Morning Briefing 7. Februar Der perfekte Mord

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
die Konjunktur läuft heiß und viele Anleger stoßen ihre Aktien ab, als seien sie von einer ansteckenden Krankheit befallen. Grund 1: Das Wachstum wird plötzlich zur schlechten Nachricht, denn viele Anleger fürchten eine Rückkehr der Inflation. Vor allem in den USA, wo die Löhne so schnell steigen wie seit neun Jahren nicht mehr.

Quelle: dpa
Die Börsenwelt bebt, aber sie implodiert nicht.

Hinzukommt: Die blitzschnellen und daher starken Kurseinbrüche deuten auf einen „Flash Crash“ hin. Von einem „Flash Crash“ spricht man, wenn automatisierte Verkaufssignale in großem Ausmaß ausgelöst werden, zum Beispiel von Investment- oder Pensionsfonds. Die Verluste wachsen an wie ein Schneeball, der den verschneiten Hügel herunterrollt.

Und nun? Strategische Geduld ist gefragt. Der Weltuntergang, diese Prognose sei gewagt, wird verschoben. Die Börsenwelt bebt, aber sie implodiert nicht. Heute Nacht haben sich die Kurse in Amerika schon wieder beruhigt. Allerdings: Nachbeben nicht ausgeschlossen.

VW-Chef Matthias Müller muss heute Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch erklären, wie es zu Versuchen mit Affen kommen konnte.

An diesem Mittwoch tagt das Präsidium des VW-Aufsichtsrats. Dort muss Konzernchef Matthias Müller vor Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch treten und erklären, wie es 2013 in den USA zu den hochumstrittenen Versuchen mit Affen kommen konnte. Das Verrückte dieser Verhörsituation: Pötsch war zum Zeitpunkt der Tat Finanzvorstand der Firma und damit für alle Ausgaben, auch die für den Affenversuch, verantwortlich. Müller war zum selben Zeitpunkt Porsche-Vorstandschef und rückte erst im März 2015 in den VW-Vorstand ein. Die Ironie der Geschichte: Ein mutmaßlicher Mittäter und möglicher Mitwisser befragt das Opfer.

SPD-Chef Schulz darf sich nicht beim Mord an jenem Mann erwischen lassen, dem er das höchste Parteiamt verdankt.

Innerhalb der SPD hat ein bizarrer Machtkampf begonnen. Der mittlerweile ungeliebte Parteichef Martin Schulz will den derzeit beliebtesten SPD-Politiker, Außenminister Sigmar Gabriel, zur Strecke bringen und an dessen Stelle im Ministerium Quartier beziehen. Das Duell wird nach den Regeln des Parteienkampfes ausgetragen, also im Verborgenen. Besondere Raffinesse wird dabei vor allem von Schulz verlangt, da er sich nicht beim Mord an jenem Mann erwischen lassen darf, dem er das höchste Parteiamt erst verdankt.

Der Tathergang wird in diesen Tagen minutiös geplant. Der andere soll stolpern, ohne dass ein Stoß erkennbar ist. Er soll am Boden aufschlagen, scheinbar ohne Fremdeinwirkung. Wenn kein Zucken der Gesichtszüge mehr erkennbar ist, will Schulz den Tod des Freundes aus Goslar erst feststellen und dann beklagen. Die Tränen der Schlussszene sind dabei die größte Herausforderung für jeden Schauspieler und so auch für Schulz, der nichts Geringeres plant als den perfekten Mord.

„Allen Sündern wird vergeben, nur dem Vatermörder nicht." - Franz Grillparzer

Einzig sein Angstschweiß verrät ihn. Noch zaudert er. Wird das Publikum sein Alibi überhaupt akzeptieren? In ruhigen Minuten kommen dem ehemaligen Buchhändler, ohne dass er sich dagegen wehren kann, wahrscheinlich die mahnenden Worte des Schriftstellers Franz Grillparzer in den Sinn: „Allen Sündern wird vergeben“, schrieb der einst, „nur dem Vatermörder nicht“.

Ich wünsche Ihnen einen lebensfrohen Start in den neuen Tag. Herzlichst grüßt Sie Ihr

Gabor Steingart
Herausgeber

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7 Kommentare zu "Morning Briefing 7. Februar: Der perfekte Mord"

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  • Tja, der Schulz hat sich ja auch im EU-Parlament bei den Tagesspesen recht großzügig bedient, jetzt möchte er das Außenministeramt. Der Vergleich mit Vatermörder passt absolut! Sollte ein Politiker abkönnen!
    ERSTKLASSIGER KOMMENTAR, HERR GABROR STEINGART, HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH

  • Weiter so Herr Steingart, das System muß die Wahrheit ertragen können, dem Zensor keine Chance.

  • da beste wären 4 Jahre ohne Merkel ::--))

  • ... sind 4 Jahre mit Merkel - Schulz besser?

    Wohl eher nicht. Ich sehe hier nur eine loose - loose Situation für Deutschland.

  • Es wäre weiss Gott die einzige, die einzigste gute Leistung, die Schulz fertigbringen könnte, wenn er Gabriel zum Verstummen bringen würde. Aber so Verliereraffin, wie Schulz ist, wird ihm vielleicht nicht mal das gelingen.
    Nochmal 4 Jahre Merkel plus Gabriel wären die Höchststrafe für Deutschland.

  • Wobei, wenn es Gabriel (der unvergessen das verärgert bis wütende Volk, das keine Diplomatenschule besucht hat, wohl aber mit Mistgabeln umzugehen weiß, Pack genannt hat in seiner Arroganz) treffen sollte, Es mich durchaus freuen sollte. Gabriel ist genauso ein falscher Fuffziger.

  • Der perfekte Mord, bitte nicht ... 16 Jahre Martin Schulz ... das schaffen wir nicht ...

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