Morning Briefing
Die ersten Bitcoin-Milliardäre

Die Winklevoss-Brüder haben sich von ihrem Facebook-Trauma befreit, Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger steht unter Druck, und aus der Machtteilung innerhalb der CSU wird keine neue Stärke erwachsen. Was heute noch wichtig ist.

DüsseldorfGuten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

aus der Zweiteilung der Macht wird keine neue Stärke für die CSU erwachsen. Erwin Huber und Günther Beckstein wissen, was hier gemeint ist. Doppelspitzen neigen dazu, stumpf zu sein.

Wenn Horst Seehofer – künftig nur noch Parteichef – und Markus Söder – bald bayerischer Ministerpräsident – dennoch eine Doppelspitze bilden werden, dann deshalb, weil keiner die Kraft besaß, den anderen niederzuringen. Erschöpft vom monatelangen Gerangel gelobten gestern beide faire Zusammenarbeit. Darin eben besteht die Kunst des parteipolitischen Machtkampfes. Man umarmt den anderen so lange, bis dem die Puste ausgeht. Wer heute Morgen das Fenster öffnet und in Richtung Süden lauscht, kann hören, wie Seehofer bereits nach Luft schnappt.

Nur selten ergreift Ulrich Lehner öffentlich das Wort. Doch dem Multiaufsichtsrat (Telekom, Eon, Porsche, Henkel, Thyssen-Krupp) blieb gestern keine andere Wahl. Er musste Thyssen-Krupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger zur Seite springen, der in Bedrängnis geraten ist.

Mehrere große Investoren äußern Zweifel, ob Hiesingers Sanierungskurs jemals Früchte tragen wird. Lars Förberg, Gründer der Firma Cevian und zweitgrößter Thyssen-Krupp-Anteilseigner, fordert bereits eine Aufspaltung. Diesem Ansinnen erteilt Lehner eine Absage: „Eine Zerschlagung des Konzerns ist überhaupt kein Thema“, sagte er dem Handelsblatt. Er rät zu Geduld.

Doch Geduld darf kein anderes Wort für Starrsinn sein. Der wahre Gegner von Hiesinger und Lehner ist kein aufmüpfiger Investor, sondern die widrige Wirklichkeit. Oder um es mit Henry Ford zu sagen: „Einen Ruf erwirbt man sich nicht mit Dingen, die man erst tun wird.“

Ex-FBI-Chef Mueller wurde im Mai als Sonderermittler eingesetzt, um zu untersuchen, ob es während des US-Wahlkampfs Absprachen zwischen dem Trump-Team und Russland gab. Trumps Gegner vermuten Belege dafür in den Büchern der Deutschen Bank, denn der US-Präsident ist dort Kunde. Deshalb hatte Mueller die Deutsche Bank verpflichtet, ihre Geldgeschäfte mit dem Trump-Clan offenzulegen. Die zentralen Unterlagen sind Handelsblatt-Informationen zufolge bereits bei Mueller eingegangen. Wer wirklich wissen will, wie es für Trump weitergeht, sollte heute nicht die „Washington Post“ lesen, sondern bei Bankchef John Cryan in Frankfurt anrufen. Er ist der dritte Mann.

Der neue Chef der Eurogruppe heißt Mário Centeno und war zuvor Finanzminister in Portugal. Die Berufung ist für den promovierten Ökonomen die Krönung einer fragwürdigen Karriere. 2013, vor seinem Wechsel in die Politik, arbeitete Centeno bei der portugiesischen Zentralbank als stellvertretender Direktor der Abteilung für Wirtschaftsstudien. Als er sich nach neun Jahren auf die Direktorenstelle bewarb, stoppte die Bank das Auswahlverfahren, ihm fehlten „die nötigen Qualifikationen“. Nun wird der Mann zuständig für die Koordinierung der europäischen Wirtschaftspolitik und die Ausarbeitung milliardenschwerer Rettungsprogramme. Merkel hat zugestimmt. Die griechische Linksregierung kann ihr Glück kaum fassen: Ouzo für alle.

Kennen Sie die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss? Die beiden studierten einst mit Mark Zuckerberg und verklagten den Facebook-Gründer später wegen Ideenklaus. Ergebnis: Das Gericht sprach ihnen 65 Millionen Dollar zu. Heute gehören die Brüder zu den großen Befürwortern und Händlern der Kryptowährung Bitcoin. Laut Recherchen des britischen „Telegraph" sind die beiden mittlerweile Bitcoin-Milliardäre. Jeder Hype bringt seine Helden hervor. Allerdings folgt jedem Hype der Crash. Und dann wechselt das Vorzeichen. Wir erinnern uns an die Abstiegsgeschichten von Thomas Middelhoff, Peter Kabel, Paulus Neef und Steve Case. Von toll auf tragisch. Wir sollten daher mit unserem Neid sparsam sein.

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Start in den neuen Tag. Herzlich grüßt Sie Ihr

Gabor Steingart
Herausgeber

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%