Morning Briefing 16. April Von Sanktion zu Sanktion in Syrien

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
mit der Syrien-Krise drehte die alte Woche bei und die neue Woche auf. An diesem Montag stellt US-Finanzminister Steven Mnuchin neue Sanktionen gegen Russland vor, diesmal gegen Firmen, die Baschar al-Assads Chemiewaffenproduktion unterstützen. Wladimir Putin dagegen warnt vor Chaos und sieht die UN-Charta durch den jüngsten Anti-Syrien-Militärschlag von USA, Frankreich und Großbritannien verletzt.

Quelle: dpa
Bashar al-Assad ist seit 2000 der Staatspräsident Syriens.

Syrien wird zum Schlachtfeld eines Jeder-gegen-jeden-Kriegs, und die Außenminister der EU wollen dabei heute in Luxemburg herausfinden, ob sie hier irgendwo Frieden stiften können, unter besonderer Anstrengung von Frankreich. Die Weltgeschichte wird – frei nach Bertrand Russell – erneut die Summe dessen sein, was vermeidbar gewesen wäre.

Quelle: AP
Der frühere FBI-Chef vergleicht Trump in seinem neuen Buch mit einem Mafia-Boss.

Wenig Erfreuliches gab es lange Zeit über den Buchmarkt zu berichten: weniger Leser, Auflagenprobleme, hohe Preise. Was hier hilft, ist erkennbar ein Donald-Trump-Effekt. Hatte schon Autor Michael Wolff mit seinem „Fire-and-Fury“-Epos gigantischen Erfolg, so dürfte auch das am Dienstag erscheinende Werk des Ex-FBI-Chefs James Comey („A Higher Loyalty“) große Resonanz erfahren. Dem Ex-Staatsanwalt, der gestern Abend bei ABC im US-Fernsehen auspackte, kommt der US-Präsident wie ein Mafia-Pate vor. Irgendwann wird dann Don Trump, der schon Schlüsselwerke wie „The Art of the Deal“ vorgelegt hat, seine eigene Sicht der Dinge publizieren und mit „I, Donald“ oder so ähnlich die Buchbranche endgültig glücklich machen.

Quelle: dpa
Die großen US-Digitalkonzerne wie Google, Facebook & Co sollen in Zukunft effektiv besteuert werden.

Der Informationskrieg hat in diesen Tagen viele Gesichter und geht entweder Wirtschafts- oder Waffenkonflikten voraus. Die US-Regierung wendet sich nun scharf gegen den Plan der EU, die großen amerikanischen Digitalkonzerne wie Google oder Facebook (Steuerminimalisten der gröberen Art) künftig effektiv zu besteuern. Notfalls wolle man vor der Welthandelsorganisation WTO klagen, sagten US-Vertreter bei Treffen mit der OECD – so schildert es unsere Titelgeschichte. Die Europäer wiederum hatten zuvor laut gefragt, ob die US-Steuerreform mit dem deutlichen Absenken von Steuersätzen wohl rechtens sei. Die Kunst, Steuern einzunehmen, beruht noch immer darauf, die Gans zu rupfen, ohne dass sie schreit.

Mit der Großen Koalition bleibt der Bundesrepublik auch der interne Regierungskonflikt über Glyphosat erhalten. Die aus den Weinbergen von Rheinland-Pfalz nach Berlin eingewechselte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zeigt sich öffentlich skeptisch, ob ein Verbot des Agrarchemiemittels vor dem EU-Recht Bestand haben würde. Durch alternative Forschung solle Glyphosat vielmehr überflüssig gemacht werden, sagt Klöckner. Genau dafür, für ein Verbot, aber tritt Umweltkollegin Svenja Schulze (SPD) an – mit Verweis auf Umweltschützer. Die fordern seit Langem im Kampf für Artenvielfalt ein politisches Eintreten gegen Glyphosat.

Quelle: dpa
Volkswagen ließ dem Zulieferer Prevent eine ungewöhnliche Spezialbehandlung zukommen.

Von Volkswagen ist der politisch interessierte Zeitgenosse derzeit einiges gewohnt. Nun stellt sich heraus, dass der Autokonzern nicht nur Affären rund um Sexdienste, Abgasmanipulation und Affen hatte, sondern auch einem Zulieferer eine ungewöhnliche Spezialbehandlung zukommen ließ. Die Wolfsburger ordneten einfach an, Top-Leute des unliebsamen Lieferanten Prevent aus der bosnischen Familie Hastor auszuspionieren. Die beiden Parteien liegen in einem heftigen Rechtsstreit, nachdem VW den einstigen Vertrag gekündigt hat. Offenbar hatte sich der Autokonzern nach einem Streit um Leistungen und einem darauf folgenden Streik rechtzeitig insgeheim Ersatz für Prevent geschaffen. Die Ausgebooteten zeigen sich „zutiefst schockiert“ vom Einsatz der Detektive.

Rund tausend Gäste, darunter 200 Kinder, inspizierten am Samstag die neue Zentrale der Handelsblatt Media Group im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort. Sie schauten beim „Family & Friends Day“ von der Dachterrasse über Dächer und Bahngleise, redeten in der 600 Quadratmeter großen „Debate Hall“ oder setzten sich in bunte Konferenzräume. Erlebbar wurde, so der Tenor, ein Bau der digitalen Zeit, so offen wie modern, so kommunikativ wie einladend. Gute Architektur macht guten Journalismus leichter.

Heute möchte ich Sie, kurz vor Ende, nach Ihrem spontanen Eindruck zu diesem Morning Briefing fragen. Sagen Sie: „Irgendwas war heute anders, ich komme nicht darauf, was es ist.“ Oder glauben Sie: „Wow, das ist ja mal ein frischer Auftritt, die verjüngen sich ja!“ Oder resümieren Sie: „Von mir aus hätte alles so bleiben können, wie es war, eine neue Optik wird überschätzt.“ Teilen Sie uns Ihre Meinung mit und schreiben Sie mir, was beim Weckdienst noch besser aufbereitet werden könnte: jakobs@morningbriefing.de.

Ich wünsche Ihnen einen beschwingten Start in die Woche. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor

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