Zinserhöhung
Die alte Dame prescht vor

Mit der Anhebung um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent hat die Bank von England am Donnerstag die Leitzinsen im Königreich zum ersten Mal seit fast vier Jahren erhöht. Die „Old Lady“ genannte Zentralbank läutet damit einen neuen Zyklus steigender Zinsen ein, der sich wohl langsam über die ganze Welt ausbreiten wird.

Die Wende ist da. Mit der Anhebung um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent hat die Bank von England am Donnerstag die Leitzinsen im Königreich zum ersten Mal seit fast vier Jahren erhöht. Die „Old Lady“ genannte Zentralbank läutet damit einen neuen Zyklus steigender Zinsen ein, der sich langsam, aber sicher über die ganze Welt ausbreiten wird.

Denn in diesem Herbst haben sich die Rahmendaten in den wichtigsten Wirtschaftsregionen deutlich verbessert. Die USA vermelden ein sensationelles Quartalswachstum von mehr als sieben Prozent. Japan wächst offiziellen Statistiken zufolge mindestens doppelt so stark wie erwartet, China boomt ohnehin. In der Europäischen Union gibt es auch unter den chronisch wachstumsschwachen Mitgliedern vermehrte Anzeichen für eine beginnende Belebung. Der neue EZB-Chef Jean-Claude Trichet begründete damit den Verzicht auf weitere Zinssenkungen.

Überschwängliche Freude mag sich freilich nirgends ausbreiten. Noch können zu viele Risiken die Nachhaltigkeit eines weltwirtschaftlichen Aufschwungs verhindern. Auch Trichet hat sie in verklausulierter Form angesprochen. Das amerikanische Doppeldefizit in Leistungsbilanz und US-Staatshaushalt kann das Wachstum der Weltwirtschaft beeinträchtigen. Sollte das geschehen, würde der festere Euro-Kurs zu einer großen Belastung für Europa. Und die offiziellen Statistiken in Japan werden wegen ihres möglicherweise hohen Phantasiegehalts noch angezweifelt.

Auch in Großbritannien sind die Gefahren mit Händen zu greifen. Hier hat sich eine Nation der Hausbesitzer bis über beide Ohren verschuldet, um einen beeindruckenden Konsum zu finanzieren. Durch die sehr flexiblen Hypothekenkredite könnte jede (weitere) Zinserhöhung der Bank von England das Wachstum abrupt wieder abwürgen.

Deshalb sollten die Zentralbanken sich vorsichtig verhalten. Wegen des fragilen Zustands der Konjunktur spricht nichts dafür, dass andere rasch dem britischen Beispiel folgen. Manche Ökonomen erwarten erst ab dem zweiten Halbjahr 2004 weitere Aktivitäten. Auch auf der Insel bleibt die alte Dame vorsichtig. Allerdings, und das ist die gute Nachricht des gestrigen Tages, sind die Anzeichen für eine Besserung erkennbar. Der Aufschwung ist zerbrechlich. Doch die Wende ist da.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%