Morning Briefing 3. April Das Handorakel des Donald Trump

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
der Ostersonntag hat Wirkung. Nicht nur, wie gewohnt, wegen des päpstlichen Segens vom Petersdom aus, sondern auch, weil er diesmal auf den 1. April fiel. Einigen führenden Vertretern des sozialen Lebens war nach heftigen Aprilscherzen zumute, allen voran dem unerschrockenen Elon Musk. Der „Disrupter“ vom Dienst verkündete, seine Schöpfung Tesla sei ja so was von pleite („völlig bankrott“) – woraufhin das Publikum nicht lachte, sondern die Aktie auf Talfahrt schickte (zeitweise um bis zu acht Prozent). Vielleicht hängt die spaßbefreite Reaktion ja auch mit dem jüngsten Notfallrückruf Teslas zusammen: Wegen Rostschrauben an der Lenkung müssen 123.000 Autos („Model S“) in die Werkstatt.

Quelle: Reuters
US-Präsident Donald Trump: Machtpolitiker lieben das „Handorakel und die Kunst der Weltklugheit“ des Jesuiten Balthasar Gracián.

Machtpolitiker lieben das „Handorakel und die Kunst der Weltklugheit“ des Jesuiten Baltasar Gracián (1647). Vielleicht hat Donald Trump von einem seiner Berater über die 300-Aphorismen-Fibel gehört. Jedenfalls verhält er sich mit seiner Handelspolitik ganz nach Graciáns Rat, „Leute am Seil der Hoffnung zu führen“ und auf die „Ungeduld des Begehrens“ zu setzen, wenn man Unzufriedenheit erregen müsse. Trumps Zölle auf Aluminium und Stahl gegen China in Höhe von 60 Milliarden Dollar beantwortet die Volksrepublik nun mit Maßnahmen gegen 128 US-Produkte (Schweinefleisch, Mandeln, Wein etc.) im Volumen von nur drei Milliarden. Das signalisiert Verhandlungsspielraum oder einen „Deal“, des Präsidenten liebstes Ding. Trump startet als Grobian, um als Staatsmann zu enden.

Den Amazon-Gründer Jeff Bezos hat der Mann aus dem Weißen Haus zuletzt regelrecht geschmäht, weil er die US-Post schädige, Mark Zuckerberg aber ließ er in Ruhe. Der neuerdings von unaufhörlichem PR-Darstellungsdrang befallene Facebook-Nabob bekannte nun im Internetdienst Vox, es werde noch einige Jahre dauern, bis sich sein durch den jüngsten Datenskandal gebeuteltes Unternehmen aus „diesem Loch herausgraben“ werde. Man habe zu wenig an möglichen Missbrauch gedacht. Dig faster, lautet hier der Rat. Apple-Chef Tim Cook allerdings glaubt, Facebook habe einfach zu wenig an die mehr als zwei Milliarden Nutzer gedacht, weil die ja nichts zahlen müssten. „Umsonst“ ist auch im Internet teuer.

Quelle: AFP
In der Antarktis schmilzt das Eis unter der Wasseroberfläche viel schneller als gedacht.
(Foto: AFP)

Wir sehen, was wir sehen wollen, aber manchmal ist einfach unsichtbar, was wir sehen sollten. Das betrifft die Antarktis, wo das Eis unter der Wasseroberfläche aufgrund des Klimawandels viel schneller schmilzt als gedacht. Eine Studie des britischen Centre of Polar Observation and Modelling schlägt jetzt Alarm. Danach verschwanden zwischen 2010 und 2016 rund 1463 Quadratkilometer Eismasse am Südpol. Oder, populär ausgedrückt: Eis in den Ausmaßen von Greater London ist einfach weg.

In Frankreich liegt nicht Frühling, sondern Streik in der Luft. Das ist an diesem Dienstag zu spüren, einem „black Tuesday“ oder „mardi noir“. Die Gewerkschaften machen bei der Eisenbahn SNCF mit Arbeitsniederlegungen Front gegen eine geplante Reform des Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Der politische Jung-Siegfried will die Staatsbahn per Kraftakt und Verordnung wettbewerbsfähig machen, sie sei in Europa 30 Prozent zu teuer. Für seine Gegner ist er nur ein gelernter Investmentbanker en marche und ein gallischer Thatcherist. Da auch Air France für bessere Tarife und die Müllabfuhr für bessere Arbeitsbedingungen kämpft, fährt die „Grande Nation“ auf Wochen hinaus im Bummelzug.

Quelle: Reuters
Andreas Scheuer: Der neue Verkehrsminister bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der Bekämpfung von Funklöchern.

Reiseweltmeister, Exportweltmeister, Fußballweltmeister... klingt alles schön, waren wir ja alles schon mal. Warum also nicht auch Digitalweltmeister? Das haben sich Denkweltmeister der wahlkämpfenden CSU als neue WM-Zielgröße ausgedacht, weshalb ihr neuer Verkehrsminister Andreas Scheuer nun die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Ergreifung von Funklöchern bittet. Hinweise bitte per App an das nächste CSU-Wahlstudio. Weltbekannt wird der Mann nicht wegen dieser Aktion, sondern weil er gegen Kuwait Airways vorgeht, die keine Israelis transportieren. Das Auswärtige Amt befürchtet laut Handelsblatt schwere diplomatische Schäden. Wenn Scheuer entdeckt, dass die Kuwaitis Großaktionäre bei Daimler sind, wird er sich dessen auch noch als Ministersache annehmen.

In der Wirtschaft ist „Dino“ ein Schimpfwort, das baldigen Marktaustritt suggeriert. In der Fußballbundesliga wiederum war es lange ein Kosewort, das exklusiv dem Hamburger SV galt. Der Klub ist als einziger seit Ligastart 1963 ununterbrochen dabei und hat sich zuletzt sportlich noch immer aus jeder prekären Lage gerettet. Nun jedoch ist dieser HSV auf dem letzten Tabellenplatz schuldenreich und leistungsarm. Was nun? Über das „Dino“-Problem reden wir heute Abend, 18.00 Uhr, im Hamburger Volksparkstadion mit HSV-Vorstand Frank Wettstein. Zwei Karten habe ich für den Talk im Handelsblatt-Wirtschaftsclub zurückgelegt. Mail an jakobs@morningbriefing.de. Das Los entscheidet um zehn Uhr.

Ich wünsche Ihnen einen guten Einstieg in die nachösterliche Woche. Es grüßt Sie herzlich.

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor

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