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Wiebes Weitwinkel: Über das Risiko, zu lange zu leben

Das Altern war schon immer ein umstrittener Prozess. Doch mit einer Bevölkerung, deren Lebenserwartung immer weiter steigt, sprechen Versicherer jetzt ganz offen vom „Langlebigkeitsrisiko“ und suchen nach neuen Wegen.

Frank Wiebe
Frank Wiebe ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

Nur die Versicherungsbranche schafft es, so abstruse Begriffe wie "Langlebigkeitsrisiko" zu kreieren. Aber dieses Risiko macht ihr tatsächlich seit langem Sorgen. Und es verschärft sich, weil die Zinsen zurzeit niedrig liegen, und zwar möglicherweise für lange Zeit, wenn die Notenbanken ihre großzügige Geldpolitik beibehalten. Die Swiss Re versucht jetzt, dieses Risiko da unterzubringen, wo man alles hinschiebt, was einem zu gefährlich ist: in den Kapitalmarkt. Damit wird das Thema aber auch für Investoren interessant. Und der Markt ist groß: Weltweit werden die festen Verpflichtungen, die von diesem Risiko betroffen sind, mit mehr als 20 Billionen Dollar beziffert.

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Rückversicherer

Versicherer gehen Verträge mit Verpflichtungen ein, die langfristiger sind als bei jedem anderen Unternehmen. Wenn ein 20-Jähriger eine Rentenversicherung abschließt und 90 Jahre alt wird, dann ergibt das eine Laufzeit von immerhin 70 Jahren. Und die Lebenserwartung steigt. Sie stieg von 1970 bis 2010 in den Industriestaaten um acht (USA) bis knapp elf Jahre (Japan) und wird bis 2050 wahrscheinlich erneut um vier bis fünf Jahre wachsen.

Je niedriger die Zinsen sind, desto schwieriger wird es für die Versicherer, ihre Verpflichtungen gegenüber den Kunden einzuhalten - dieses Problem wird durch neue Bilanzierungsvorschriften künftig noch deutlicher zutage treten. Und je älter die Menschen werden, desto länger müssen Lebensversicherer und Pensionskassen deren private Renten bezahlen. Kein Wunder, dass sie sich wenigstens gegen das Risiko wappnen wollen, dass die Lebenserwartung noch schneller steigt als kalkuliert. Dieses Risiko ist das "Langlebigkeitsrisiko".

  • 30.09.2012, 00:02 UhrBietchekoopen

    Wenn das so alles so schlimm ist, dann sollten die Versicherungen den Staat bitten die Lebenserwartung gesetzlich eindeutig für uns Bürger zu regeln.

    Für den Staat wäre eine solche Regelung auch Vorteilhaft, da wir doch alle gemeinsam damit unsere Rentenkasse entlasten.
    Ich plädiere dafür, die Lebenserwartung nicht zu hoch anzusetzen, da wir mit einer Minimal-Regelung deutlich die Gesundheitssysteme und auch die Pflegeversicherung entlasten könnte.
    Der verantwortungsbewußte Bürger sollte eine Prämie für die Wahl der Minimum-Regelung bei der Lebenserwartung erhalten. Dies könnte eigentlich am Besten die Übernahme der Beerdigungs bzw. Entsorgungskosten sein. Hier böte sich eine Stufenregelung, abhängig von negativen Übertreff-Jahren, an.
    Besserverdiener und Beamte sollten von dieser Regelung ausgenommen werden, da es sozial nicht gerechtfertigt wäre, diesen Einkommensgruppen auch noch die Beerdigung zu bezahlen.
    Alles Klar?

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