Wirtschaftsleistung zieht an
Indiens lange Aufholjagd

Wie China vor 15 Jahren steht Indien heute an einem Wendepunkt. Ein großer Teil zur Öffnung der Wirtschaft ist getan. Doch nur wenn die bevölkerungsreichste Demokratie weitere ökonomische und soziale Reformen schafft, kann das Land zu einer der wirtschaftlichen Supermächte werden. Ein Essay.

Wie China vor 15 Jahren steht Indien heute an einem Wendepunkt. Nachdem ein großer Teil der anfänglichen harten Arbeit zur Öffnung der Wirtschaft getan ist, muss die bevölkerungsreichste Demokratie der Welt nun entscheiden, ob sie das Tempo des Wandels bremsen oder die nächste Stufe der Reformen angehen will. Indien kann am Rande der Weltwirtschaft stehen oder, wie China es getan hat, einen Platz in der Champions League anstreben.

Seit den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat Indien große Fortschritte gemacht. Innerhalb von 15 Jahren hat es sich von einer unterentwickelten, landwirtschaftlich geprägten Volkswirtschaft zu einer Wirtschaft gemausert, die auf Wissen und Dienstleistungen basiert. Die Statistiken sind eindrucksvoll: Die reale Wirtschaftsleistung hat sich seit 1991 verdoppelt, die aktuellen Wachstumsraten liegen bei sieben Prozent pro Jahr. In einigen Sektoren hat Indien eine Basis von Weltklasse aufgebaut - Informations- und Biotechnologie, Pharma, Autoindustrie. Hier ist Indien zum bevorzugten Ziel internationaler Investoren geworden. Ausländische Direktinvestitionen erreichen jetzt über sechs Mrd. US-Dollar jährlich, während sie in den frühen 90er-Jahren noch bei 100 Mill. Dollar lagen.

Eine Mittelklasse von 100 Millionen konsumstarken Haushalten, die ein verfügbares Pro-Kopf-Einkommen von 5000 Dollar haben, ist entstanden und hat die Nachfrage belebt. Die Zahl der Flugreisenden beispielsweise hat sich in zehn Jahren versechsfacht, der Auto- und Motorradabsatz verdoppelt. 120 Mill. Inder nutzen ein Mobiltelefon, vor vier Jahren waren es erst 45 Mill.

Dieser rasche Fortschritt war die unmittelbare Folge von vielen Liberalisierungsschritten. Die Frage ist nun, ob Indien weiter restrukturiert und einen größeren Teil der Bevölkerung in den Genuss von Wohlstand kommen lässt. Man darf nicht vergessen, dass ein Drittel der Bevölkerung noch mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen muss.

Indiens Potenzial für weiteres Wachstum hängt von drei Bedingungen ab. Die erste ist das wirtschaftliche Umfeld, unterstützt von entwickelten Finanzmärkten und der erwiesenen politischen Stabilität. Fast das gesamte politische Spektrum stützt die wirtschaftliche Liberalisierung, fünf wechselnde Koalitionsregierungen haben nichts getan, um sie zurückzurollen. Wechselkurse, Inflation und Zinsen haben in den vergangenen fünf Jahren kaum geschwankt. Der Geldmarkt ähnelt dem in stärker entwickelten Ländern. Indiens Demokratie, seine freie Presse und sein Rechtssystem stärken die Attraktivität für Auslandsinvestoren.

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