Wirtschaftswissenschaften
Unfälle und Unerwartetes am laufenden Band

Die Wirtschaftswissenschaften können Märkte nicht berechenbar machen. Sie müssen sich von der Illusion strikter Gesetzmäßigkeit lösen, die zur Finanzkrise beigetragen hat. Regeln und adaptives Handeln helfen uns weiter.
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Viel ist über die Ursachen der globalen Wirtschaftskrise geschrieben worden. Regierungen und Wirtschaftswissenschaft wurden von ihr überrascht. Wie das? Ist die Ökonomie nicht eine Wissenschaft, und ist Wissenschaft nicht dazu da, die Gesetze zu erforschen, die das Verhalten ihrer Gegenstände bestimmen? Die Physik entdeckte E = mc2, die Biologie das Prinzip der natürlichen Auslese.

Richard Posner schreibt: „Aus der Prämisse, dass Menschen rationale Nutzenmaximierer sind, leitet der Ökonom eine Reihe von Hypothesen ab, von denen die am besten bekannte das ,Gesetz der Nachfrage' ist: Wenn der relative Preis eines Produkts steigt, führt dies, wenn alles andere gleich bleibt, zu einem Rückgang der Nachfrage nach dem Produkt. Hypothesen dieser Art werden durch Untersuchungen über tatsächliches wirtschaftliches Verhalten bestätigt oder widerlegt.“

Wenn das so wäre, dann hätte die Wirtschaftswissenschaft doch vorhersagen können, was passieren würde, und dadurch die Politik in die Lage versetzt, es zu verhindern. Aber so war es nicht. Und das liegt, so denken wir, nicht an einzelnen Hypothesen oder Variablen, sondern hat grundsätzlichere Ursachen. Das Problem ist ein zu enges Verständnis dessen, was Wissenschaft ist und sein kann – eines, das sich Wissenschaft als ausschließlich deduktiv vorstellt, wobei Erklärungen und Vorhersagen aus universellen Gesetzen abgeleitet werden, die auf axiomatischen Annahmen beruhen. Ein Teil der Wissenschaft entspricht diesem Bild; aber nicht die Wissenschaften von der Gesellschaft. Die soziale Welt, der Großteil der biologischen und sogar ein Teil der physikalischen Welt, besteht aus kontingenten, kontextsensitiven, emergenten (unvorhersehbaren), komplexen Systemen. Ohne eine Erweiterung des wissenschaftlichen Paradigmas ist das nicht zu verstehen.

Tatsächlich gibt es keinen Grund zu erwarten, dass die Wirtschaft, die Biosphäre oder das globale Klima sich auf einfache Gesetze reduzieren ließen. Komplexe Systeme produzieren unvorhersehbare Effekte, die aus dem Zusammenwirken ihrer einfacheren Elemente hervorgehen und definitionsgemäß überraschend sind. Um es an einem Beispiel zu zeigen: Ohne den Ersten Weltkrieg und die Russische Revolution, die beide nicht hätten stattfinden müssen, wäre das 20. Jahrhundert anders verlaufen, und der moderne Kapitalismus wäre nicht das geworden, was er heute ist; was er stattdessen geworden wäre, kann jedoch niemand sagen. Emergente Phänomene entwickeln ein Eigenleben und wirken oft auf die Systemelemente zurück, von denen sie erzeugt wurden.

Auch in wirtschaftlichen Systemen kann man nicht mit vorabbestimmten Fortschritten zu einem vorabbestimmten Ziel rechnen, sondern muss von Rückkoppelungen und chaotischen Effekten ausgehen, die hochempfindlich auf destabilisierende Bedingungen reagieren: „Kaum ein Ökonom sah unsere gegenwärtige Krise kommen, aber ein Mangel an Vorhersagen war das geringste Problem. Wichtiger war die Blindheit der Disziplin für die grundsätzliche Möglichkeit katastrophaler Ereignisse in einer Marktwirtschaft … Ökonomen hatten sich rettungslos in die alte, idealisierte, mit schicken Gleichungen herausgeputzte Vision einer aus rationalen Individuen und perfekten Märkten bestehenden Wirtschaft verliebt“ (Paul Krugman, „New York Times“, 2. September 2009).

Wissenschaft war schon immer bestrebt, das „blühende, summende Gewimmel“ (William James) unserer Erfahrung auf einfache, universelle, zeitlos geltende Gesetze zurückzuführen. Die Erfolge der wissenschaftlichen Revolution des siebzehnten Jahrhunderts, insbesondere Newtons Gesetze, dienten den Philosophen als Modell für zuverlässiges Wissen. Aber vieles von dem, was wir heute über die Komplexität der Welt wissen, passt nicht zu den reduktionistischen und vereinheitlichenden Strategien des Newtonschen Paradigmas.

Das heißt nicht, dass wir die Komplexität von Wirtschaft und Gesellschaft nicht wissenschaftlich verstehen könnten. Wohl aber, dass Wissenschaft das Newton'sche Paradigma hinter sich lassen muss. Nötig ist in vielen Fällen eine explizitere und detailliertere Analyse der vielfältigen Auswirkungen. Das heißt unter anderem, dass Ereignisse und Bedingungen, die im herkömmlichen Paradigma oft als „Zufälle“ oder „Randbedingungen“ behandelt werden, selber zum Gegenstand der Untersuchung werden müssen. Wenn man wissen will, was geschehen wird, reicht es nicht, zukünftiges Verhalten aus universellen Gesetzen rationaler Wahlentscheidungen abzuleiten. Stattdessen ist es nötig, die lokalen Bedingungen zu berücksichtigen – ihr Zusammenwirken und ihre Rückwirkung auf die einzelnen Elemente der in Betracht kommenden Wirkungsketten. Aus denen gehen emergente Phänomene hervor, die die Regeln verändern, nach denen die Ereignisse ablaufen. Der Wirtschaftswissenschaftler Brian Arthur: „Geringfügige Ereignisse (die Mutationen der Geschichte) gleichen sich oft gegenseitig aus. Manchmal aber gewinnen sie entscheidende Bedeutung, indem sie Teile des wirtschaftlichen Zusammenhangs in neue Strukturen und Muster kippen lassen.“

Ein Beispiel ist der Vogelschwarm. Jeder Vogel koordiniert seine Bewegungen mit allen anderen: vermeidet Zusammenstöße, fliegt in dieselbe Richtung und hält sich im Schwarm. Alles, was der einzelne Vogel tut, hängt von dem ab, was alle anderen tun. Darüber hinaus können sich die Regeln, die das einzelne Verhalten bestimmen, selber ändern, etwa um das Verhalten des Schwarms besser an das der Raubvögel anzupassen, die ihr Verhalten ebenfalls ändern, um ihre Beute fangen zu können. Mehrfache Verursachungen auf mehreren Ebenen mit unterschiedlichen Zeitskalen wirken zusammen und erzeugen das, was wir beobachten.

Der Unterschied zu dem einfachen Fall physikalischer Verursachung ist erheblich. Eine Billardkugel bewegt sich in die Richtung und mit der Geschwindigkeit, die ihr von der Kugel, von der sie angestoßen wurde, vorgegeben wurden. Natürlich muss man immer leichte Abweichungen von der Bahn erwarten, verursacht durch Rotation und Reibung; insgesamt aber wird das Verhalten der Kugel durch eine einzige, dominante Ursache erklärt. Ganz anders in der Welt des Komplexen. Gewiss gibt es unterschiedliche Grade und Arten von Komplexität. Einige Systeme ähneln der Billardkugel, nur dass die Zahl der kausalen Einflüsse größer ist. Die bloße Anzahl der Faktoren wirft keine grundsätzlichen Probleme auf, insbesondere wenn ihr Zusammenwirken einfachen Regeln folgt. Komplexe Systeme enthalten jedoch oft Rückkoppelungen, die zu einer Verstärkung oder Dämpfung der Effekte führen oder zu nichtlinearem, chaotischem Verhalten. Unter diesen Umständen müssen Kausalerklärungen, die Additivität unterstellen, versagen.

Die Illusion von einem

Super-Individivuum

Das ist gemeint, wenn Nobelpreisträger Robert Solow in einer Nachbetrachtung der Finanzkrise davon spricht, dass die „derzeit in Mode befindliche Makroökonomie“ dazu neige, „ihre Gegenstände so zu formulieren, dass die Wirtschaft mit mehr Kohärenz und Zielstrebigkeit ausgestattet wird, als wir das Recht haben zu unterstellen“. Solow weiter: „Ich erwarte, dass es zu einer Wiederbelebung einer Art von makroökonomischer Theorie kommen wird, die darauf verzichtet, aggregiertem wirtschaftlichem Verhalten diese Art von Kohärenz aufzuzwingen. Was nicht bedeuten soll, dass nicht einige Individuen sich kohärent verhalten. Aber das System übersetzt dieses Verhalten nicht in eine Art von Super-Individuum.“

Hinzu kommt, dass die soziale Welt nicht nur komplex ist, sondern auch historisch. Von jeder Gesellschaft gibt es nur eine einzige – also keine Gesamtheit von Fällen, für die man eine Normalverteilung errechnen könnte. Hier gibt es offenkundige Parallelen zur Naturgeschichte. Ohne das Aussterben der Dinosaurier hätten die Säugetiere ihre Vorherrschaft nicht antreten können und gäbe es dementsprechend keine Menschen. So viel können wir wissen. Aber wissen, was aus den Sauriern geworden wäre, wenn es ihnen erlaubt gewesen wäre, ihren Marsch durch die Geschichte fortzusetzen, können wir nicht (ob etwa ihre heutigen Nachkommen mit Messer und Gabel essen würden).

Komplexität und Geschichtlichkeit bedeuten, dass menschliches Handeln immer vor dem Horizont einer ungewissen Zukunft stattfindet. Schon Keynes wusste, dass Ungewissheit nicht dasselbe ist wie Risiko: Risiko kann man kalkulieren, Ungewissheit nicht. „Beim Roulette“, so Keynes 1937, „gibt es keine Ungewissheit… Auch die Lebenserwartung ist nur geringfügig ungewiss und das Wetter nur mäßig. So, wie ich den Begriff verwende, bezieht er sich auf die Aussicht eines Krieges in Europa, den Kupferpreis oder den Zinssatz in zwanzig Jahren...Trotzdem zwingt uns die Notwendigkeit zu handeln ..., über diese unbequeme Tatsache hinwegzusehen.“

Zunächst muss man sich daher von jeglichen technokratischen Illusionen und jeglicher Hoffnung auf präzise Vorhersagbarkeit und sichere Kontrolle freimachen. Nach der Krise, die 1998 durch den Hedge-Fonds LTCM ausgelöst wurde, war es die einhellige Überzeugung an der Wall Street und bei den US- Aufsichtsbehörden, dass man gemeinsam über alle nötigen Instrumente verfüge, um jede in Zukunft mögliche Krise bewältigen zu können. Im Oktober 2008 wurde der Ex-Notenbankchef Alan Greenspan vom amerikanischen Kongress nach den Ursachen der Finanzkrise befragt. Greenspan, nach eigener Aussage „in a state of shocked disbelief“, sprach rückblickend von einem „ausgedehnten System des Risikomanagements und der Preisermittlung, das die besten Erkenntnisse der Mathematiker und Finanzexperten zusammenbrachte und auf bedeutenden Fortschritten in der Computer- und Informationstechnologie beruhte. Für das Preisbildungsmodell, auf dem die Ausbreitung des Markts für Derivate zum großen Teil beruhte, war sogar ein Nobelpreis vergeben worden.“ Auf der Grundlage dieses „intellektuellen Gebäudes“, das, so Greenspan, „im Sommer 2007 kollabierte“, hatten die Aufsichtsorgane, allen voran Greenspan selber, mit einer Politik der „light touch regulation“ den Finanzingenieuren der Wall Street erlaubt, im Namen von Innovation und Effizienz immer neue „Produkte“ auf den Markt zu werfen.

Die Ungewissheit wächst mit den technischen Fähigkeiten

Was jemand wie Greenspan, überzeugter Anhänger des mechanistischen Maschinenmodells der Standardökonomie, nicht berücksichtigt hatte, war, dass Komplexität und Ungewissheit mitwachsen, wenn die technischen Fähigkeiten wachsen. Je mehr wir berechnen, desto unberechenbarer wird die Zukunft. Das bedeutet auch, dass die Politik das Unerwartete erwarten und Handlungsroutinen für den Umgang mit nicht vorhersehbaren Ereignissen entwickeln muss. Kernkraftwerke werden längst so betrieben. Um die Art von Ungewissheit zu bewältigen, die in komplexen Systemen vorherrscht, ist eine neue Art von Politik erforderlich. Adaptives Prozessmanagement anstelle von „Vorhersagen-und-Handeln“ ermöglicht die notwendige Flexibilität. Wo man nichts vorhersagen und nicht einmal Wahrscheinlichkeiten berechnen kann, ist es wichtig, nicht so zu tun, als wisse man, was die Zukunft bringen wird. Unsere Einschätzung dessen, was als Nächstes passieren wird, muss ständig aktualisiert werden. Was man erwarten muss, sind ironischerweise Überraschungen.

Schließlich gibt es noch einen weiteren Grund, warum menschliche Gesellschaften nicht mit Hilfe deterministischer Theorien erklärt oder kontrolliert werden können: Sie nehmen die Theorien zur Kenntnis und stellen sich auf sie ein. Menschen verfügen über Intentionalität: Sie verhalten sich nicht einfach, indem sie mechanisch auf ihnen vorgegebene Reize reagieren, sondern sie können absichtsvoll handeln. Der Mensch, so kein anderer als Darwin, ist ein „moralisches Wesen“, fähig, „seine früheren und zukünftigen Handlungen oder Motive miteinander zu vergleichen und sie zu billigen oder zu missbilligen“. Daher ist die Verfallszeit von Maschinenmodellen sozialer oder ökonomischer Prozesse so kurz: Ihr Einsatz wird bemerkt und intentional beantwortet.

Ein oft zitiertes Beispiel sind die sogenannten Hawthorne-Experimente (1924-1932), bei denen die Forscher herausgefunden haben wollten, dass Arbeiterinnen auch ohne Lohnerhöhung schneller und besser arbeiten, wenn man freundlich zu ihnen ist und die Wände ihrer Werkstatt gelb anstreicht. Aber nachdem sich herumgesprochen hatte, dass das Management mit seinen guten Worten und der gelben Farbe „nur“ Geld sparen wollte, kam es zu Lohnforderungen und einem Streik. Ein ähnliches Schicksal traf postum John Maynard Keynes. Als in den siebziger Jahren die „keynesianische“ Globalsteuerung der Wirtschaft mittels Geld- und Fiskalpolitik zur etablierten Praxis geworden war, reagierten Unternehmen und Konsumenten immer zögerlicher auf sinkende Zinsen, weil sie glaubten, bei anhaltender Stagnation mit weiteren Zinssenkungen rechnen zu können. Am Ende „funktionierte“ die Theorie nicht mehr, weil sie allgemein bekannt war.

Ein weiterer Aspekt ist, dass menschliche Gesellschaften ihre Ordnung statt aus unwandelbaren Naturgesetzen aus selbst gemachten Gesetzen und Institutionen beziehen. Keynes kritisierte 1937 in einem Aufsatz, der sich liest, als sei er zur heutigen Krise geschrieben worden, die Vorstellung, freie Märkte unterlägen quasi-naturgesetzlichen Regelmäßigkeiten, die von der Politik respektiert werden müssen, wenn die Wirtschaft stabil funktionieren soll. Da, so Keynes, in einem freien Markt Ungewissheit besteht, sind die Teilnehmer gezwungen, auf eine Weise zu handeln, die ständig unvorhersehbare Schwankungen auslösen muss: „Im Wissen, dass unser eigenes, einzelnes Urteil wertlos ist, verlassen wir uns auf das der anderen, die vielleicht besser informiert sind. Das heißt, wir versuchen, uns in Übereinstimmung mit der Mehrheit oder dem Durchschnitt zu verhalten... Immer neue Ängste und Hoffnungen werden ohne Vorwarnung das menschliche Verhalten bestimmen.“ Märkte, so Keynes, werden nicht durch Theorien berechenbar, sondern nur durch Regulierung: Nur in einem „ordentlich regulierten Markt“ können die „hübschen und netten Techniken“, die die „klassische Wirtschaftstheorie“ bereithält, überhaupt jemals funktionieren.

Spätestens hier ist der Punkt erreicht, an dem Ökonomie zur politischen Ökonomie werden muss: Es gibt keine Möglichkeit, Politik durch Wissenschaft zu ersetzen. Es stimmt, dass Politik anders als die Welt der ökonomischen Standardtheorie unordentlich und geradezu definitionsgemäß umstritten und bestreitbar ist. Aber so ist das Leben.

Kommentare zu " Wirtschaftswissenschaften: Unfälle und Unerwartetes am laufenden Band"

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  • im Kommentar genannte "blasen", welche sich z.zt. entwickeln, beziehen sich nur auf börsenplaetze und nicht auf Volkswirtschaften.

  • immer der selbe Trailer: Niemand hat die Krise vorhergesehen, ausgesprochen, prognostiert etc. STiMMT NiCHT. Es sind genügend Gegenstimmen auch in der Türkei bei Volkswirten in Tageszeitungen wie z.b. Aksam geschrieben worden. Natürlich hat man die blasen vorher gesehen. Es ist immer das selbe: Der Anlitz des Goldes verführt die Menschen sprich man will immer mehr und mehr verdienen. Hinterfragt aber nicht die versprochenen %20, %25,%100 etc. Gewinnversprechungen. Dem Reiz des "Supergewinnes" sind auch die Finanzler nicht immun.
    Aber die "neutralen" Medien berichten ja lieber über Supergewinne und Supermethoden anstatt auf Hochschullehrer zuverweisen. Theorie ist trocken und überhaupt VWL ist eine Unterkategorie der Sozialwissenschaften und exakte Nachweise der Theorien wie in Naturwissenschaften sind hier nicht möglich. Aber mit %5 Signifikanznieveau kann auch ich behaupten, dass die blasen wieder an Masse gewinnen und dort wo hohe Gewinne möglich sind, sind auch die Verlustmöglichkeiten dementsprechend. Mathematisch ausgedrückt die Zahlen sind absolut. Also [-x,+x].

  • "Auch in wirtschaftlichen Systemen kann man nicht mit vorabbestimmten Fortschritten zu einem vorabbestimmten Ziel rechnen, sondern muss von Rückkoppelungen und chaotischen Effekten ausgehen, die hochempfindlich auf destabilisierende bedingungen reagieren: „Kaum ein Ökonom sah unsere gegenwärtige Krise kommen, aber ein Mangel an Vorhersagen war das geringste Problem. Wichtiger war die blindheit der Disziplin für die grundsätzliche Möglichkeit katastrophaler Ereignisse in einer Marktwirtschaft … Ökonomen hatten sich rettungslos in die alte, idealisierte, mit schicken Gleichungen herausgeputzte Vision einer aus rationalen individuen und perfekten Märkten bestehenden Wirtschaft verliebt“ (Paul Krugman, „New York Times“, 2. September 2009)":

    Die heutige Finanzkrise, wie alle anderen Finanzblasen zuvor, ist auf eine unausgewogene Verteilung des Geldes zurückzuführen. Erfolgreiche Leute sind oft Ehrgeizig, sodass sie ständig neue Herausforderungen annehmen, ihr Vermögen wächst, solange sie erfolgreich sind. ihr Vermögen beginnt mit der Zeit von sich aus für sie zu arbeiten. Wir brauchen diese Leute, um die innovationskraft zu erhalten. Aber die Probleme der Erbschaftssteuer für die betroffenen sind bekannt. Sie müsste so gestaltet werden, dass ein Erbe nicht in finanzielle Probleme kommt, weil sie ein Teil des Erfolges sind. Aufgrund des Patentrechtes werden vor allem die Profitieren, die am schnellsten sind. Dafür ist Geld ein nicht unwesentlicher Faktor. Mit Finanzpolitik allein ist es meiner Meinung nach nicht getan. Ein Systemwandel durch ein generelles Umdenken muß geschehen, weltweit geschehen, wenn die Passiven Vermögenden und Leistungsträger gehalten werden sollen, denn hochqualifizierte und Ehrgeizige Menschen sind mobil.

    in fünf bis zehn Jahren hohlen uns die aufgeschobenen Probleme ein. Es kann eine Rezession sein, eine drastische Reduktion von staatlichen Leistungen, oder anderes. Direkte Eingriffe in unser System sind heikel, denn sie können dem System weit mehr Schaden zugefügen, als Probleme gelösen. Staatsschulden sind ebenfalls nicht die Lösung.

    ich fürchte, dass gesamte System lässt sich nur durch einen Zusammenbruch verändern, da die Meinungen zu unterschiedlich sind, was ein besseres System ist, und wie es geschaffen werden soll. Der Minimalkonsens auf internationaler Ebene war das beste beispiel, dass die Staaten in dieser Krise erst in letzter Sekunde eingegriffen haben. Eine idee muss umgesetzt werden, sonst taugt sie nichts. Nur etwas zu erfinden ist noch keine innovation, da sie zuerst verbessern muss. Dazu kommt der Widerstand der Profiteure von heute, die ihre Position nicht aufgeben wollen. Zu ihnen zählen die Finanzinstitute, einige Privatpersonen und Politiker.

    Der Schlüssel zur behebung der heutigen und zukünftiger Krisen sind Kooperation und Selbstbeschränkung... beides sehen ich heute nicht; mit chaotischen Effekten müssen immer rechnen.

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