Morning Briefing 17. Januar SPD leidet an sich selbst

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
Martin Schulz kam gestern Abend nach Düsseldorf. Aber es war nicht mehr die Stadt, die er aus dem Wahlkampf kannte. Statt „Martin, Martin“-Rufen empfingen ihn Trillerpfeifen und wütende Sprechchöre. Schulz hatte die Große Koalition am Wahlabend („Mit dem heutigen Abend endet zugleich unsere Zusammenarbeit“) ausgeschlossen und versucht, sie nun denselben Mitgliedern als segensreich zu verkaufen.

Martin Schulz: Der SPD-Chef verkauft sein Umfallen als Standfestigkeit.

Das schlechte Gewissen steht ihm ins Gesicht geschrieben. Man wird das Gefühl nicht los, dass dieser Mann nicht mehr die SPD retten will, sondern nur noch sich selbst. Das Umfallen wird als Standfestigkeit verkauft; Opportunismus zum Pragmatismus umetikettiert: Alternativlosigkeit in Rot.

Quelle: AFP
Kevin Kühnert: Der Juso-Chef ist mit seiner GroKo-Kritik nicht allein.

Interessant: Das Wahlvolk fühlt ähnlich wie die Jugendorganisation der SPD. Juso-Chef Kevin ist nicht allein zu Haus. Die aktuelle Umfrage der ARD sieht mit weitem Abstand die CDU-Kanzlerin als Gewinnerin der Sondierungsgespräche und Martin Schulz als den Verlierer. Nur noch drei von zehn Befragten empfinden den SPD-Vorsitzenden als führungsstark. Die drei würde man gern kennenlernen. Wahrscheinlich handelt es sich um Familienangehörige.

Quelle: imago/GlobalImagens
Mário Centeno: Der portugiesische Finanzminister lehnt das Etikett „Anti-Schäuble“ ab.

Deutsche Sparer sollen künftig für leidende Banken etwa in Italien mithaften müssen. Das wünscht sich der portugiesische Finanzminister und neue Präsident der Euro-Gruppe Mário Centeno im Interview mit unserer Zeitung, dem ersten seit Amtsantritt. Gleichwohl ist der Mann nicht – oder nicht mehr – der hemmungslose Schuldenpolitiker, der er mal war. Nicht nur Kleider, auch Ämter machen Leute.

Quelle: dpa
C&A-Logo: Der Düsseldorfer Textilhändler könnte an chinesische Investoren verkauft werden.

Der „Spiegel“ hat am Wochenende berichtet, dass der Düsseldorfer Textilhändler C&A an chinesische Investoren verkauft werden könnte. Das hat die mehr als 14.000 Beschäftigten aufgeschreckt. Europa-Chef Alain Caparros wandte sich nun mit einem Brief an die C&A-Mitarbeiter. Die Schlüsselworte darin lauten „Umbau“, „Partnerschaften“ und „externe Investitionen“. So lesen sich in der Welt der Wirtschaft Kapitulationserklärungen.

Quelle: AP
Steve Bannon: Trumps ehemaliger Berater soll im Rahmen der Russland-Untersuchung vor einer sogenannten Grand Jury aussagen.

US-Sonderermittler Robert Mueller macht der Regierung Trump weiter Druck. Er hat laut „New York Times“ den früheren Chefstrategen des Weißen Hauses, Steven Bannon, vorgeladen, der sich eben erst den Fragen des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus stellen musste. Bannon soll nun im Rahmen der Russland-Untersuchung vor einer sogenannten Grand Jury aussagen – hinter verschlossenen Türen und ohne Anwalt. Der Sonderermittler – Princeton-Absolvent und unter Bush junior und Obama FBI-Direktor – ist damit Trumps gefährlichster Gegner. Der Mann spricht nicht und er schießt nicht. Er legt lautlos Schlingen aus.

Quelle: dpa
Tief „Friederike“ zieht auf Deutschland zu.

Tief „Friederike“ zieht auf Deutschland zu. Es wird winden und schneien. Auch Orkanlagen sind denkbar, sagt der Deutsche Wetterdienst. Alle bereiten sich vor; die Bahn wahrscheinlich sogar darauf, wieder überrascht zu sein.

Ich wünsche Ihnen einen unbekümmerten Start in den neuen Tag. Herzlichst grüßt Sie Ihr

Gabor Steingart
Herausgeber

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2 Kommentare zu "Morning Briefing 17. Januar: SPD leidet an sich selbst"

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  • Man braucht sich nur die Körpersprache von Martin Schulz anzusehen, wenn er Merkel hofiert wie Diederich Heßling (der Untertan von Heinrich Mann), dann sieht man sofort seine Bereitschaft, sich unterzuordnen. Er hat alle Trümpfe in der Hand und wirft sie in die Gosse.
    Wo bleibt das israelische Modell, das die Kanzlerschaft nach 2 Jahren wechselt?
    Martin Schulz hat sich über den Tisch ziehen lassen wie jemand, der auf den Enkeltrick hereingefallen ist. Dem ist nicht zu helfen.

  • Seit gestern erhalte ich das Morning Briefing nicht mehr per E-Mail. Ich bitte um Überprüfung.
    Mit freundlichen Grüßen
    Horst Brüggemann

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