Wirtschaftsordnung
Das Deutschland-Modell ist (noch) kein Exportschlager

Deutsche Autos stehen bei unseren europäischen Nachbarn hoch im Kurs. Auf weniger Begeisterung stoßen hingegen unsere ordnungspolitischen Vorstellungen. Dies stellt eine große Herausforderung für die nächsten Jahre dar.
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Es war zwar keine Kapitulation, aber doch ein Eingeständnis. „Deutschland hat die wirtschaftspolitische Debatte in Europa gewonnen“, sagte Mario Monti diese Woche. Der neue italienische Ministerpräsident bestätigte damit nur, was seit Monaten in Europa und darüber hinaus die Runde macht. Mit einem Wirtschaftswachstum von drei Prozent in 2011, einer Arbeitslosenquote von zuletzt 6,6 Prozent und dem Stabilitätssiegel von Standard & Poor’s für die Staatsfinanzen gilt Deutschland weltweit als Musterknabe.

Doch wie das mit Musterknaben eben so ist: Sie werden oft beneidet, klammheimlich sogar bewundert, doch beliebt sind sie fast nie. So darf die deutsche Kanzlerin kommende Woche zwar die Eröffnungsrede beim Treffen der globalen Führungselite in Davos halten. Das „Erfolgsmodell Deutschland“ spielt im offiziellen Programm des Weltwirtschaftsforums aber kaum eine Rolle. Die Prototypen des neuen deutschen Wirtschaftswunders kann man in den Schweizer Bergen an den Fingern einer Hand abzählen.

Auf den meisten Podien geben Angelsachsen den Ton an. Das liegt nicht nur an der Weltsprache „Englisch“, die es Amerikanern und Briten erleichtert, in den großen internationalen Debatten die Lufthoheit zu behalten. Und es liegt auch nicht nur daran, dass wir Deutsche uns international – zum Beispiel bei der Besetzung von Spitzenpositionen – noch immer unter Wert verkaufen. Deutschland ist vor allem deshalb unverstanden und unbeliebt, weil wir es bislang nicht geschafft haben, aus unserem Erfolgsmodell ein Erfolgsrezept zu machen, das man in die Welt genauso gut exportieren kann wie deutsche Autos.

Während der „Davos Man“ nächste Woche mit leuchtenden Augen auf die dort ausgestellten deutschen Luxuskarossen blicken wird, dürfte die „Eiserne“ Kanzlerin zwar freundlichen Beifall für ihren Sparappell bekommen, aus den Händen wird man ihr die Blaupausen für das Erfolgsmodell Deutschland jedoch nicht reißen. Auch wenn chinesische Ökonomen sich inzwischen vor Ort über das deutsche Beschäftigungswunder informieren, Europa widerwillig dem deutschen Spardiktat folgt und Amerika unserer Industriepolitik nacheifert.

Was das Ausland an deutschen Autos und anderen Exportschlagern schätzt, vermissen unsere Partner an der deutschen Wirtschaftspolitik: maßgeschneiderte Angebote, die sich flexibel und pragmatisch an Bedürfnisse ihrer Kunden anpassen. Stattdessen wirbt Merkel für eine „One size fits all“-Austeritätspolitik. Die trifft jedoch nicht jeden Geschmack, und nicht jedes Land passt in den deutschen Anzug.

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Den Gürtel enger schnallen reicht nicht

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  • Exportschlager? Fremdherrschaft finanzpolitischer Art!
    Warum lässt sich eine ganzes Wirtschaftsystem viel schwieriger exportieren als Äpfel und Autos? Warum? Warum?

    Vielleicht ist die deutsche Software nicht mit dem südeuropäischen Betriebssystem kompatibel.
    Wer eine Wirtschaftsordnung exportiert, schüttelt die existierende Ordnung durcheinander, zerstört gar die friedensstiftenden Mechanismen der Konfliktregulierung. Oder einfacher formuliert: Es ist leichter, eine Währung abzuwerten als die Löhne zu senken. Wollen die Arbeitgeber die Löhne um 40 Prozent senken, hätte man das größte Theater. Wird die Währung um 40 Prozent ab, gibt es ein Murren beim nächsten Auslandsurlaub, aber keinen Bürgerkrieg, obwohl der Außenwert des Lohns um 40 Prozent fällt. Und darum geht es oft.

    Ein südeuropäisches Inflationsregime läuft halt anders – und nicht unbedingt schlechter: Erste Frontlinie: Löhne und Preise. Unternehmer akzeptieren leichter Lohnerhöhungen, erhöhen dafür schneller die Preise – somit bleibt der Reallohn gleich.
    Zweite Frontlinie: Väterchen Staat, der für Bürgerwünsche immer ein offenes Ohr hat. Folge: Verschuldung steigt, Inflation steigt ebenso, vielleicht etwas stärker.

    Manchmal ist eine eigene Währung eine kulturelle Errungenschaft ...

    Werner Veith / Fürth (Franken)

  • Deutschland könnte mit seiner ordnungspolitischen Tradition durchaus mithelfen, diese geistige Lücke zu füllen.
    ------------------------
    Was meint denn der Autor damit genau?
    Geistige Lücken haben wir selbst inzwischen mehr als genug, da können wir nicht noch arroganz woanders Lüken schließen
    Überhaupt geht mir die freche Art von Merkel auf die Nerven, die nach dem Motte durch die Welt eilt "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen"
    Das hatten wir mal überwunden, bis diese DDR-Trulla kam
    und auch weiter im Artikel Merkels Wirtschaftspolitik die guten Arbeitslosenzahlen etc. zu loben, geht wohl an der Wirklichkeit vorbei.
    Macht der Journalist/Autor keine Recherchen?
    Da würde er schnell merken, dass die Arbeitslosenzahlen extrem geschönt sind, ganze Teile gar nicht mehr gezählt werden
    Frau Merkel kann hier doch nur so agieren, weil wir quasi keine Gewerkschaften mehr haben, die die ganzen Mißstände aufdecken würden
    Der Artiklel ist als Leuteverdummung zu betrachten
    Vom HB erwate ich was anderes

  • Deutschland könnte mit seiner ordnungspolitischen Tradition durchaus mithelfen, diese geistige Lücke zu füllen.
    ------------------------
    Was meint denn der Autor damit genau?
    Geistige Lücken haben wir selbst inzwischen mehr als genug, da können wir nicht noch arroganz woanders Lüken schließen
    Überhaupt geht mir die freche Art von Merkel auf die Nerven, die nach dem Motte durch die Welt eilt "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen"
    Das hatten wir mal überwunden, bis diese DDR-Trulla kam
    und auch weiter im Artikel Merkels Wirtschaftspolitik die guten Arbeitslosenzahlen etc. zu loben, geht wohl an der Wirklichkeit vorbei.
    Macht der Journalist/Autor keine Recherchen?
    Da würde er schnell merken, dass die Arbeitslosenzahlen extrem geschönt sind, ganze Teile gar nicht mehr gezählt werden
    Frau Merkel kann hier doch nur so agieren, weil wir quasi keine Gewerkschaften mehr haben, die die ganzen Mißstände aufdecken würden
    Der Artiklel ist als Leuteverdummung zu betrachten
    Vom HB erwate ich was anderes

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