Yukos und die Folgen
Partner in Abhängigkeit

Auf den ersten Blick passen die Nachrichten nicht zusammen: Bundeskanzler Gerhard Schröder will morgen in Moskau den deutsch-russischen Wirtschaftskontakten einen kräftigen Schub geben. Gleichzeitig bangen deutsche Banken um Kredite, die sie dem russischen Ölkonzern Yukos gegeben haben. „Wie eng kann eine ,strategische Partnerschaft’ sein, wenn ausländische Investoren und Gläubiger anscheinend um ihr Hab und Gut zittern müssen?“ fragen sich viele.

Doch der Widerspruch ist nicht so krass. Yukos ist ein Sonderfall und nicht typisch für den Umgang mit ausländischen Partnern. Das gilt nicht allein wegen der politischen Rivalität des früheren Yukos-Chefs Chodorkowskij zu Putin. Das Unternehmen handelt mit jenen sensiblen Gütern, die aus Sicht Moskaus den künftigen Großmachtstatus Russlands sichern sollen: Öl und Gas. Dass Moskau hier stärker mitreden will, hat Putin stets betont. Nun muss er allerdings beweisen, dass Yukos ein Einzelfall ist und Rechtssicherheit die Regel.

Aus deutscher Sicht ist es in jedem Fall richtig, die Stärkung der bilateralen Wirtschaftskontakte zur Chefsache zu machen. Denn längst ist die strategische Entscheidung gefallen, dass Deutschland und die EU Energie weniger aus dem instabilen Nahen Osten und mehr aus Russland beziehen wollen. Das schafft neue Abhängigkeiten.

Genau diese erfordern möglichst enge Kontakte. Denn je intensiver die Beziehungen sind, je stärker die Wirtschaften verflochten sind und je mehr Russland an die EU gebunden und in die WTO integriert wird, desto größer ist die Aussicht auf politische Stabilität. Und desto geringer ist die Gefahr, dass Russland irgendwann einmal den Gashahn schließt.

Deshalb muss der deutsch-russische Dialog kein unkritischer sein. Sicher muss Schröder auch bei diesem Besuch mahnen, dass eine strategische Partnerschaft Vertrauen und Rechtsstaatlichkeit erfordert. Und sicher sollte Schröder daran erinnern, dass eine stabile, liberale Demokratie das politische System ist, in dem eine Marktwirtschaft am besten funktioniert. Aber man sollte Russland gegenüber auf jede Überheblichkeit verzichten. Das ist das Erfolgsrezept im Umgang gerade mit diesem Land, das sich als Großmacht sieht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%