Morning Briefing 18. Mai Das Recht des Stärkeren

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
man muss kein Freund von Donald Trump sein, schon gar nicht von seiner aggressiven Außenpolitik. Doch seine einseitige Aufkündigung des Iran-Atomabkommens hat auch Positives bewirkt: Europa demonstriert Geschlossenheit wie lange nicht mehr. Zumindest sind sich die Staats- und Regierungschefs einig, am Atomabkommen mit dem Iran festhalten zu wollen. Das ist noch nicht die Lösung im Iran-Konflikt, aber ein Anfang. Ein zerstrittenes Europa ist chancenlos gegen Trump. Hier gilt die Politiker-Weisheit: „Wer sich klein macht, wird klein gemacht.“

Quelle: dpa
Im Fall von Amerika scheint nicht die Stärke des Rechts, sondern das Recht des Stärkeren zu gelten.

Im Kampf gegen die neuen US-Sanktionen gegen den Iran wirken die Europäer gleichwohl hilflos. Die EU will europäischen Firmen ganz einfach verbieten, US-Sanktionen gegen den Iran zu befolgen. Das klingt nach kraftvollem Auftreten, doch die Unternehmen wird das kaum überzeugen. Konzerne wie die BNP Paribas, Commerzbank und Deutsche Bank mussten schon einmal empfindliche Strafen wegen Verstößen gegen US-Sanktionen hinnehmen. Einen Schutz durch EU-Recht gab es nicht. Im Fall von Amerika scheint nicht die Stärke des Rechts, sondern das Recht des Stärkeren zu gelten.

Zunehmend ruppig geht es nicht nur auf der Weltbühne, sondern auch im Deutschen Bundestag zu. Mit Blick auf die Einwanderungspolitik der Bundesregierung hatte die AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel gesagt: „Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern.“ Buh-Rufe und der Ordnungsruf durch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die AfD offenbar nur provozieren, aber keine Probleme lösen will. Damit macht sie sich als Oppositionspartei überflüssig.

Quelle: dpa
Joe Kaeser zeigt Haltung.

Bemerkenswerter als die Reaktionen im Parlament war die Einlassung von Siemens-Chef Joe Kaeser. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schrieb er: „Lieber ‚Kopftuch-Mädel‘ als ‚Bund Deutscher Mädel‘. Frau Weidel schadet mit ihrem Nationalismus dem Ansehen unseres Landes in der Welt. Da, wo die Haupt-Quelle des deutschen Wohlstands liegt.“ Es tut gut, dass ein Manager wie Kaeser Haltung zeigt. Den Kampf gegen radikale Populisten – am rechten wie am linken Rand – kann die Politik nicht alleine gewinnen. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft – auch für die Verantwortlichen in der Wirtschaft.

Quelle: FOREAL
Weltweit testen Unternehmen das Potenzial der neuen Technologie Blockchain.
(Foto: FOREAL)

Wissen Sie, was Blockchain ist? Weltweit investieren Unternehmen Milliarden, um das Potenzial der neuen Technologie zu testen. Bereits 2027 könnten zehn Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung über eine Blockchain abgewickelt werden. Meine Kollegen sind der verheißungsvollen Technologie auf den Grund gegangen.

Er gilt als wahres Enfant terrible der Kunstszene: Jonathan Meese musste sich schon wegen eines Hitlergrußes vor Gericht verantworten und war unter großem Theaterdonner von der Bayreuther Festspielleitung als Regisseur rausgeworfen worden. Im Gespräch mit dem Handelsblatt Magazin legt er kraftvoll nach – gegen einen verrücktgewordenen Kunstmarkt, angepasste Künstlerkollegen und den Bayreuther Intrigantenstadl. Pflichtlektüre für alle Kunstfreunde.

Natürlich sind auch Journalisten eitel. Über die Auszeichnung als „European Newspaper of the Year“ in der Kategorie überregionale Zeitungen haben wir uns beim Handelsblatt riesig gefreut. Ich bin davon überzeugt, dass die Digitalisierung kein Gattungsschicksal für die Zeitungen ist. Im Gegenteil: Journalismus lebt – gerade in Zeiten von Populismus und Fake News. Zeitungen müssen sich allerdings weiterentwickeln und modernisieren – und zwar permanent. Das haben wir beim Handelsblatt in den letzten Jahren gemacht – und an diesem Erneuerungskurs halten wir fest. Versprochen.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Herzliche Grüße

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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2 Kommentare zu "Morning Briefing 18. Mai: Das Recht des Stärkeren"

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  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Diskutieren erwünscht – aber richtig“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Herr Afhüppe
    Wenn Sie schon die AFD pauschal kritisieren, was Ihr gutes Recht ist und wofür Sie auch bezahlt werden, dann sollten Sie auch mal hinterfragen und sich die "Vorschläge" der anderen im BT vertretenen Parteien anhören, vielleicht auch ansehen. Dieser "Laden" mit dem Namen Bundestag gehört ganz einfach "auseinander genommen".

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