Zehn Prozent
Jubel und Frust bei der FDP

Die FDP ist der Überraschungssieger der Bundestagswahl. Wegen der Verluste der Union müssen die Liberalen voraussichtlich dennoch in die Opposition gehen.

HB BERLIN. Die Liberalen verbuchten am Sonntag ihr bestes Ergebnis seit der Wahl 1990 im Jahr der Wiedervereinigung und gewannen als einzige Partei neben der Linkspartei deutlich Wähler hinzu. Am späten Abend lag die FDP in Hochrechnungen bei zehn Prozent, einem Plus von 2,6 Punkten gegenüber der Wahl 2002. Da der Wunschpartner Union jedoch überraschend schlecht abschnitt und Stimmen verlor, war keine Mehrheit für eine schwarz-gelbe Koalition in Sicht.

Eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen schloss die FDP-Spitze ebenso aus wie eine "schwarze Ampel" mit Union und Grünen. Das würde bedeuten, dass die FDP die dritte Legislaturperiode in Folge Oppositionspartei bliebe. Parteichef Guido Westerwelle wurde in der Berliner FDP-Zentrale dennoch von Hunderten begeisterten Anhängern mit "Guido"-Rufen und minutenlangem Applaus gefeiert.

"Die FDP ist angetreten, Rot-Grün abzulösen. Das heißt, dass sowohl Rot als auch Grün nicht an einer Regierung mit der FDP beteiligt sein werden", sagte Generalsekretär Dirk Niebel der Nachrichtenagentur Reuters. Auch Westerwelle lehnte eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen wiederholt kategorisch ab. Auch eine schwarze Ampelkoalition wäre den Hochrechnungen zufolge rechnerisch möglich.

"Gewonnen und doch verloren"

Parteichef Westerwelle, der in der Vergangenheit unter anderem wegen des so genannten Spaßwahlkampfes der Liberalen 2002 unter Druck geraten war, geht aus der Wahl am Sonntag gestärkt hervor. "Das ist ein Superergebnis, das beste seit der Wiedervereinigung", sagte Niebel auf die Frage nach Auswirkungen der Wahl auf Westerwelles Position. 2002 hatte die FDP 7,4 Prozent erreicht. In den vergangenen Monaten hatten die Liberalen im Gegensatz zu 2002 auf einen von Sachthemen bestimmten Wahlkampf und alt gediente Politiker wie Fraktionschef Wolfgang Gerhardt und den Finanzexperten Hermann Otto Solms gesetzt.

Die Stimmung in der FDP-Zentrale schwankte nach der Veröffentlichung der ersten Hochrechnungen zwischen Jubel über das unerwartet hohe Ergebnis und Frust über die vermutlich wegen der Schwäche der Union verpasste Regierungsmehrheit. "Wir haben die Wahl gewonnen und haben sie doch verloren", sagte ein Bundestagsabgeordneter. Ein FDP-Anhänger erklärte: "Achteinhalb Prozent und eine Regierungsbeteiligung wäre besser gewesen." Nach den Hochrechnungen vom Sonntagabend wäre die FDP drittstärkste Kraft im Parlament und im Falle einer großen Koalition größte Oppositionspartei.

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