Zypern
Außenseiter

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Dimitris Christofias, ein Kommunist, regiert im EU-Staat Zypern – da muss man erst einmal schlucken. Zumal die Präsidialverfassung der Inselrepublik dem Staatschef eine ungewöhnliche Machtfülle gibt. Er ist parlamentarischer Kontrolle weitgehend entzogen, kann schalten und walten, wie er will. Das tat schon sein Amtsvorgänger Tassos Papadopoulos – und hinterließ einen Scherbenhaufen: Der nationalistische Hardliner torpedierte die Bemühungen um eine Wiedervereinigung der Insel. Die beiden Volksgruppen lebten sich immer weiter auseinander. Mit seinem Nein zum Vereinigungsplan des damaligen Uno-Generalsekretärs Kofi Annan isolierte Papadopoulos 2004 sein Land in der EU.

Viele in Brüssel dürften deshalb erleichtert sein, dass die Ära Papadopoulos zu Ende geht. Aber was die Ära Christofias bringen wird, ist ungewiss. Der neue Präsident hat versprochen, auf eine Wiedervereinigung der geteilten Insel hinzuarbeiten. Gelänge ihm das, könnte ein Krisenherd in Südosteuropa beseitigt werden. Darauf hofft auch Ankara, denn die ungelöste Zypernfrage gehört zu den größten Hürden der Türkei auf dem Weg in die EU. Aber kann Christofias den gordischen Zypern-Knoten entwirren? Zweifel sind schon deshalb angebracht, weil der neue Präsident über keinerlei praktische Regierungserfahrung verfügt. Fragezeichen schweben auch über seinem außen- und wirtschaftspolitischen Kurs. Der eher biedere Christofias, der in Moskau ausgebildet wurde, mag zwar nicht der „Castro des Mittelmeers“ sein, als den ihn seine Gegner hinstellen. Aber er vertritt eine etatistische Ordnungspolitik, die mit den Prinzipien der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion unvereinbar ist. An Zyperns Rolle als EU-Außenseiter dürfte sich deshalb so schnell nichts ändern.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

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