Zertifikate: Über das Ziel hinaus

Zertifikate
Über das Ziel hinaus

Wo im Finanzbereich im Moment die Musik spielt, weiß die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) ganz genau. Deshalb hat sie im diesjährigen Schwarzbuch Börse sicher nicht zufällig den Zertifikatemarkt zum Thema gemacht.

In einer Art Generalabrechnung kommen die Anlegerschützer zu dem Ergebnis, dass der junge Markt in erster Linie durch Intransparenz besticht und der Anleger dem Wirken der Banken scheinbar machtlos ausgesetzt ist. Helfen soll deshalb der Staat, indem er gesetzliche Regeln für den Zertifikatemarkt schafft. Mit dieser Forderung schießt die SdK aber deutlich über das Ziel hinaus. Sicher, am Zertifikatemarkt gibt es Missstände: Die Preise und Gebühren sind intransparent, für Anleger schwer nachvollziehbar und lassen den Banken die Chance, hohe Margen zu erzielen. Auch die Konstruktion der Produkte ist oft hochkompliziert, und die tatsächlichen Renditechancen liegen in vielen Fällen unter denen von direkten Investitionen in den Aktienmarkt. Doch die Banken selbst haben gezeigt, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt haben. Getrieben vom Wettbewerb, haben sie in Sachen Transparenz bereits deutliche Fortschritte gemacht. Der Derivate-Kodex, den neun Emittenten im vergangenen Jahr veröffentlichten, ist zwar keine Revolution. Er zeigt aber, dass sich die Banken Gedanken machen. Und das ist ermutigend.

Zudem stellt sich die Frage, ob eine gesetzliche Regulierung den Anlegern wirklich hilft. Sie kaufen Derivate, weil sie ihrem Chance-Risiko-Profil am besten entgegenkommen. Bei vielen Papieren weiß der Investor im Vorfeld, wie hoch sein Ertrag unter fixen Bedingungen sein wird. Und er weiß, dass er dank des Einsatzes von Optionen in vielen Fällen attraktive Sicherheitspolster erhält. Wie die Konstruktion im Einzelnen aussieht, ist für ihn zweitrangig. Hauptsache, die Rendite stimmt.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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