Morning Briefing 19. Januar Oppositionsführer Kevin

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
Widerspruch erwünscht – nach diesem Prinzip entwickeln sich in der SPD große Karrieren. Als Juso-Chef zum Beispiel lag Gerhard Schröder von 1978 bis 1980 meist quer zum Parteivorstand, er lobte sogar die Stamokap-Fraktion. So gesehen könnte es noch etwas werden mit Kevin Kühnert, 28, dem derzeitigen Chef der sozialdemokratischen Jugendorganisation.

Quelle: dpa
Kevin Kühnert: Mit dem derzeitigen Jusos-Chef könnte es noch was werden.

Der Mann aus Berlin ist vor dem SPD-Parteitag am Sonntag zum eloquenten Oppositionsführer gegen die anstehende Große Koalition aufgestiegen. Sein Pensum gestern: Pressekonferenz im Willy-Brandt-Haus, diverse Interviews, ein gelungener Auftritt bei „Maybrit Illner“. Das „Milchgesicht“ („Bild“) ist zum Gesicht der Demokratie geworden.

Quelle: dpa
Peter Altmaier: Der Bundesfinanzminister wirft einen besonders dicken Köder aus.

Angela Merkel, die Kühnerts Künste fürchten muss, trifft heute in Paris den Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Vor dem 55. Jahrestag des Élysée-Vertrags am kommenden Montag kann auch eine geschäftsführende Kanzlerin beweisen, dass der viel zitierte deutsch-französische Motor selbst in fortgesetzten Zeiten der SPD-Selbstfindung läuft. Die Finanzminister beider Länder konferierten schon mal gestern und abends wartete Peter Altmaier (CDU) mit der News auf, es sei eine Grundsatzentscheidung für ein Euro-Zonen-Budget gefallen, das Macron vorgeschlagen hatte. „Wenn die SPD denen am Wochenende zustimmt, werden wir das vertiefen.“ Hier macht ein Menschenfischer einen besonders dicken Wurm an der Angel fest.

Quelle: Reuters
Markus Söder: Der designierte Landeschef will eine bayerische Grenzpolizei und ein bayerisches Landesamt für Asyl aufbauen.

Vielleicht hat ihn der Besuch des konservativen österreichischen Kanzlers Sebastian Kurz noch einmal richtig motiviert – jedenfalls hat Markus Söder (CSU), designierter bayerischer Ministerpräsident, jetzt ein Programm mit hoher Kurz-Weiligkeit aufgelegt. Im Nahkampf gegen AfD und FDP will der Franz-Josef-Strauss-Fan eine eigene bayerische Grenzpolizei und ein bayerisches Landesamt für Asyl und Abschiebungen aufbauen. So soll die Landtagswahl im Oktober gewonnen werden. Wichtig wird jedoch dabei sein, dass Söder nicht nur die Methoden des schneidigen ÖVP-Chefs, sondern auch dessen Erfolg kopiert.

Quelle: Reuters
Heinrich Hiesinger: Der Thyssen-Krupp-Chef steht auf Kriegsfuß mit dem aktivistischen Investor Cevian.

Wenn an diesem Freitag die Hauptversammlung von Thyssen-Krupp läuft, spielt ein Mode gewordenes Duell erneut eine wichtige Rolle: CEO gegen aktivistischen Aktionär. Seit Wochen schon bekämpfen sich, mehr oder weniger subtil, Chefmanager Heinrich Hiesinger und Finanzinvestor Cevian, der mit rund 18 Prozent zweitwichtigste Aktionär. Die Schweden fordern eine Zerschlagung des Industriekonzerns. Hiesinger äußert sich jetzt im Handelsblatt erstmals persönlich: „Wir führen das Unternehmen nicht eindimensional. Dabei handeln wir immer auch gleichermaßen im Interesse unserer Kunden und Mitarbeiter.“ Die juristisch wohlgedrechselten Sätze können von Cevian nur als das verstanden werden, was sie sind: eine Kriegserklärung.

Quelle: dpa
Die Steuerfahndung Wuppertal sammelte viel Geld von säumigen Bürgern ein.

Nicht der voluminöse, sondern der effiziente Staat ist stark. Und effizient waren sie all die Jahre in der Steuerfahndung Wuppertal, die munter CDs mit geheimen Kontodaten aus einstigen Steuerparadiesen wie der Schweiz aufkaufte und viel Geld von säumigen Bürgern einsammelte. Doch nun steht die Einheit ohne Leitung da. Ex-Chef Peter Beckhoff, der härteste Steuerfahnder der Republik, ist in Pension, die Nachfolgerin Sandra Höfer-Grosjean quittierte jetzt den Dienst. Zusammen mit dem Kollegen Volker Radermacher geht sie zur Rechtsberatung des Konzerns Deloitte. Zur Selbstauflösung des Trios ätzt der einstige nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD), es handele sich bei den Wuppertalern um einen Leuchtturm, der unter der neuen schwarz-gelben Landesregierung habe geschliffen werden müssen.

Quelle: dpa
Sturmtief „Friederike“ hat am Donnerstag für ein Großchaos in Deutschland gesorgt.

Der Vorname hat Stil und bedeutet die „Friedensreiche“. Er findet sich etwa bei Friederike von Hannover. Und doch hat der Orkan namens „Friederike“ – gar nicht friedvoll – am gestrigen Donnerstag für ein Großchaos in Deutschland gesorgt: mindestens sechs Tote, alle Fernzüge stillgelegt, Schulausfälle, viele Unfälle. Es war der schwerste Sturm seit „Kyrill“ (2007). Die Bahn kündigt im Übrigen auch für heute noch deutliche Einschränkungen an.

Ich wünsche Ihnen einen friedensreichen Start in den Tag und ins Wochenende. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor

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