Wiebes Weitwinkel
Warum sich Finanzkrisen selbst verstärken

Eine der Ursachen der Finanzkrise war die Tatsache, dass das gesamte System dazu neigt, das Auf und Ab der Märkte noch künstlich zu verstärken. Allein die EZB stemmt sich gegen die Ungleichgewichte.
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DüsseldorfEine der Ursachen der Finanzkrise war die Tatsache, dass das gesamte System dazu neigt, das Auf und Ab der Kapitalmärkte noch künstlich zu verstärken. Dazu trägt die moderne Bilanzierung nach Marktwerten ebenso bei wie das Risikomanagement der Banken, das unter den Stichwörten Basel II und Basel III diskutiert wird. Wenn Banken ihre Wertpapiere nach aktuellen Kursen bilanzieren, erzeugt das im Boom zusätzliche Gewinne und in der Krise zusätzliche Verluste. Und wenn das Risikomanagement komplizierten Modellen überlassen wird, führt das oft dazu, dass diese Modelle in guten Zeiten mit zu optimistischen und in schlechten mit zu pessimistischen Annahmen gefüttert werden.

Nach der Krise hieß es: Dieses „prozyklische“ Verhalten der Finanzbranche muss verändert werden. Aber bisher ist nicht viel passiert. Im Gegenteil: Die künftigen Risikoregeln für Versicherer – Stichwort „Solvency II“ – wirken im Zweifel noch zusätzlich prozyklisch. Denn auch dort werden recht simple Eigenkapitalregeln durch individuelle Risikomodelle ersetzt.

Eigentlich sollte aber diese Art von automatischen Destabilisatoren zumindest besser überwacht werden. Es fiel das Stichwort „makroprudentielle Aufsicht“. Damit war gemeint, dass man auch die großen Trends des gesamten Systems im Auge behalten muss und nicht nur die einzelne Bank. Zuständig für diese Über-Aufsicht ist der European Systemic Risk Board, von dem man bisher nicht allzu viel gehört hat.

Tatsächlich ist aber unter anderem durch die Einführung von Stresstests, bei denen dann auch noch Staatsanleihen zu Marktpreisen bewertet wurden, der prozyklische Charakter des Systems noch verstärkt worden. Denn wenn sich die Euro-Krise verflüchtigt, werden die Stresstests wieder geringeren Bedarf an Eigenkapital signalisieren. Richtig wäre aber, gerade in guten Zeiten Eigenkapital aufzubauen.

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Die EZB arbeitet gegen das Ungleichgewicht

Kommentare zu " Wiebes Weitwinkel: Warum sich Finanzkrisen selbst verstärken"

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  • @ Eurokindergarten:Die größte Lachnummer: die EZB-Beamten wollen ihre Pensionen inflationsgesichert bekommen. AAAAAAAAH!
    Stimmt das? Ist das wirklich wahr? Haben Sie einen Link?

    Gruesse von ausserhalb

  • Aus Angst vor den sozialromantischen Waehlern hat man die DDR gleich auf den Westen ausgedehnt. Aber Sozialismus ist Realitaetsverweigerung, und Sozialisten machen immer pleite. Ich mach deshalb auch nicht mehr mit.
    Gruesse von ausserhalb (des €-Raums)

  • "Ich habe jedenfalls in keinster Weise von der Einführung einer europäischen Einheitswährung p(rofitiert)"

    mutige Aussage.

    Natürlich könnte man jetzt auf die Schweiz blicken - aber dies wäre insofern wenig sinnvoll, da ja auch die Schweiz von der Nachfragefinanzierung durch den Euro profitiert hat.

    Ohne Euro wären die letzten Jahre für die Realwirtschaft sicherlich ganz anders verlaufen - nicht nur in Europa, sondern bis nach China (welches nach Europa mehr exportiert als in die USA)...

    Aber aus Ihrer Sicht haben Sie natürlich Recht:
    "wieso finanzieren "Wir" mit "unseren" Exporterträgen Straßenbahnen und Stadien in Spanien, anstatt hier im eigenen Land?"
    insbesondere dann, wenn beim absehbaren Ausfall der Forderung dann am Ende sowieso der deutsche Staat die Rechnung zu zahlen hat...

    ... als Antwort bleibt mir da nur: Deutschland würde für die anderen uneinholbar voranschreiten;
    - durch Investitionen in die Deutsche Infrastruktur könnten wir Energie und Mobilität zu konkurrenzlos günstigen Preisen anbieten - durch die hiesige Industriedichte wäre Deutschland innerhalb Europas ein Riesen-Cluster, mit sämtlichen, sich selbst verstärkenden Wettbewerbsvorteilen innerhalb Europas (s.Porters "competitive advantage of nations").

    Für Europa insgesamt wäre dies wohl der bessere Weg;
    es wäre allerdings ganz klar ein "Europa der zwei Geschwindigkeiten".
    und einige in der Politik - anscheinend die derzeitige Mehrheit - möchte dieses Europa der zwei Geschwindigkeiten nicht.
    ... aber wer weiß: wenn jene nun tief genug in der Schuldenfalle sitzen, überlegen es sich jene vielleicht doch nochmal anders...
    ... die Entscheider "dort unten" können ihre Kinder ja dann nach Deutschland schicken ;-)

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