Morning Briefing 15. Januar Die Sinnsucher der SPD

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
die Herausforderung ist groß, die Antwort klein: Das Sondierungsergebnis von CDU, CSU und SPD kommt als Verwaltungspapier daher, nicht als Gestaltungspapier. Zu wenig insgesamt für die neue Zeit mit Digitalisierung, Klimakatastrophe, Generationenfrage. Allenfalls für eine Europapolitik mit Frankreich taugt es als Anfang. So nährt dieser gemeinsame Nenner auch bei vielen Unternehmern die Zweifel, ob das wohl gut gehen kann mit der dritten Staffel der Serie „Die Große Koalition“ unter Regie Angela Merkels. „Zwischen Hochmut und Demut steht ein drittes, dem das Leben gehört, und das ist der Mut“, wusste der gelernte Apotheker und Journalist Theodor Fontane.

Quelle: AFP
Martin Schulz: Der Parteichef soll zeigen, dass die SPD ein verlässlicher Koalitionspartner sein kann.

Diese Woche wird beherrscht werden vom sozialdemokratischen Sinnsucher Martin Schulz. Der SPD-Chef, der partout nie Merkel-Minister werden wollte, muss seine Genossen bis zum Parteitag am Sonntag von etwas überzeugen, mit dem er selbst hadert: „Das sind am Ende immer Kompromisse, die man eingehen muss.“ Aus dem einstigen Kämpfer mit Proletarier-Gestus wurde ein tapsiger Conferencier der Macht, der Forderungen nach „Nachbesserungen“ auf allen SPD-Ebenen geradezu provoziert hat. Was wiederum Alexander Dobrindt, den Warm-Upper der CSU, nervt: „Martin Schulz muss jetzt zeigen, dass die SPD ein verlässlicher Koalitionspartner sein kann und er den Zwergenaufstand in den Griff bekommt.“

Als Argumentationshilfe für die vermuteten SPD-Schlümpfe mag eine Studie des Finanzwissenschaftlers Frank Hechtner von der TU Kaiserslautern dienen, die wir heute im Handelsblatt präsentieren. Danach würde durch die Maßnahmen im Sondierungspapier beispielsweise ein Alleinstehender mit 850 Euro Monatsverdienst um immerhin 339 Euro im Jahr entlastet. Union und SPD wollen den Arbeitslosenbeitrag um 0,3 Prozentpunkte reduzieren und das Gesundheitssystem wieder zu gleichen Teilen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanzieren lassen.

Quelle: AP
Chevrolet Pick-up: Auf der Detroit Auto Show zeigen Hersteller ihre neuen Modelle.

Die Schizophrenie der Autoindustrie wird an diesem Montag wieder auf der Detroit Motor Show zu spüren sein. Sie berauschen sich in den Chefetagen an Zukunftsskizzen mit umweltfreundlichen und selbstfahrenden Autos, und leben ökonomisch doch von SUVs und Pick-ups. Auch 2018 werden - wie 2017 - diese Spritschlucker in den USA die Verkaufs-Champions bleiben. Für die deutschen Hersteller Mercedes, BMW und VW ist der US-Markt ein schwieriges Terrain, auf dem sie mit ihrer Dieselmania verunglückten. 700.000 Besucher werden in Detroit erwartet.

Quelle: AP
Mitt Romney: Der Republikaner erwägt eine Senatskandidatur für den US-Bundesstaat Utah.

Es brodelt im Lager der Republikaner in den USA. Mitt Romney, einst ihr Präsidentschaftskandidat 2012, hat intern angekündigt, für den Senatorenposten des Mormonenstaats Utah zu kandieren. Der Multimillionär, einst mit der Gründung der Private-Equity-Firma Bain Capital reich geworden, könnte sogar Sprecher des Senats in Washington werden. Genau eine solche Karriere hat US-Präsident Donald Trump verhindern wollen; immerhin nannte Romney ihn einst „Betrüger“. Aber der bisherige Senator von Utah, Orrin G. Hatch, 83, wollte aus Altersgründen einfach nicht mehr.

Quelle: Reuters
Ryanair: Reisen mit Billigfliegern kann günstig sein - doch nur, wenn man mit wenig Gepäck reist.

Trolleygate bei Ryanair: Wer heute mit der Fluggesellschaft verreist, kann den Rollkoffer nicht mehr mit in die Kabine nehmen - es sei denn, er bezahlt mindestens fünf Euro Aufpreis für „Priority Boarding“. Immerhin sinkt der Preis fürs aufgegebene Gepäck. Die neue Firmenpolitik soll ein schnelleres Boarding gewährleisten und könnte leicht als Vorbild für andere Airlines dienen. Denn auch hier gehört der Kampf der Rimowa-Trolleys ums Gepäckfach zu den Problemen des Alltags.

Ich wünsche Ihnen einen stressfreien Start in die Woche. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor

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