Morning Briefing 29. Januar Trumps Triumph über Europa

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
nach seinem europäischen Show-Gastspiel in Davos und gut getimten Charme-Attacken packt Donald Trump jetzt wieder die Harke aus. Die „unfairen“ Handelspraktiken der Europäischen Union würden ihn stören, sagte der US-Präsident back home und kündigte umgehend „Vergeltung“ an.

Quelle: AFP
US-Präsident Donald Trump hat die EU-Handelsbestimmungen als „sehr unfair“ kritisiert.

Das könnte auch die Korona europäischer Wirtschaftsführer interessieren, die sich bei einem Abendessen auf dem Davoser Weltwirtschaftsforum in Gunstbezeugungen und Steuerreform-Huldigungen für den Amerikaner geradezu überboten haben. Von Europa redeten die Appeasement-Manager Joe Kaeser, Bill McDermott & Co. nicht, das macht jetzt Donald Trump.

Quelle: dpa
Sir Winston Churchill begrüßt mit dem berühmten V-Zeichen seine Mitarbeiter in der Downing Street Nr. 10.

Die Gespräche von Union und SPD über eine neue Große Koalition beginnen mit Arbeitsgruppen und Forderungskatalogen. Manche haben wohl Winston Churchill im Kopf: „Jede Niederlage beginnt damit, dass man den Standpunkt des Gegners anerkennt.“ Dem Begehren der Sozialdemokraten nach Änderungen in der Gesundheitspolitik, bei Arbeitnehmerrechten und beim Nachzug von Flüchtlingen setzt der CDU-Wirtschaftsrat die Forderung nach Soli-Abbau auch für den Mittelstand entgegen. Bevor CDU/CSU sich auch nur einen Millimeter auf die SPD zubewegten, sollte sie „alle Bürger entlasten“, sagt Wirtschaftsrat-Generalsekretär Wolfgang Steiger im Handelsblatt. Sicher ist in dem Festival der Finten nur, dass SPD-Chef Martin Schulz erst ganz am Schluss erklären wird, ob er sich seinen Traum vom Außenminister erfüllt und Merkels Helfer wird.

Quelle: Reuters
Zehn Affen wurden in einem US-Labor Dieselabgasen ausgesetzt - um zu beweisen, dass Dieselautos die Gesundheit nicht gefährden.

Die deutsche Autoindustrie hatte einen Traum: nachzuweisen, dass moderne Abgasreinigung der Umwelt hilft. Tierisch einfach, dachte sich ein von ihr getragener Lobbyklub namens „Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“ (EUGT) - und experimentierte mit zehn Affen, aber auch mit Menschen, wie sich jetzt herausstellt. 25 junge, gesunde Probanden mussten in einem Institut des Uniklinikums Aachen mehrfach über Stunden hinweg unterschiedliche Mengen Stickstoffdioxid einatmen. Festgestellt wurde keinerlei Wirkung - bizarr, dass dabei ein VW-Diesel mit manipulierter Abgas-Software im Einsatz war. Es hagelt nun Entschuldigungen von Daimler, VW, BMW und Bosch, die die ominöse EUGT bis zur Auflösung 2017 trugen.

Quelle: AFP
Der Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

Seine gesellschaftliche Haltung war zwiespältig: Einerseits pries er billige Möbel für die breite Bevölkerungsmehrheit, andererseits gönnte er ihr so wenig Steuern wie möglich. Hierzu diente ein chaotisches Geflecht aus Stiftungen und Gesellschaften in Steueroasen wie den Niederlanden, Liechtenstein, Luxemburg oder Curaçao. So wurde die Kreation Ikea von Ingvar Kamprad mit einer gewissen Janusköpfigkeit zur Weltmacht der Eigenbedarf-Handwerker (34 Milliarden Euro Umsatz, 150.000 Mitarbeiter). Er möbilisierte den Globus. Und weil jeder schon mal an „Billy“-Regalen und Köttbullar verzweifelt ist, finden sich heute in allen Zeitungen lange Nachrufe. Kamprad ist am Samstag im Alter von 91 Jahren in seiner südschwedischen Heimat verstorben.

An diesem Montag startet die Bundesnetzagentur nach unseren Erkenntnissen de facto die Auktion der lukrativen Lizenzen für den nächsten Mobilfunkstandard 5G. Die „Knappheit“ der Frequenzen wird festgelegt. Die Telekommunikationskonzerne hoffen auf Zuschlag und kleine Preise. „Wir haben bei der Versteigerung der UMTS-Frequenzen 2010 für ein Stück Papier jeder 8,5 Milliarden Euro bezahlt. Das sollten wir nicht wiederholen“, mahnt Markus Haas, Chef von Telefónica Deutschland. Die Zukunft jedoch ist schon immer viel teurer gewesen, als sie der zuständige Controller errechnet hat.

Quelle: dpa
Die Elektro-Veteranen Kraftwerk haben für „3-D The Catalogue“ den Grammy für das beste Dance-/Electronic-Album des Jahres gewonnen.

Zur deutschen Wertarbeit gehört die Düsseldorfer Elektropop-Gruppe Kraftwerk. Sie existiert seit 1970, hatte Hits wie „Autobahn“ oder „Das Model“ und erhielt nun in New York erneut den renommierten Musikpreis Grammy in der Sparte „Bestes Dance/Elektronisches Album“. Ausgezeichnet wurde in der vergangenen Nacht „3D - Der Katalog“. Für das Mensch-Maschinen-Zeitalter hatte die Band von Ralf Hütter beizeiten vorkomponiert: „(Wir sind...) Die Roboter“. Die Überraschung bei der 60. Grammy-Verleihung im New Yorker Madison Square Garden: Mega-Star Jay-Z ging leer aus. Der Ehemann von Beyoncé hatte zuvor Trumps Spott über „Dreckslöcher“ in Afrika vehement kritisiert und den Präsidenten dabei „suberbug“ (Superbazille) genannt.

Ich wünsche Ihnen einen produktiven Start in die Woche. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor

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