zweifel ihr eigenes Geschlecht und die Zumutung, sich mit der Realität auseinanderzusetzen, angreifen. Ich sehe das immer im Vergleich zu Migranten, denen ja auch oft subtile Verachtung entgegen gebracht wird, und die sich sowohl trotzdem durchbeißen als auch einfach ihr eigenes Ding, sprich: sich selbständig machen. Das ist bei Frauen nicht so: sie jammern, und die weiblichen Selbständigkeiten sind meist dekorativer Art: Kosmetik im weitesten Sinn, Bekleidung, Nahrung, Coaching usw.. und meist durch den Hauptverdiener abgesichert. Keine Fakten, keine Industrie, nix Greifbares, nix Ernstes überwiegend.
    Trozdem denke ich, dass es da auch einen kulturellen Einfluss geben MUSS, denn in früheren Zeiten (vor der Industrialisierung) waren Frauen durchaus für die Aufrechterhaltung der "Firma", die sich vom Privatleben nicht trennen ließ, mit einem eigenständigen Aufgabenbereich verantwortlich. Derart prinzessinnenhaft, wie sie es heute leben und für sich beanspruchen: so können die damals kaum gewesen sein, das ist schon der kulturelle Verwöhnungsfaktor, den man aber auch bei Männern erkennen kann (für mich Beispiel FDP-Führung: immer in Schale, immer gut gehabt, Null Erfahrung mit 40, keine ernsthafte Ahnung von nix).

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