Wirtschaftsverbände
Thumanns Notlösung

Mitgliederversammlungen des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) sind keine SPD-Parteitage. Mit überraschenden Voten bei der Wahl des Verbandspräsidenten ist daher nicht zu rechnen.

Doch auch nach seiner zu erwartenden Wiederwahl muss BDI-Chef Jürgen Thumann sich fragen, was er in den letzten Monaten falsch gemacht hat. Denn das Rumoren in den Mitgliedsverbänden ist deutlich zu hören. Es sind gerade die besonders starken BDI-Verbände, die eine engere Zusammenarbeit mit der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeber (BDA) kritisch betrachten. Allein die gefühlte Nähe zum Tarifkartell lässt sie schaudern. Thumann hätte das wissen können. Er hätte vorfühlen, mehr kommunizieren müssen. Die Ankündigung, den Schulterschluss mit der BDA und nicht mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zu suchen, kam für viele Unternehmen, in denen betriebliche Bündnisse und tarifliche Öffnungsklauseln einen hohen Stellenwert haben, überraschend.

Es muss die Frage erlaubt sein, warum Thumann zunächst eine Kooperation mit dem DIHK ankündigt, wenn allein ein Blick ins Kammergesetz genügt, um festzustellen, dass damit enorme Probleme verbunden sind: Eine Fusion zu den Konditionen des BDI lässt das Kammergesetz nicht zu, eine Fusion unter den Vorzeichen des Kammergesetzes wäre einer Auflösung des BDI gleichgekommen. Das Scheitern der Eheanbahnung mit dem DIHK war somit absehbar.

Doch Thumann musste einen Erfolg vorweisen. So erklärt sich sein Vorstoß, auf die BDA zuzugehen. Dieser Taktik haftet nun der Makel einer Notlösung an. Und das Unbehagen der BDI-Mitglieder wird sich morgen im Wahlergebnis niederschlagen. Bei seiner Wahl zur ersten Amtszeit erhielt Thumann noch 151 von 153 Stimmen.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%