Morning Briefing 12. April Die Hells-Angels-Logik des Donald Trump

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
was einmal große Politik war, ist nun ganz einfach kindliche Freude an Drohung und Revierkampf. Wer hat den mächtigeren Atomknopf? Das war vor drei Monaten die Frage im Konflikt zwischen den USA und Nordkorea. Wer hat die schöneren Raketen? Das ist nun die Frage im Streit zwischen den USA und Russland/Syrien/Iran. Über Twitter, seinem persönlichen CNN, lässt Donald Trump alle Welt am Imponier-Wettstreit teilhaben und preist sein Arsenal („smart“). Seinen Militärschlag jedenfalls droht der US-Leader in der Sprache der Hells Angels an: „Mach dich bereit, Russland, Du solltest nicht ein Tier zum Partner haben, das mit Gas tötet.“

Quelle: Reuters
Angesichts anhaltender Proteste in Frankreich stellt sich Präsident Emmanuel Macron einem großen Fernseh-Interview.

Der Hintergrund des mutmaßlichen Giftgasangriffs auf die syrische Stadt Duma in Ost-Ghouta mag genauso wenig aufgeklärt sein wie die Nervengift-Attacke von Salisbury – der Mobilisierung der Westmächte tut das keinen Abbruch. Es gilt die Wahrheit des Reiz-Reaktion-Schemas. Mobilisiert ist auch die britische Premierministerin Theresa May, die Trump beim Raketenschlag unterstützen will. Und in Frankreich tritt der eigentlich wenig TV-affine Staatspräsident Emmanuel Macron an diesem Donnerstag erneut im Fernsehen auf, wenige Tage nach seinem letzten Besuch im TV-Studio. Vermutlich wird sein Volk danach weniger über die nervenden Dauerstreiks gegen die Regierungspolitik reden als vielmehr über den Bellizismus des Sozialliberalen. Womöglich dirigiert der belfernde Trump also bald eine eindrucksvollere Koalition der Willigen als George W. Bush vor dem Irak-Krieg. Kluge erinnern sich an Albert Einstein: „Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“

Quelle: dpa
Wolfsburg ist der Hauptsitz des Volkswagen Konzerns.

Der oberste Geschichtenlieferant der Republik, Volkswagen, mag die Deutungshoheit in eigener Sache verloren haben – es bleibt aber die Kontrolle über den Terminkalender. Und so zieht der Aufsichtsrat seine Studierzimmer-Vorbereitungen des bevorstehenden Konzernumbaus einfach um einen Tag vor. Bereits heute Nachmittag, nicht wie gedacht am Freitag, werden die Räte dem bisherigen Markenvorstand Herbert Diess den Führerschein für den gesamten Weltkonzern ausstellen. Man wird bis spät in die Nacht tagen, und dann, vielleicht zu Mitternacht, eine offizielle Mitteilung über den Machtwechsel herausgeben. Das Wolfsburger Wochenende bleibt intrigenfrei.

München, die heimliche Hauptstadt der Wirtschaft, hat nach dem ganz und gar nicht telegenen Abgang von Pro Sieben Sat 1 aus dem Dax eine neue Chance auf Ersatz. Es handelt sich dabei um die Schwergewichtshoffnung VW Truck & Bus (Scania, MAN), die für den geplanten Börsengang eigens aus dem welfischen Braunschweig in die Süd-Metropole wechseln will. VW-Spartenvorstand Andreas Renschler treibt das Projekt voran. Ihn erwarten an der Isar mehr Unabhängigkeit und mehr bullige Kapitalkraft für das 24-Milliarden-Unternehmen. Die Trucker-Station wird am Freitag in eine AG umgewandelt, schreiben meine Kollegen.

Quelle: APN
Gerd Häusler tritt am Donnerstag als Aufsichtsratschef der BayernLB ab.
(Foto: APN)

Er ist eine Institution des deutschen Finanzwesens, fast 50 Jahre dabei, Berufsstart 1970 als Lehrling bei der Deutschen Bank. An diesem Donnerstag nun feiert Gerd Häusler, 66, Abschied: Er hört als Aufsichtsratschef der öffentlichen BayernLB auf. Im Good-Bye-Interview mit dem Handelsblatt klingt er ganz wie der demissionierte Deutschbanker John Cryan bei dessen CEO-Start: „In der Breite bekommen Banker zu viel bezahlt“, sagt Häusler. Die Branche werde auch in den nächsten Jahren ihre Kapitalkosten nicht verdienen. Dem Ex-Bundesbanker und IWF-Manager bleibt wenigstens das Andenken, die einstige Münchener Krisenbank wieder auf den Pfad der ökonomischen Tugend geführt zu haben.

Seit Langem vergibt die Schwedische Akademie in Stockholm den Literaturnobelpreis. Nun jedoch spielt sich in der Institution selbst ein Drama ab, das besten Romanstoff bietet und sogar Schwedens König Carl Gustaf ein Machtwort sprechen lässt. Tenor: Vertragt Euch endlich! Vorausgegangen war der wutentbrannte Abgang dreier Akademiemitglieder. Sie glauben, Sexskandale und andere Verfehlungen seitens des Ehemanns von Akademiemitglied Katarina Frostensen seien nicht aufgeklärt worden. Statt nominell 18 Mitglieder hat die Akademie derzeit nur noch 13. Vielleicht denkt die Schwedenrunde einfach mal über eine Erkenntnis ihres letzten Preisträgers Kazuo Ishiguro nach – danach entstammten viele unserer tiefsten Beweggründe nicht der Logik der Erwachsenenwelt, sondern hätten mit etwas zu tun, das von Kindheit an eingefroren ist.

Ich wünsche Ihnen einen harmonischen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor

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