Wiebes Weitwinkel Warum sich Finanzkrisen selbst verstärken

Eine der Ursachen der Finanzkrise war die Tatsache, dass das gesamte System dazu neigt, das Auf und Ab der Märkte noch künstlich zu verstärken. Allein die EZB stemmt sich gegen die Ungleichgewichte.
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Frank Wiebe
Der Autor

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

DüsseldorfEine der Ursachen der Finanzkrise war die Tatsache, dass das gesamte System dazu neigt, das Auf und Ab der Kapitalmärkte noch künstlich zu verstärken. Dazu trägt die moderne Bilanzierung nach Marktwerten ebenso bei wie das Risikomanagement der Banken, das unter den Stichwörten Basel II und Basel III diskutiert wird. Wenn Banken ihre Wertpapiere nach aktuellen Kursen bilanzieren, erzeugt das im Boom zusätzliche Gewinne und in der Krise zusätzliche Verluste. Und wenn das Risikomanagement komplizierten Modellen überlassen wird, führt das oft dazu, dass diese Modelle in guten Zeiten mit zu optimistischen und in schlechten mit zu pessimistischen Annahmen gefüttert werden.

Nach der Krise hieß es: Dieses „prozyklische“ Verhalten der Finanzbranche muss verändert werden. Aber bisher ist nicht viel passiert. Im Gegenteil: Die künftigen Risikoregeln für Versicherer – Stichwort „Solvency II“ – wirken im Zweifel noch zusätzlich prozyklisch. Denn auch dort werden recht simple Eigenkapitalregeln durch individuelle Risikomodelle ersetzt.

Eigentlich sollte aber diese Art von automatischen Destabilisatoren zumindest besser überwacht werden. Es fiel das Stichwort „makroprudentielle Aufsicht“. Damit war gemeint, dass man auch die großen Trends des gesamten Systems im Auge behalten muss und nicht nur die einzelne Bank. Zuständig für diese Über-Aufsicht ist der European Systemic Risk Board, von dem man bisher nicht allzu viel gehört hat.

Tatsächlich ist aber unter anderem durch die Einführung von Stresstests, bei denen dann auch noch Staatsanleihen zu Marktpreisen bewertet wurden, der prozyklische Charakter des Systems noch verstärkt worden. Denn wenn sich die Euro-Krise verflüchtigt, werden die Stresstests wieder geringeren Bedarf an Eigenkapital signalisieren. Richtig wäre aber, gerade in guten Zeiten Eigenkapital aufzubauen.

Die EZB arbeitet gegen das Ungleichgewicht
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24 Kommentare zu "Wiebes Weitwinkel: Warum sich Finanzkrisen selbst verstärken"

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  • @ Eurokindergarten:Die größte Lachnummer: die EZB-Beamten wollen ihre Pensionen inflationsgesichert bekommen. AAAAAAAAH!
    Stimmt das? Ist das wirklich wahr? Haben Sie einen Link?

    Gruesse von ausserhalb

  • Aus Angst vor den sozialromantischen Waehlern hat man die DDR gleich auf den Westen ausgedehnt. Aber Sozialismus ist Realitaetsverweigerung, und Sozialisten machen immer pleite. Ich mach deshalb auch nicht mehr mit.
    Gruesse von ausserhalb (des €-Raums)

  • "Ich habe jedenfalls in keinster Weise von der Einführung einer europäischen Einheitswährung p(rofitiert)"

    mutige Aussage.

    Natürlich könnte man jetzt auf die Schweiz blicken - aber dies wäre insofern wenig sinnvoll, da ja auch die Schweiz von der Nachfragefinanzierung durch den Euro profitiert hat.

    Ohne Euro wären die letzten Jahre für die Realwirtschaft sicherlich ganz anders verlaufen - nicht nur in Europa, sondern bis nach China (welches nach Europa mehr exportiert als in die USA)...

    Aber aus Ihrer Sicht haben Sie natürlich Recht:
    "wieso finanzieren "Wir" mit "unseren" Exporterträgen Straßenbahnen und Stadien in Spanien, anstatt hier im eigenen Land?"
    insbesondere dann, wenn beim absehbaren Ausfall der Forderung dann am Ende sowieso der deutsche Staat die Rechnung zu zahlen hat...

    ... als Antwort bleibt mir da nur: Deutschland würde für die anderen uneinholbar voranschreiten;
    - durch Investitionen in die Deutsche Infrastruktur könnten wir Energie und Mobilität zu konkurrenzlos günstigen Preisen anbieten - durch die hiesige Industriedichte wäre Deutschland innerhalb Europas ein Riesen-Cluster, mit sämtlichen, sich selbst verstärkenden Wettbewerbsvorteilen innerhalb Europas (s.Porters "competitive advantage of nations").

    Für Europa insgesamt wäre dies wohl der bessere Weg;
    es wäre allerdings ganz klar ein "Europa der zwei Geschwindigkeiten".
    und einige in der Politik - anscheinend die derzeitige Mehrheit - möchte dieses Europa der zwei Geschwindigkeiten nicht.
    ... aber wer weiß: wenn jene nun tief genug in der Schuldenfalle sitzen, überlegen es sich jene vielleicht doch nochmal anders...
    ... die Entscheider "dort unten" können ihre Kinder ja dann nach Deutschland schicken ;-)

  • Fortsetzung

    Richtig Sparen heißt, die Zersiedelung der Landschaft als Auslöser großer Verkehrsströme zu beenden und die Funktionsfähigkeit der Kommunen wieder herzustellen. Die Produktfaktoren -Arbeit-Natur-Kapital- müssen wie in einer Fertigung auf kürzeste Wege reduziert werden. In der Gründerzeit, als Deutschland zu einer Industrienation wurde, wurde darauf noch Wert gelegt (z.B. Kruppsiedelungen). Heute leisten wir uns den Überfluß von Gewerbegebiet hier, Schlafstadt dort und Einkaufsmärkte sonst wo. Noch findet die Wirtschaft Abnehmer,die diesen Aufwand z.T. bezahlen. 2 Billionen Euro Staatsschulden sind ein weiterer Beleg für diese Verschwendung und es gibt dennoch einen Überhang.

    Die Schlangenbader Straße in Berlin war einst als Autobahnüberbauung während der Sozialbindung großer Kritik ausgesetzt und drohte zu verwahrlosen. Nach Aufhebung der Sozialbindung entwickelte sich die "Schlange" zu einer der besten Wohnadressen. Da Autobahnen durch Schall, Erschütterungen und Abgase große Wirkung auf die Nachbarschaft haben, sind sie auch mit Produktionsstätten vergleichbar. Diese könnten von der kolossalen Wirkung des Gebäudes 10 m an Höhe nehmen. Da in der "Schlange" Kindergarten und Schule integriert sind, liegen sie immer zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Umwege und Beeinträchtigungen gibt es nicht, aber es wird an Geld und Zeit gespart.

    http://www.degewo.de/content/de/Wohnen/_2-4-Kiezportraits/Charlottenburg_Wilmersdorf/Schlangenbader-Strasse.html

    http://www.bps-niedenstein.de/

  • Ich sehe nicht das Finanzsystem als Ursache der weltweiten Krise, es ist die Politik,die äußerst geschickt den Schwarzen Peter weiterreicht.
    Kleine und große Wirtschaftszyklen sind Ausdruck einer freien Marktwirtschaft in einer offenen Gesellschaft und sorgen für eine ständige Erneuerung bei den Produzenten. Das ist der Normalfall. Die großen Katastrophen sind immer dann entstanden, wenn Marktteilnehmer meinten,es geht auch ohne Arbeit und man brauche nur seinem Spieltrieb zu folgen. Die Politik, die in den großen Demokratien dem Wohle des ganzen Volkes verpflichtet ist, versäumte es,den Zockern Grenzen aufzuerlegen. Schlimmer noch: Die SPD unter Schröder lockerte noch bestehende Regeln und veränderte die Einkommensverteilung zugunsten der Wohlhabenden so sehr, daß denen mangels Investitionsanreize nichts weiter blieb, das Geld vom heimischen Markt zu nehmen. Akteure kamen nicht nur aus der privaten Wirtschaft, staatliche Institutionen,Banken und Kommunen, machten das ebenso. Und Merkel hält an dieser Entwicklung nicht nur fest, sie will ohne Rücksicht auf nationale Zwänge eine globale Lösung, die ihr schon in Kleinkleckersdorf nicht gelungen ist. Sparen will sie, alle sollen sparen. Nur woran soll gespart werden? Am Lohn, an den Sozialkosten, in Kleinkleckersdorf? Das wäre das Ende der Solidargemeinschaft und das Ende der Demokratie.

  • bei mir hier in der Stadt verrottet die Schulsporthalle, weil kein Geld für eine Sanierung vorhanden ist.
    Gleichzeitig werden Bankstern und Investoren für ihre Fehlentwscheidungen mit EZB Geld der Arsch gepudert.
    Wann ist endlich Schluß damit, daß jedesmal diejenigen, welche rein gar nichts mit diesen Schweinereinen zu tun hatten, davon in keinster Weise finanziell profitiert haben, jetzt die Euro-Rettung bezahlen sollen?!
    Was kann man wirksam dagegen tun, damit endlich die Verursacher zur Verantwortung gezogen werden.
    Ich habe jedenfalls in keinster Weise von der Einführung einer europäischen Einheitswährung partizipiert soll.


  • Freie Meinungsäußerung?
    -------------------------
    Wo bleibt der Aufschrei des Handelsblatts gegen das
    Redeeinschränkverbot im Bundestag?
    Betrifft es doch hauptsächlich die schwelende Finanz-
    krise!!
    So ist dieses Parlament keinen Deut besser als die viel
    geschmähten Diktaturen mit ihren Redeverboten und Men-
    schenrechtsverletzungen die von Angela Merkel bei ihren
    Staatsbesuchen laufend angeprangert werden.
    Dies dürfte ein weiteres Zeichen der Ohnmacht und Hilf-
    losigkeit des BRD Parlaments sein, daß die Probleme,
    besonders die des Schneeballsystems der Eurosion ihnen
    über den Kopf gewachsen sind und es ihnen für weitere
    Diskussionen an Argumenten fehlt!! So löst man bestimmt
    keine Probleme!!

  • Die Internetausgabe des Handelsblatt ist jetzt endgültig auf das Propaganda-Niveau von Spiegel, Bild und FTD gesunken.
    An der Spitze des Holtzbrinkverlages muss wohl etwas vorgehen, dass zugelassen wird, dass das eigene Flaggschiff versenkt wird.

  • Die Internetausgabe des Handelsblatt ist jetzt endgültig auf das Propaganda-Niveau von Spiegel, Bild und FTD gesunken.

    An der Spitze des Holtzbrinkverlages muss wohl etwas vorgehen, dass zugelassen wird, dass das eigene Flaggschiff versenkt wird.

  • Die EZB ist die größte Verbrecherorganisation!
    Geld drucken bis zum Umfallen, Schrottanleihen aufkaufen
    Inflationslügenmärchen erzählen,Banken Billionen schenken, unterwandert von der südländischen Adria Mafia.
    Diese Bank wird bald lichterloh brennen. Der Sturm auf die EZB wird dem Sturm auf die Bastille gleichen.
    Die größte Lachnummer: die EZB-Beamten wollen ihre Pensionen inflationsgesichert bekommen. AAAAAAAAH!
    Der Eurogeschwängerte Kleinmichel will es noch immer nicht wahrhaben, das sein Erspartes weg ist!

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