Zuschauer küren Kanzler zum Sieger
08.September: Spitzenkandidaten im TV-Duell

Am Schlusswort von Angela Merkel kann es nicht liegen. Das ist erfolgserprobt. Bei ihrer Stimmabgabe am 18. September mögen sich die Wähler doch von einigen Überlegungen leiten lassen, bittet die CDU-Chefin die 21 Millionen Zuschauer des Fernsehduells mit Amtsinhaber Gerhard Schröder (SPD): "Geht es unserem Land heute besser als vor sieben Jahren, als Rot-Grün antrat? Ist das Wachstum höher? Ist die Arbeitslosigkeit niedriger?"

Ein starker Abgang. Mit ähnlichen Fragen hat Ronald Reagan vor 25 Jahren US-Präsident Jimmy Carter aus dem Amt gejagt.

Die Argumentation der Herausforderin überzeugt auch die Experten. "Bei den Inhalten war Merkel mindestens gleichauf mit dem Kanzler", urteilt der Mainzer Parteienforscher Jürgen Falter. Professionelle Kollegen sehen es ähnlich. Doch die Zuschauer fällen ein anderes Urteil: 49 Prozent finden den Kanzler überzeugender, nur 33 Prozent Merkel. Wenige Tage später erhält Schröder sogar von denjenigen, die das TV-Duell gar nicht gesehen haben, viermal bessere Noten als seine Kontrahentin. Die öffentliche Stimmung scheint zu kippen: Plötzlich hat Schwarz-Gelb bei Umfragen keine Mehrheit mehr. Unabhängige Beobachter glauben, das TV-Duell könne einen "turning point" im Wahlkampf darstellen.

Ein Phänomen. Das unterschiedliche Urteil von Normalbürgern und Experten lässt sich am ehesten mit der Erwartungshaltung erklären: Die Profis finden die oftmals unsichere Merkel im Duell mit dem begnadeten Kameradompteur Schröder besser als erwartet. Die Wähler urteilen absolut. Bei ihnen punktet der souveräne Staatsmann ("Ich weiß, wo ich herkomme") gegen die lächelnde Musterschülerin, der bisweilen die Gesichtszüge entgleiten. Vor allem aber kommt Schröders Polemik gegen Paul Kirchhof gut an: Mit einem Mal schließt die SPD bei der Steuerkompetenz zur Union auf.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%