ZEW-Indikator
Kommentar: Stimmung ist nicht gleich Wachstum

Alles andere als ein weiterer Anstieg des ZEW-Indikators für die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten im April wäre eine große Überraschung gewesen. Schließlich sind viele harte Konjunkturdaten derzeit erfreulich, die Wachstumsaussichten insbesondere der deutschen Industrie – siehe Hannover Messe – hervorragend und auch die Verbraucher wieder zuversichtlicher als nach dem ersten Mehrwertsteuerschock.

Dies und die auch vom ausgefallenen Winter begünstigte deutliche Besserung am Arbeitsmarkt überlagern die unverändert berechtigten Sorgen, dass weiter steigende Zinsen, die Aufwertung des Euros und eine immer noch nicht auszuschließende starke Abschwächung der US-Konjunktur die deutsche Wirtschaftsentwicklung mittelfristig bremsen könnten. Weitere Unbekannte, die Risiken bergen, sind die Entwicklung der Energiepreise und die laufenden Tarifverhandlungen.

Schon deshalb sollte das augenblickliche Stimmungshoch nicht in unkontrollierte Euphorie ausarten. Stimmung ist nicht mit tatsächlichem Wachstum gleichzusetzen. Klar ist bisher lediglich, dass die deutsche Konjunktur durch die Steuererhöhung und anderen fiskalischen Belastungen der Bürger seit Jahresbeginn weitaus weniger in Mitleidenschaft gezogen wurde, als im Vorfeld befürchtet worden war. Bisher geben die Konjunkturdaten lediglich zu erkennen, dass es im ersten Quartal zu keinem dramatischen Wachstumseinbruch kam.

Klarheit wird erst die Schnellschätzung des Statistischen Bundesamtes schaffen, die am 15. Mai veröffentlicht wird. Bremseffekte sind nach den bisher vorliegenden Zahlen für Januar und Februar sowohl vom privaten Konsum als auch vom Außenhandel zu erwarten. Ob Staatskonsum, die Investitionen und die Auffüllung der Ende 2006 stark geleerten Lager dies mehr als ausgleichen können, bleibt abzuwarten.

Die derzeitige Euphorie ist vor allem vor dem Hintergrund zu sehen, dass noch zu Jahresbeginn die wenigsten Prognostiker ein Wirtschaftswachstum von zwei und mehr Prozent in diesem Jahr für möglich gehalten haben. Dass die Prognosen inzwischen vielfach aufwärts revidiert wurden, hat zwei Gründe: Zum einen sind die Wachstumsaussichten auch seitens der Weltwirtschaft besser als bislang gedacht, zum anderen ist die deutsche Wirtschaft nach den vom Statistischen Bundesamt im Februar korrigierten Zahlen mit einem sehr hohen Überhang ins neue Jahr gestartet, der per se schon ein Wachstum von mehr als einem Prozent garantiert.

Auch vor diesem Hintergrund sollte aber nicht in Vergessenheit geraten, dass das Wirtschaftswachstum ohne Steueranhebung in diesem Jahr wesentlich höher sein könnte. Den Bremseffekt schätzen die Ökonomen auf 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte. Diese Delle können auch noch so hervorragende Stimmungsindikatoren nicht einfach wegradieren.

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