Morning Briefing 8. Mai Der US-Präsident schreibt, die Welt zittert

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Vor der Kehrtwende beim Atomabkommen mit Iran. Quelle: Reuters
Donald Trump

Vor der Kehrtwende beim Atomabkommen mit Iran.

(Foto: Reuters)

an diesem Dienstagabend, 20 Uhr hiesiger Zeit, kommt Donald Trump wieder seinem Bedürfnis nach, Weltgeschichte zu schreiben. Was konkret heißt: Er schreibt, die Welt zittert. Aller Voraussicht nach wird der US-Präsident ein Werk seines Vorgängers abräumen und aus dem drei Jahre alten Atomabkommen mit dem Iran aussteigen. Die Kehrtwende ist eine Voll-Brüskierung der Europapolitiker Emmanuel Macron und Angela Merkel, die ihn noch jüngst auf Washington-Reisen vom Mullah-Agreement überzeugen wollten. Ach, denken sie, wäre es doch wie bei Abraham Lincoln: „Ein Charakter ist wie ein Baum und der gute Ruf wie sein Schatten.“

Mit Teheran und Geschäften dort kennt sich Oliver North, 74, bestens aus. Der einstige CIA-Agent und Marine-Offizier verkaufte in den 1980er Ronald-Reagan-Jahren illegal Waffen in den Iran und finanzierte mit dem Erlös rechte Milizen („Contras“) in Nicaragua. Dafür wurde er verurteilt; inzwischen aber hat die dunkle Zentralfigur der Iran-Contra-Affäre wieder Großes vor. Der bisherige Fox-News-Kommentator North ist zum neuen Präsidenten der National Rifle Association (NRA) gewählt worden. Die Personalie polarisiert wie einst nur die des Präsidenten. Gut möglich, dass Trump ihn nach möglichen Aktionen im „Schurkenstaat“ Iran fragt.

Der Trumpismus wirkt auch hier, Barrel für Barrel. Quelle: Reuters
Öl-Fasser

Der Trumpismus wirkt auch hier, Barrel für Barrel.

(Foto: Reuters)

Aus Angst vor geopolitischen Konflikten ist der Ölpreis inzwischen auf 75 Dollar gestiegen - Rekordwert seit 2014. Der Trumpismus wirkt auch hier, Barrel für Barrel. Ein Übriges leisten die Förderbeschränkungen durch das Opec-Kartell und die weltweit steigende Nachfrage. „Konjunktur am Öltropf“ lautet unsere aktuelle Titelgeschichte, in der auch nicht der Hinweis auf eine Einschätzung von Goldman Sachs fehlt, wonach Öl bald 80 Dollar kosten wird.

Manchmal hat Journalismus direkte Folgen. Unsere gestrige exklusive Geschichte über den neuen Steuerboom des Staates mit 60 Milliarden Euro Mehreinnahmen bringt bekannte Politiker dazu, Entlastungen für den Bürger zu fordern. „Ich hielte das für eine gute Idee“, sagt CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. FDP-Chef Christian Lindner wiederum thematisiert sogar ein „Entlastungspaket“, inklusive der „verfassungsrechtlich gebotenen“ Total-Abschaffung des Solis. Wer weiß: Vielleicht melden sich da ja die starken Figuren der nächsten Regierungskoalition.

Wenn sich die Aktionäre der Lufthansa heute auf der Hauptversammlung treffen, ist vordergründig alles in Ordnung. Schließlich ist Rivale Air Berlin havariert. Der neue Monopolist grüßt denn auch mit 80 Cent statt 50 Cent Dividende. Wenn da nur nicht die Tochter Eurowings wäre: Sie fliegt weiter Verluste ein. Der neue Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley will dennoch dem Vorstand über eine veränderte Satzung helfen, Investments künftig leichter zu tätigen. Motto frei nach John Maynard Keynes: „Es ist besser, ungefähr richtig zu liegen als präzise falsch.“ Die nächsten Deals sind so sicher wie das Anschnallzeichen vor der Landung.

Das Bild hing zu Hause in Manhattan in seiner Bibliothek, eine Rarität, die aus der rosa Periode von Pablo Picasso stammt. Nun ist das „Junge Mädchen mit einem Blumenkorb“ aus dem Hab und Gut des verstorbenen Bankers David Rockefeller eindeutig der Star bei einer mehrtägigen Auktion von Christie's.

Das Gemälde des Künstlers Pablo Picasso ist der Star bei einer mehrtägigen Auktion von Christie's. Quelle: dpa
„Junges Mädchen mit einem Blumenkorb“

Das Gemälde des Künstlers Pablo Picasso ist der Star bei einer mehrtägigen Auktion von Christie's.

(Foto: dpa)

Mehr als 100 Millionen Dollar könnte der frühe Picasso bringen, Hunderte andere Stücke (Gemälde, englisches Silber, Meißen) dürften weitere 900 Millionen beisteuern. Der mit Öl reich gewordene US-Clan sorgt damit erneut für kapitalistische Rekorde - von denen diesmal aber viele etwas haben. Philanthrop David verfügte, der Erlös solle an Institutionen wie die Harvard University und das MoMA fließen.

Ich wünsche Ihnen einen erlösträchtigen Tag, natürlich nicht ohne Blumen. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor.

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