Yukos
Kommentar: Auktion als Farce

And the winner is ... Baikalfinancegroup. Eine vollkommen unbekannte, in der altehrwürdigen russischen Stadt Twer beheimatete Firma mit dem Namen des tiefsten Sees der Welt im Titel also hat nun einen der effizientesten russischen Ölförderer, die Yukos-Tochter Yuganskneftegaz (YNG), ersteigert. Nun wird gerätselt, wer hinter der Gruppe mit dem sibirischen Namen steckt, und immer werden genannt: der staatlich kontrollierte russische Gasgigant Gazprom oder der ebenfalls mit dem Kreml verbandelte Ölproduzent Surgutneftegaz.

Logisch wäre dies. Denn die gesamte Geschichte russischer Privatisierungsauktionen zeigt, dass am Ende immer der von vornherein gewünschte Sieger auch den Zuschlag erhält. Ins Rennen geschickt wurden dabei immer wieder unbekannte Invest-Vehikel. Der Kreml wäre zudem nicht mit aller Härte gegen Yukos vorgegangen, um dann ein Filetstück der russischen Industrie einem unbekannten Außenseiter zu überlassen.

Die wahrscheinlichste Variante ist, dass Gazprom einen Strohmann eingeschaltet hat. Gut möglich, dass die US-Gerichtsentscheidungen doch einen Druck auf Gazprom erzeugten, den der Gasgigant nicht ignorieren konnte. Die Verschleierung würde Gazprom zudem helfen, Zeit und damit das Geld zu gewinnen, das wegen des Ausfalls westlicher Banken nun anders zu beschaffen ist.

Zugleich hat Gazprom das Gesicht gewahrt, indem es trotz des US-Verbots an der Auktion öffentlich teilnahm, dann aber offiziell zunächst auf der Verliererbank landete. Dies wird sich aber ändern: Gazprom wird am Ende YNG bekommen. Sonst wäre die ganze Farce der Auktion am Sonntag mit einem wie ein livrierter Kammerdiener auftretenden Auktionator nicht aufgeführt worden.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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