Wulff-Prozess

Was soll das?

Christian Wulff steht vor Gericht. Wegen 719,40 Euro. Ein unsinniger Prozess? Oder zwingend in einem Rechtsstaat? Ergötzen wir Deutschen uns an seinem Sturz oder ist Wulff selbst schuld? Fünf Redakteure, fünf Meinungen.
31 Kommentare

Wulff vor Gericht

Eine amerikanische Freundin sagte einmal zu mir, dass sie den Eindruck habe, dass die Deutschen dem Fall ihrer Prominenten lieber zuschauen als deren Aufstieg. Widersprochen habe ich ihr nie. Das etwas zynische „Bad News is good News“ gilt als alte Journalistenweisheit. Und so ist das immense Medienecho, das Christian Wulff sowohl damals als auch heute entgegenschlägt, eigentlich kaum verwunderlich.

Doch nur weil etwas nicht verwunderlich ist, ist es noch längst nicht angemessen. Inzwischen geht es noch um 719 Euro und 40 Cent. Die Titelseiten wird der Prozess jedoch weiterhin füllen. Auch bei dieser Summe. 22 Verhandlungstage, 46 Zeugen – der ein oder andere Journalist wird sich da die Hände reiben – das gibt viel her.

Kritik an der teils harschen Berichterstattung wird schnell abgebügelt. Denn ja, Christian Wulff sei zwar auch ein Mensch, aber eben einer, der mal Bundespräsident war. Da gelten andere Maßstäbe. Und ja, das Grundproblem Wulffs war sicherlich das mangelnde Bewusstsein für die „Würde seines Amtes“. Und dennoch sträube ich mich gegen diese doch recht einfache Argumentationskette. Denn wenn schon das Wort „Würde“ fällt, dann bitte auch im Kontext einer „würdevollen“ Berichterstattung. Schlagzeilen wie „Wer hat Angst vorm bösen Wulff?“ gehören meiner Meinung nach nicht dazu.

Wir als Journalisten erhalten nach der Hetzjagd zu Beginn der Affäre eine zweite Chance. Die Chance einen Prozess inhaltlich zu begleiten, der endlich zur Aufklärung beiträgt. Und am Ende mehr ist als nur die Inszenierung eines tiefen Falls. (Jessica Springfeld)

„Wulff kann sich nicht reinwaschen“
Seite 12345Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Wulff-Prozess - Was soll das?

31 Kommentare zu "Wulff-Prozess: Was soll das? "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Andere werden wegen 4,80 € = 2 x Beförderungserschleichung auf einer Kurzstrecke im ÖPNV zu 1 Monat Gefängnisstrafe verurteilt und kosten den Staat dann ca. 2700 € für die 30 Tage in der JVA, also was soll das Gezeter....

  • kann mir denn neimeand sagen, wer der staatsanwalt den befehl gegeben hat christian bis zum erbrechen zu verfolgen?

  • Zitat:"22 Verhandlungstage setzt ein deutscher Richter an, wegen lächerlichen 750 Euro, ...
    Naja, die Frau die wegen der Traube aus dem Müll entlassen wurde und geklagt hatte, hat auch nicht weniger Tage angesetzt bekommen und hat verloren. Wenn Mülltrauben nicht lächerlich sind, dann sind es 800€ garantiert nicht! Wulf war BP, da hat er sich für wirkliche kleingeistige Fälle nicht interesiert, jetzt glaubt er tatsächlich selbst betroffen zu sein.... Der ist wirklich unbelehrbar. Er wird den Schaden, den er Deutschland zugefügt hat, vermutlich niemals erkennen. Wie bei Al Capone freut man sich also über die Anklage wegen 800€, weil man nicht mehr machen kann.

  • Wer hat die Möglichkeit und die geeigneten Instrumente, mit denen einmal den Redakteuren und Reportern der verschiedenen Medien in die monetäre Trickkiste geschaut werden kann? Der möge dir umgehend tätig werden. Welche Anreizsummen wurden von wem gezahlt, damit die journalistische Jagd erfolgreich gestaltet werden kann. Auch hier können Zeugen produziert werden, die der Justiz später äusserst nützlich werden können und die Reputation der Medien damit absichern. Medien können vernichten, egal was es kostet!

  • "22 Verhandlungstage setzt ein deutscher Richter an, wegen lächerlichen 750 Euro, das ist nicht normal. Hier soll jemand vernichtet werden, wenn Möglich für immer."

    Falsch! Hier wurde bereits jemand vernichtet, für den es nur noch darum geht, die Scherben zusammenzufegen.

  • Es geht nicht um 719€ !

    Dieser Betrag wurde lediglich von einem Filmemacher "gesetzt" um für sich Vorteile zu verschaffen, deren Wert sicher höher anzusetzen ist, als die genannte 719 €.

  • Warum also diese Hetzjagt, auch in den Medien, was hat Wulf so schlimmes getan?
    Ähnlich wie Koch und Oettinger, zu Guttenberg hat er nicht gespurt und getan, was interessierte Kreise wollen.
    Es gibt Agenturen und Institutionen, die detektivisch Verfehlungen sammeln oder gar wie ein Fallensteller erzeugen und fast alle Politiker tappen hinein. Vereinigungen wir Atlantikbrücke und Andere sammeln und generieren schon bei jungen Politikern entsprechende Vorfälle.
    Wenn nicht geliefert wird, beginnt die Hetztjagt und es wird ausgepackt und aktuell noch einmal gründlich recherchiert. Die Finanzindustrie ist diesbezüglich bekanntermassen recht aktiv.
    Was also ist nicht geliefert worden? vielleicht liessen sich die genannten Personen nicht verführen Merkel zu entsorgen, denn das dies über Jahre massiv versucht wurde hat wohl jeder bemerkt. Alles Verschwörung, oder was? Verschwörungen haben sich in der Geschichte als derartig effizient erwiesen, das man davon nicht läßt. Weil so umfangreich mit diesem Instrument gearbeitet wird, stellt man schon das Wort "Verschwörung" so häufig als lächerlich da, doch das ist es nicht. So ist wohl dieses, in der Bundesrepublik in den letzten 10 Jahren beispiellos hochgepuschte Spiel mit dem Namen "Unbequeme Politiker entsorgen" gewaltig aufgedreht worden. Niemals wurden so viele Politiker teils wegen Kleinigkeiten abgesagt, wie in diesen letzten 10 Jahren. 22 Verhandlungstage setzt ein deutscher Richter an, wegen lächerlichen 750 Euro, das ist nicht normal. Hier soll jemand vernichtet werden, wenn Möglich für immer.

  • Dass auch eine "Freundschaftsgeste" über ca. 700 € bei einem Amtsträger keine Lapalie ist, dürfte unstreitig sein. Was aber die Medien aus dieser Sachlage im Vergleich zu den Millionen hinterzogenen Steuern des Herrn Hoeness gemacht haben, ist eine Sauerei. Oder hat sich die versammelte Journalie in etwa gleicher Dichte & Empörung mit diesem windigen Präsidenten beschäftigt. Man könnte angesichts des nationalen Schweigens von einer öffentlichen Rückenstärkung für diesen "smarten" Zeitgenossen sprechen, was mit Blick auf den ähnlichen Fall des Herrn Zumwinkel geradezu obzön zu nennen ist. Dabei hat dieser Präsident schon immer mit seinem ordinär prolligen Auftreten alle Ansprüche auf Seriosität verspielt. Dass dieser Steuerverbrecher aus Bayern agiert, darf wohl kaum ein Freibrief für seine Machenschaften sein.

  • Mit Erstaunen lese ich die Artikel und merke, dass wohl Journalisten ihr "Mobb-Verhalten" früherer Tage rechtfertigen müssen. Verhältnismäßigkeit ist auch eine Aufgabe für Staatsanwälte und Richter. Und es sei erlaubt zu sagen, dass nicht Herr Wulff den Prozess führt - ER ist der Angeklagte; er wehrt sich und das denke ich sehr zu Recht! Und wenn Herr Wulff von Anfang an für das Amt nicht geeignet gewesen sein soll, dann frage ich den Journalismus, WER bitte hat ihn in dieses Amt gehoben? War ER es, der vehement danach gestrebt hat? Wie vergessen ist diese Republik und wie "verlogen" dazu. Es schmerzt zu sehen, wie das Wort Anstand mehr und mehr öffentlich im Sinn entleert wird - auch Journalisten(oder die sich dafür halten) dürfen Anstand zeigen.

  • @ pro-D

    Möglicherweise haben Sie Ihren Nicknamen in Anlehnung an die faschisitische Rechtspartei Pro-D gewählt um damit Ihr Gedankengut leichter zuordnen zu können. Wenn man Ihre zurükcliegenden Beiträge liest erkennt man hier nur einen Schreiberling der beruflich und gesellschaftlich am unteren Rand der Gesellschaft vegetiert und in seiner ganzen Bedeutungslosigkeit von seinem Umfeld nicht wahr genommen wird. Hier in den Foren kann er dann seinen Frust abladen. Und was bietet sich besser an, andere für eigene Unzulänglichkeiten verantwortlich zu machen als Politiker.
    Es ist doch schön, das eine politisch motivierte Staatsanwaltschaft mehrere Tausend Akten mit einem enormen personellen Aufwand zusammenträgt um letztendlich bei einer Vorteilsannahme in Höhe von 719 Euro hängen zu bleiben. Dafür nimmt man ja gerne mittlerweile aufgelaufene 1,25 Mio Euro Steuergelder in die Hand. Dann stimmt die Relation ja wieder. Der Staat schlägt mit 1,25 Mio Euro Prozeßkosten zu um ein mögliches Fehlverhalten von 719 Euro zu bestrafen. Man fragt sich, wieviele anhängende Verfahren voreilig eingestellt wurden weil die Ermitlungsbehörden einen Herrn Wulff "den letzten Rest" geben wollen. Da reicht es eben nicht aus, dass er zurückgetreten ist, sein Privatleben ruiniert, er mit mehreren 100 000 Euro Anwaltskosten belastet ist und sein Ruf dauerhaft beschädigt ist. Nein der Mob (und dazu können Sie pro-D sich ebenso zählen wie einige andere hier) will ihn hängen sehen. Gut das wir in Deutschland soviele anständige Bürger wie die Schreiberlinge haben die sich am Fall Wulff ergötzen. Normal wäre es, wenn gegen die Staatsanwaltschaft Strafanzeige wegen wissentlicher Steuervergeudung gestellt würde

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%