Wulff-Prozess
Was soll das?

Christian Wulff steht vor Gericht. Wegen 719,40 Euro. Ein unsinniger Prozess? Oder zwingend in einem Rechtsstaat? Ergötzen wir Deutschen uns an seinem Sturz oder ist Wulff selbst schuld? Fünf Redakteure, fünf Meinungen.
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Eine amerikanische Freundin sagte einmal zu mir, dass sie den Eindruck habe, dass die Deutschen dem Fall ihrer Prominenten lieber zuschauen als deren Aufstieg. Widersprochen habe ich ihr nie. Das etwas zynische „Bad News is good News“ gilt als alte Journalistenweisheit. Und so ist das immense Medienecho, das Christian Wulff sowohl damals als auch heute entgegenschlägt, eigentlich kaum verwunderlich.

Doch nur weil etwas nicht verwunderlich ist, ist es noch längst nicht angemessen. Inzwischen geht es noch um 719 Euro und 40 Cent. Die Titelseiten wird der Prozess jedoch weiterhin füllen. Auch bei dieser Summe. 22 Verhandlungstage, 46 Zeugen – der ein oder andere Journalist wird sich da die Hände reiben – das gibt viel her.

Kritik an der teils harschen Berichterstattung wird schnell abgebügelt. Denn ja, Christian Wulff sei zwar auch ein Mensch, aber eben einer, der mal Bundespräsident war. Da gelten andere Maßstäbe. Und ja, das Grundproblem Wulffs war sicherlich das mangelnde Bewusstsein für die „Würde seines Amtes“. Und dennoch sträube ich mich gegen diese doch recht einfache Argumentationskette. Denn wenn schon das Wort „Würde“ fällt, dann bitte auch im Kontext einer „würdevollen“ Berichterstattung. Schlagzeilen wie „Wer hat Angst vorm bösen Wulff?“ gehören meiner Meinung nach nicht dazu.

Wir als Journalisten erhalten nach der Hetzjagd zu Beginn der Affäre eine zweite Chance. Die Chance einen Prozess inhaltlich zu begleiten, der endlich zur Aufklärung beiträgt. Und am Ende mehr ist als nur die Inszenierung eines tiefen Falls. (Jessica Springfeld)

Kommentare zu " Wulff-Prozess: Was soll das? "

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  • Andere werden wegen 4,80 € = 2 x Beförderungserschleichung auf einer Kurzstrecke im ÖPNV zu 1 Monat Gefängnisstrafe verurteilt und kosten den Staat dann ca. 2700 € für die 30 Tage in der JVA, also was soll das Gezeter....

  • kann mir denn neimeand sagen, wer der staatsanwalt den befehl gegeben hat christian bis zum erbrechen zu verfolgen?

  • Zitat:"22 Verhandlungstage setzt ein deutscher Richter an, wegen lächerlichen 750 Euro, ...
    Naja, die Frau die wegen der Traube aus dem Müll entlassen wurde und geklagt hatte, hat auch nicht weniger Tage angesetzt bekommen und hat verloren. Wenn Mülltrauben nicht lächerlich sind, dann sind es 800€ garantiert nicht! Wulf war BP, da hat er sich für wirkliche kleingeistige Fälle nicht interesiert, jetzt glaubt er tatsächlich selbst betroffen zu sein.... Der ist wirklich unbelehrbar. Er wird den Schaden, den er Deutschland zugefügt hat, vermutlich niemals erkennen. Wie bei Al Capone freut man sich also über die Anklage wegen 800€, weil man nicht mehr machen kann.

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