WM-Tickets
Verbotene Gastlichkeit

Noch drei Wochen bis zur Fußball-Weltmeisterschaft – und alle scheinen durchzudrehen. Es wird Zeit für den ersten Anpfiff. Wenn der Ball rollt, die Welt tatsächlich anreist und sich zwischen Hamburg und München bestens amüsiert, wird die teutonische Melancholie weichen.

Noch drei Wochen bis zur Fußball-Weltmeisterschaft – und alle scheinen durchzudrehen. Die einen zittern vor Hooligan-Armeen, die deutsche Innenstädte verwüsten. Die anderen haben Visionen von Terroranschlägen auf menschenumlagerte Großbildleinwände. Oder sie prophezeien ausländischen Fans, sie würden von baseballschlägerbewehrten Neonazis durch deutsche Straßen getrieben.

Und schließlich gibt es noch das gern beschworene Bild eines Sumpfes aus Bestechung und Steuerhinterziehung, wo gerissene Manager in Vip-Logen heimlich Aufträge an Land ziehen und vergeben, bevor sich die Dunkelmänner zum Buffet in die Zeltstadt vor den Stadiontoren begeben.

Über die Frage, wer wen wohin und für wie viel Euro einladen darf, ist ein Streit entbrannt, der mit dogmatisch nur unzureichend beschrieben ist. Sogar die Staatsanwaltschaft Karlsruhe mischt mit und ermittelt gegen Utz Claassen, den Chef des Energiekonzerns EnBw, weil sein Unternehmen systematisch Politiker zu Spielen einladen wollte.

Wohlgemerkt: Es wird ermittelt, weil ein Unternehmen einladen möchte. Nicht zu champagnersprudelnden Bordellbesuchen mit Tausenden von Euro in diskret überreichten Briefumschlägen. Sondern zum Fußball. Und allein die Einladung soll schon strafbar sein. Sicher, es gibt Regelungen, was die Annahme von Geschenken betrifft, und der Wert vieler Tickets zu Weltmeisterschaftsspielen wird diese Limits übertreffen, die Gesetzgeber und auch interne Unternehmensregeln vorgeben.

Die Aufregung wäre noch verständlich, würden sich alle jederzeit an diese Regeln halten und würde ein Staatsanwalt immer ermitteln, bestünde Verdacht auf die Überschreitung der Grenzen. Doch wer das behauptet, ist dumm oder blind. Egal ob Wagner-Festspiele, Fußball-Bundesliga, Robbie-Williams-Konzert oder Firmenjubiläum: Einladungen von Unternehmen gehören – und gehörten schon immer – zum Wirtschaftsleben dazu.

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