Morning Briefing 5. April Daten-GAU bei Facebook

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
monatelang machte Facebook mit Fake News auf sich aufmerksam. Doch nun hat sich der einst bewunderte, inzwischen nur noch wundersame Internetkonzern auf eine andere Gattung verlegt: auf Fatal News in eigener Sache. Mark Zuckerberg musste eingestehen, dass vom Datenmissbrauch-Skandal rund um Cambridge Analytica 87 Millionen Nutzer betroffen sind, nicht wie bisher angenommen 50 Millionen.

Quelle: Reuters
Der Facebook-Chef Mark Zuckerberg gerät zunehmend unter Druck.

Was die Geschichte noch schlimmer macht: Facebook räumt zugleich ein, dass die Daten fast jedes Nutzers in der Vergangenheit durch Drittparteien geplündert worden sein könnten. Anlässlich der Beichte beschrieb Zuckerberg seine Firma erneut im Stile eines Gemeindepfarrers als „idealistisch“ und „optimistisch“, man habe sich Missbrauch schlicht nicht vorstellen können. Selig sind die Einfältigen, lautet der passende Kirchensatz hierzu.

Die Heilsversprechen aus Silicon Valley wirken angesichts der neuesten Enthüllungen seltsam hohl. Um Ethik bemühen sich in dieser Lage 3100 Angestellte des großen Facebook-Rivalen Google, die einen Brief an CEO Sundar Pichai unterschrieben. Sie protestierten so gegen Dienste ihres Arbeitgebers für das Pentagon („Projekt Maven“). Dabei sollen dank Künstlicher Intelligenz künftig Drohnen besser eingesetzt werden. „Wir glauben, dass Google nicht im Geschäft des Krieges vertreten sein sollte“, lautet der erste Satz der Mitarbeiterpost. Studiert man die Kontroverse rund um das US-Verteidigungsministerium, fällt einem schnell Bob Dylans Klassiker „Masters of War“ ein: „All the money you made will never buy back your soul.“

Quelle: AP
Donald Trump schreckt die deutsche Industrie ab.
(Foto: AP)

In die Schar der Internet-Kritiker hat sich längst Donald Trump eingereiht, der Generalkritiker des modernen Seins. Sein Hauptangriffsziel: Amazon. Trumps Schlagzeilen sind stets Schläge, aus denen leicht Rückschläge folgen. Einer davon sieht so aus, dass die deutsche Industrie 2018 so viel wie noch nie im Ausland investiert, nur nicht in den USA. Das zeigt eine Umfrage des DIHK unter 5000 Firmen, aus der meine Kollegen zitieren. Danach wollen nur 35 Prozent in Nordamerika investieren (Vorjahr 37 Prozent). Protektionismus und Handelskriege schrecken ab. Am Dienstag hatten die USA Strafzölle für 1333 chinesische Produkte angedroht, am Mittwoch konterte Peking mit einer Strafliste für 106 US-Produkte (Rindfleisch, Sojabohnen, Autos, Flugzeuge). Die ökonomische Dummheit unterliegt dem Gesetz der Parität, der Warenwert beträgt jeweils 50 Milliarden Dollar.

Er schien einer der Unberührbaren des Kapitalismus zu sein. Seit 32 Jahren steht er an der Spitze einer Firma namens Wire & Plastic Products (WPP), die er zum weltgrößten Werbekonzern umfunktionierte. Einer, der sich als Orakel seiner Branche gab, der in den letzten fünf Jahren mehr als 200 Millionen Pfund kassierte und der 2015 Reisekosten für die zweite Ehefrau in Höhe von 274.000 Pfund absetzte. Nun aber ermittelt WPP gegen den eigenen CEO wegen des Verdachts auf persönliches Fehlverhalten und auf Missbrauch von Firmenvermögen. Der Aktienkurs von WPP sackt weiter ab. Es brauchte nur wenige Stunden, um den Zauber von Sir Martin Sorrell, 73, auszulöschen. Da hilft jetzt auch keine Werbung.

Quelle: dapd
Raimund Röseler ist ein Freund klarer Worte.
(Foto: dapd)

Ab und an - bei allen Sprüchen über big, bigger, business - tut es gut, einfach mal wieder ein Loblied des Wettbewerbs zu hören. Raimund Röseler, oberster Bankenaufseher der Aufsichtsbehörde Bafin, stimmt es im Handelsblatt-Gespräch als basso profondo an: „Wenn ich aus zwei großen Problemen ein ganz großes mache, wird dadurch die Situation nicht besser“, merkt er zum angeblichen Allheilmittel Fusionen an. Man liest es, nickt kräftig - und sieht sofort die Frankfurter Türme der Deutschen Bank und der Commerzbank vor sich.

An diesem Donnerstag werden die Aktionäre von Daimler auf der Hauptversammlung in Berlin wieder mit Rekordzahlen und warmen Speisen versorgt. Nur Kartellkonflikte und diese sogenannte Dieselproblematik verderben die Feststimmung etwas. Allen im Saal ist bewusst, wie sehr sich der Skandal um Abgasmanipulationen plus die fortgesetzte Vertuschung durch einige in der Branche auswirkt. Die Neuzulassungen bei Dieselautos gingen im März in Deutschland jedenfalls insgesamt um 25,4 Prozent gegenüber dem Februar zurück, Benziner legten um gut neun Prozent zu. 3,65 Euro Dividende wird die Zittrigen im Aktionärsvolk von Daimler nicht beruhigen.

Die Sache mit der Literatur brachte der Schriftsteller William Somerset Maugham einmal so auf den Punkt: „Jeder ist überzeugt, er könne Bücher kritisieren, nur weil er lesen und schreiben gelernt hat.“ Was noch dazugehört, wo die Geheimnisse des Buchmarkts liegen und wie die großen Egos der Szene auszuhalten sind, ergründet mein Kollege Christian Rickens am Freitag, 18.30 Uhr, in Hamburg bei einem literarischen Club-Abend. Sein Gast ist Christine Westermann, bekannt aus den Fernsehshows „Zimmer frei“ und „Das Literarische Quartett“. Einige Tickets konnte ich zurücklegen, schreiben Sie mir jakobs@morningbriefing.de. Das Los entscheidet.

Ich wünsche Ihnen einen inspirierenden Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor

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